Donnerstag, 21.04.2016

Uwe Gensheimer im Interview

"Wir haben Frau Merkel nicht veräppelt"

Im Sommer wechselt Uwe Gensheimer zu Paris Saint-Germain. Vorher will der Linksaußen mit den Rhein-Neckar Löwen Geschichte schreiben und deutscher Meister werden. Bei SPOX spricht der DHB-Kapitän über das HBL-Finale und den EM-Hype um die Nationalmannschaft. Zudem erzählt der 29-Jährige, wie er mit der Merkel-Raute im Kanzleramt für Aufsehen sorgte.

Uwe Gensheimer (r.) wechselt im Sommer von den Löwen nach Paris
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Uwe Gensheimer (r.) wechselt im Sommer von den Löwen nach Paris

SPOX: Herr Gensheimer, wie stellen Sie sich den 5. Juni 2016 vor?

Uwe Gensheimer: Letzter Bundesliga-Spieltag, wir müssen nach Lübbecke. Ich hoffe natürlich, dass danach eine große Party steigen kann, weil wir deutscher Meister sind. Der Weg bis dahin ist aber noch verdammt lang.

HBL: Kiel und Flensburg patzen

SPOX: Vieles spricht für die Löwen. Nicht aber unbedingt die Tatsache, dass noch fünf Auswärtsspiele auf dem Programm stehen.

Gensheimer: Ich weiß, es klingt wie eine Floskel. Aber Auswärtsspiele sind in der HBL eine gefährliche Angelegenheit. Wir sind vielleicht in der Favoritenrolle, ja. Aber man muss vor jedem Gegner Respekt haben, dessen sind wir uns bewusst. Und so gehen wir diese Spiele auch an.

SPOX: Vor der Saison hatten die wenigsten Experten den Löwen zugetraut, in dieser Form ins Titelrennen einzugreifen. Was zeichnet das Team aus?

HBL-Dreikampf: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Gensheimer: Wir mussten einige Abgänge verkraften, darunter langjährige Schlüsselspieler wie Niklas Landin oder Bjarte Myrhol. Trotzdem haben wir noch immer eine Stammformation, die sich lange kennt und große Qualität mitbringt. Ein meiner Meinung nach ganz wichtiger Punkt für uns war, dass Mads Mensah Larsen und Harald Reinkind noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht haben. Und dann müssen Sie sich mal anschauen, gegen wen wir bislang Punkte abgegeben haben.

Chuck wer? Hier kommt Andreas Wolff
So nett und harmlos sah er aus vor der Europameisterschaft. Doch SPOX erfuhr aus Final-Kreisen: Der Mann ist der Hammer.
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Was geht einem Gegner von Andreas Wolff als letztes durch den Kopf? Sein Fuß. Grüße an Spanien
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Andreas Wolff haut sich morgens zwei Pfannen in die Eier. Abhärtung eben
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Andreas Wolff kann mit zwei Händen die Zahl 29 zeigen
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Andreas Wolff kann die Faustabwehr mit der flachen Hand
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Der Bart von Andreas Wolff verdeckt kein Kinn, sondern eine weitere Hand
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Wenn Andreas Wolff in den Himmel blickt, schwitzen Wolken vor Angst. Wir kennen das als Regen
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Andreas Wolff hält seine eigenen Siebenmeter
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Wenn man Andreas Wolff fragt, wie viel Liegestütze er schafft, sagt er alle
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Und last but not least: Wenn die Spanier heute schlafen gehen, schauen sie, ob Andreas Wolff unter dem Bett liegt
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SPOX: Die drei Niederlagen setzte es in Melsungen, in Kiel und zu Hause gegen Flensburg.

Gensheimer: Genau. Die Spiele, die wir verloren haben, waren alle gegen Top-Teams. Das heißt, dass wir es bislang geschafft haben, Punktverluste gegen vermeintlich schwächere Gegner zu vermeiden. Die Betonung liegt auf bislang! Das ist uns in den vergangenen Jahren nicht immer gelungen. Wir müssen weiterhin mit der richtigen Einstellung in solche Spiele gehen und einfach unsere Leistung abrufen. Machen wir das, sind wir schwer zu schlagen.

SPOX: Welche Rolle spielt in den Köpfen das dramatische Saisonfinale von 2014, als die Löwen am letzten Spieltag noch vom THW abgefangen wurden und zwei Tore zur Meisterschaft fehlten?

Gensheimer: Wenn es überhaupt noch eine Rolle spielt, dann in der Hinsicht, dass wir daraus gelernt haben. Man kann auch in so bitteren Momenten wichtige Erfahrungen sammeln. Das haben wir meiner Meinung nach getan, wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Der Titelkampf von 2014 beeinflusst uns jedenfalls nicht negativ. Wir sind heiß und wollen Meister werden.

SPOX: Die Meisterschaft wäre für Sie persönlich ein krönender Abschluss nach 13 Jahren bei den Löwen.

Gensheimer: Es ist kein Geheimnis, dass die Beziehung zwischen den Rhein-Neckar Löwen und mir eine besondere ist. Die Löwen sind der einzige Verein, für den ich in meiner bisherigen Profi-Karriere aufgelaufen bin. Das sagt doch schon einiges aus. Mich nun mit einem nationalen Titel zu verabschieden, was gleichzeitig den ersten nationalen Titel für den Klub überhaupt bedeuten würde, wäre einfach ein Traum. Die Meisterschaft wäre für mich das Größte.

"Die Meisterschaft wäre für mich das Größte."

Uwe Gensheimer

SPOX: Mit dem DHB-Pokal, in dem es die Löwen im Halbfinale mit Flensburg zu tun bekommen, wären sogar zwei Titel drin.

Gensheimer: Zwei nationale Titel gewinnen? Auch da hätte ich nichts dagegen. (lacht)

SPOX: Im Sommer wechseln Sie zu Paris Saint-Germain. Welche Rolle spielt PSG schon jetzt in Ihren Gedanken?

Gensheimer: HBL-Finale, Pokal-Final-Four, Olympia: Es stehen noch so viele Dinge an, bis ich meinen Dienst in Paris antrete. Deshalb denke ich derzeit noch nicht so viel an PSG. Ganz drum herum komme ich allerdings nicht. Man muss sich ja beispielsweise um Vorkehrungen wie die Wohnungssuche kümmern. Deshalb stehe ich mit Paris in Kontakt. Der sportliche Fokus liegt aber komplett auf den Löwen.

Seite 1: Gensheimer über das HBL-Finale und PSG

Seite 2: Gensheimer über Merkel und das DHB-Team

Interview: Felix Götz

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Felix Götz(Redaktion)

Felix Götz, Jahrgang 1982, kehrte nach einjährigem Zwischenstopp bei Sport1 im März 2013 zurück zu SPOX, wo er bereits zuvor sein Volontariat absolvierte. Geboren und aufgewachsen in Ehingen an der Donau, studierte er in Freiburg an der Pädagogischen Hochschule, ehe es ihn 2008 nach München zog. Aktuell kümmert er sich als verantwortlicher Redakteur um den Sportsbereich mit dem Schwerpunkt Handball, die NFL und die Newsredaktion bei Perform Deutschland. Für SPOX berichtete Götz unter anderem von der Handball-WM in Katar, der Handball-EM in Polen und den Olympischen Spielen in Rio.

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