Donnerstag, 21.01.2016

Superliga soll kommen

Die Handball-Revolution

Dem Handball steht womöglich ein radikaler Umbruch bevor. Eine Gruppe von Investoren treibt die Planungen für die Premier Handball League (PHL) voran und macht dabei nicht einmal vor Regeländerungen halt. Was ist dran an der Geschichte? Welche Klubs sind dabei? Welche Auswirkungen ergeben sich? Was sagen die Funktionäre? SPOX gibt einen Überblick.

Dem Handball steht eine Revolution ins Haus
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Dem Handball steht eine Revolution ins Haus

Was ist geplant?

Eine Investorengruppe um den deutschen Spielervermittler Wolfgang Gütschow, der unter anderem Bundestrainer Dagur Sigurdsson und Nationaltorhüter Carsten Lichtlein zu seinen Klienten zählt, will eine privat betriebene Superliga unter dem Namen Premier Handball League (PHL) installieren.

Die Liga soll 2019 starten und eine Lizenzliga sein, also ein Franchise-System nach dem Vorbild der NBA. Der Plan: Die Teilnehmer treten in einem geschlossenen Zyklus das ganze Jahr in Hin- und Rückspielen gegeneinander an. Es soll feste Spieltermine im Wochen-Rhythmus geben. Auf- und Abstiege gibt es also nicht.

Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Im Vergleich zu früheren Anläufen scheinen die Initiatoren diesmal ernst zu machen. Es ist nach Einschätzung vieler Experten nicht davon auszugehen, dass es sich nur um eine Blase handelt.

Ein Indiz dafür ist die Kündigung des Geschäftsführers des EHF-Marketing, Peter Vargo, der im Sommer 2016 bei der PHL einsteigt. Vargo war bisher für die Vermarktung der Champions League zuständig.

Und: Nach übereinstimmenden Berichten wurde die PHL am 25. November 2015 unter der Nummer CH-020-3.402.676-5 ins Handelsregister in Zürich eingetragen. Verwaltungsratspräsident ist Gütschow.

Welche Ziele verfolgt die PHL?

Es geht langfristig natürlich darum, Geld zu verdienen. Der Handball soll zu einem vermarktbaren Premiumprodukt gemacht werden, in dem auch die teilnehmenden Vereine einen deutlich größeren Anteil aus den Fleischtöpfen erhalten als es in der Champions League der Fall ist. Irgendwann in den Jahren nach 2019 soll die Liga auch auf dem US-Markt und in Asien positioniert werden.

Zudem sollen Profischiedsrichter und der Videobeweis eingeführt werden. Die Regeln sollen vereinfacht werden, beispielsweise wird es anscheinend eine Shotclock geben.

Welche Teams sind dabei?

Der Start soll mit zwölf Mannschaften erfolgen, die möglichst in großen europäischen Metropolen beheimatet sind. Aktuell wird mit den beiden deutschen Teilnehmern THW Kiel und Füchse Berlin geplant. Es werden zudem Gespräche mit den Rhein-Neckar Löwen geführt, auch ein in Hamburg angesiedeltes Team ist offenbar ein Thema.

