Montag, 09.05.2016

Psycho-Vorteil liegt beim THW Kiel

Löwen droht erneutes Titel-Trauma

Nach der überraschenden Niederlage der Rhein-Neckar Löwen steuert die Handball-Bundesliga auf ein Herzschlag-Finale zu. Den Mannheimern droht im Dreikampf mit dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt ein schmerzhaftes Déjà-vu.

Mads Mensah Larsen von den Löwen und Erlend Mamelund vom THW fighten um jeden Zentimeter
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Mads Mensah Larsen von den Löwen und Erlend Mamelund vom THW fighten um jeden Zentimeter

Die frohe Kunde erreichte die Stars des THW Kiel auf ihrem Weg auf die heimische Couch. Ihren imposanten 30:21-Erfolg gegen die HSG Wetzlar hatten die Zebras längst abgehakt, da machte die Nachricht vom Ausrutscher der Rhein-Neckar Löwen die Runde. Der psychologische Vorteil liegt nach dem überraschenden Patzer des Tabellenführers plötzlich bei den Kielern, den Löwen droht dagegen ein erneutes Titel-Trauma.

"Die Löwen machen sich vielleicht jetzt ein bisschen mehr Gedanken, und sie haben auch noch ein, zwei schwere Spiele", sagte Kiels Europameister Rune Dahmke angesichts der 20:24-Niederlage des großen Rivalen bei den Füchsen Berlin. Und auch THW-Keeper Niklas Landin freute sich diebisch über den Strauchler seines Ex-Teams: "Die Chancen sind jetzt natürlich noch größer als vor dem Spieltag am Sonntag. Jetzt sind wir punktgleich."

Zwar liegen die Löwen mit 48:8 Punkten noch immer hauchdünn vorn, doch Titelverteidiger Kiel (46:8) und die SG Flensburg-Handewitt (45:9) sitzen ihnen dichter denn je im Nacken. Ein Herzschlag-Finale scheint programmiert.

Trainer Jacobsen entäuscht und sprachlos

Für die Badener dürfte der Weg zur ersten Meisterschaft nach dem vergebenen "Big Point" in der Hauptstadt jedenfalls erneut zur Zitterpartie werden. "Ich bin unheimlich enttäuscht und auch ein wenig sprachlos", sagte Löwen-Trainer Nicolaj Jacobsen nach dem unkonzentrierten Auftritt seines Teams in Berlin niedergeschlagen. Eine Woche nach dem schmerzhaften Halbfinal-K.o. im DHB-Pokal droht dem Tabellenführer nun auch in der Liga die Puste auszugehen.

Was die Niederlage konkret für Auswirkungen hat, werde sich noch zeigen, sagte Jacobsen: "Aber klar ist, dass wir uns jetzt keinen Patzer mehr erlauben dürfen und nun wieder über unsere Schulter schauen müssen." Vor den letzten vier Spielen, drei davon in der Fremde, ist der Löwen-Vorsprung auf 48 Tore geschmolzen - und die Konkurrenten aus Kiel und Flensburg haben noch eine Partie in der Hinterhand.

Schmerzliche Erinnerung an Vorsaison

"Wir sind immer noch Tabellenführer, haben das deutlich bessere Torverhältnis und damit alles noch in der eigenen Hand", sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki trotzig. Doch auch bei dem Nationalspieler dürften allmählich die schmerzhaften Erinnerungen an das Foto-Finish 2014 hochkommen, als Kiel den Löwen den Titel am letzten Spieltag noch wegschnappte - wegen des um zwei Treffer besseren Torverhältnisses.

Auch im vergangenen Jahr hatte der Rekordmeister Groetzki und Co. mit einem beherzten Schlussspurt auf der Zielgeraden noch abgefangen und sich mit zwei Zählern Vorsprung erneut zum Champion gekrönt. "Für uns ist es erst einmal wichtig, unsere eigenen Hausaufgaben zu erledigen", sagte THW-Linksaußen Dahmke mit Blick auf das knackige Kieler Restprogramm: "Deshalb konzentrieren wir uns jetzt auf das schwere Auswärtsspiel am Mittwoch in Magdeburg."

In der Ligazentrale in Dortmund reiben sich die Verantwortlichen angesichts der neuen Situation an der Tabellenspitze jedenfalls die Hände. Ein Dreikampf um den Titel - eine derartige Konstellation hat es seit 14 Jahren nicht mehr gegeben. In der Saison 2001/02 lieferten sich Kiel, Nordhorn und Lemgo einen packenden Wettstreit bis zum letzten Spieltag - am Ende gewann wie so oft der THW.


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