Die Gewinner der Handball-EM
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1996, RUSSLAND: Zweites Finale und der erste Triumph für Russland - Andrei Lawrow, seines Zeichens größter Titelsammer der Geschichte, darf sich in Spanien freuen
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1998, SCHWEDEN: In Italien geht es für den späteren Sieger u.a. gegen Deutschland. Auch für Torwart Jan Holpert sind Schwedens Angreifer nicht zu stoppen
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2000, SCHWEDEN: In Kroatien gibt es den nächsten Titel für die Gelben - Magnus Wislander wird bester schwedischer Werfer im Turnier
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2002, SCHWEDEN: In der Heimat setzt sich Schweden zum vierten Mal die europäische Krone auf. Leidtragendes Opfer: Deutschland, das mit 31:33 den Kürzeren zieht
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2004, DEUTSCHLAND: Besser machte es das DHB-Team zwei Jahre später. In Slowenien gibt's den ersten kontinentalen Erfolg für Schwarz-Rot-Gold
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2006, FRANKREICH: Die nächsten Freudentränen gab es 2006 in Frankreich. Die Schweiz wird zum Ort der erfüllten Sehnsucht
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2008, DÄNEMARK: Die Norweger laden 2008 zum EM-Gipfel, den Dänemark zum ersten Mal für sich entscheidet
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2010, FRANKREICH: Zum zweiten Mal hintereinander steht Kroatien im Finale, doch als Sieger gehen die Franzosen vom Feld. Austragungsland ist Österreich
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2012, DÄNEMARK: In den letzten Jahren etablierte sich ein fleißiges Sieger-Wechsel-Dich zwischen Frankreich und Dänemark. Mikkel Hansen kann 2012 dank eines Erfolgs über Ausrichter Serbien für Dänemark die Silberschale in den Himmel recken...
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2014, FRANKREICH ...dann sind 2014 wieder die Franzosen dran, die in Dänemark den damaligen Titelträger aus der eigenen Halle feuern (41:32)
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International gesehen sollen der FC Barcelona, Paris Saint-Germain und eine Mannschaft aus Moskau vertreten sein. Außerdem werden MKB Veszprem und angeblich sogar Besiktas gehandelt.

Grundsätzlich gilt: Es könnte nach jetzigem Stand auch der eine oder andere Verein aus dem Nichts entstehen und teilnehmen. Die exakten Voraussetzungen, um zugelassen zu werden, wurden bisher allerdings nicht kommuniziert.

Wie reagieren die Verbände EHF und IHF?

Die IHF hält sich bislang komplett zurück. Die EHF, die über Ziele und Marketingstrategien von der PHL informiert wurde, hat angekündigt, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Begeistert ist sicher keiner der Dachverbände.

Man muss davon ausgehen, dass alle Mittel eingesetzt werden, um eine derartige Liga zu verhindern. Gütschow selbst rechnet mit "brachialen Sanktionen". Am Ende würden aber nicht die Verbände, sondern die großen Klubs über die Realisierung des Projekts entscheiden.

Was bedeutet die PHL für die Champions League?

Kommt die PHL, ist die ohnehin schon von einigen Klubs ungeliebte Champions League Geschichte. Gerade deutsche Topvereine bemängeln seit Jahren die zu vielen und oft unattraktiven Spiele in der Königsklasse. Zudem werden sie ihrer Meinung nach zu wenig am Erfolg beteiligt.

Gerüchten zufolge schüttet die EHF lediglich ein Viertel der Vermarktungserlöse von 14 Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Beim Fußball verbleiben etwa drei Viertel der Champions-League-Erlöse in Höhe von 420 Millionen Euro bei den Klubs. Die PHL soll für die Vereine deutlich lukrativer werden.

Was heißt das für die HBL?

Die potenziellen deutschen Teilnehmer haben bereits klargestellt, dass die Bundesliga in keinster Weise beeinträchtigt werde. PHL-Partien werden demnach unter der Woche stattfinden, HBL-Partien am Wochenende. Die zusätzlichen Belastungen für die Spieler könnten, so die Macher, durch größere Kaderstärken aufgefangen werden.

Ein großes Problem gibt es allerdings doch. Wird die PHL tatsächlich so lukrativ wie angekündigt, würden beispielsweise die beiden Teilnehmer Kiel und Berlin gegenüber dem Rest der HBL einen riesigen Wettbewerbsvorteil haben.

Die Torschützenkönige der letzten 10 Jahre
Saison 2005/2006: Gudjon Valur Sigurdsson (VfL Gummersbach), 264 Tore (69 Siebenmeter)
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Saison 2005/2006: Gudjon Valur Sigurdsson (VfL Gummersbach), 264 Tore (69 Siebenmeter)
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Saison 2006/2007: Kyung-Shin Yoon (HSV Hamburg), 236 Tore (88 Siebenmeter)
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Saison 2006/2007: Kyung-Shin Yoon (HSV Hamburg), 236 Tore (88 Siebenmeter)
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Saison 2007/2008: Konrad Wilczynski (Füchse Berlin), 237 Tore (128 Siebenmeter)
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Saison 2008/2009: Savas Karipidis (MT Melsungen), 282 Tore (116 Siebenmeter)
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Saison 2009/2010: Hans Lindberg (HSV Hamburg), 257 Tore (135 Siebenmeter)
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Saison 2009/2010: Hans Lindberg (HSV Hamburg), 257 Tore (135 Siebenmeter)
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Saison 2010/2011: Anders Eggert (SG Flensburg-Handewitt), 248 Tore (132 Siebenmeter)
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Saison 2011/2012: Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen), 247 Tore (84 Siebenmeter)
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Saison 2012/2013: Hans Lindberg (HSV Hamburg), 235 Tore (99 Siebenmeter)
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Saison 2013/2014: Marko Vujin (THW Kiel), 248 Tore (66 Siebenmeter)
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Saison 2014/2015: Robert Weber (SC Magdeburg), 271 Tore (99 Siebenmeter)
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Das könnte über kurz oder lang dazu führen, dass die Bundesliga von zwei Vereinen komplett dominiert wird. Nach jetzigem Stand würden womöglich die Rhein-Neckar Löwen oder die SG Flensburg-Handewitt mit dem THW und den Füchsen nicht mehr ernsthaft konkurrieren können.

Was sagen die Funktionäre?

Gerd Butzeck (Geschäftsführer des Forum Club Handball): "Eine private Liga könnte die bestehenden verkrusteten Strukturen aufbrechen und das Produkt Spitzenhandball nachhaltig verbessern."

Frank Bohmann (HBL-Geschäftsführer): "Die Pläne sind interessant. Es ist eine gute Vermarktungsidee, unseren Sport in weltweite Metropolen bringen zu wollen. Man muss das Modell und die Sportart in Städten wie Sydney, Chicago oder Tokio aber erstmal vermitteln."

Thorsten Storm (Geschäftsführer THW Kiel): "Wenn das ganze so umgesetzt wird wie geplant, sind plötzlich Reichweiten und Werbetöpfe für den Handball möglich, an die unser Sport sonst nicht herankommen würde. Es ist eine Riesenchance für unseren Sport. Viele jugendliche Handballer würden ihren Idolen nacheifern wollen. Im Moment werden es tendenziell eher immer weniger Kinder in den Vereinen."

Bob Hanning (Füchse-Boss und DHB-Vizepräsident): "Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir aus dem Fenster gucken und nicht merken, dass die Rollläden unten sind. Es muss sich grundsätzlich etwas ändern. Ich plädiere für eine gemeinsame Lösung mit der EHF."

Lars Lamade (Manager Rhein-Neckar Löwen): "Ich befinde mich ebenfalls in Gesprächen mit der neuen Liga und finde die Idee grundsätzlich gut."

Wolfgang Gütschow (PHL-Verwaltungsratspräsident): "Für die Vermarktung sehe ich großes Potenzial, da es nur Hammerspiele mit einer Mega-Playoff-Runde gibt."

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Felix Götz

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Felix Götz(Redaktion)

Felix Götz, Jahrgang 1982, kehrte nach einjährigem Zwischenstopp bei Sport1 im März 2013 zurück zu SPOX, wo er bereits zuvor sein Volontariat absolvierte. Geboren und aufgewachsen in Ehingen an der Donau, studierte er in Freiburg an der Pädagogischen Hochschule, ehe es ihn 2008 nach München zog. Aktuell kümmert er sich als verantwortlicher Redakteur um den Sportsbereich mit dem Schwerpunkt Handball, die NFL und die Newsredaktion bei Perform Deutschland. Für SPOX berichtete Götz unter anderem von der Handball-WM in Katar, der Handball-EM in Polen und den Olympischen Spielen in Rio.

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Wer wird HBL-Meister 2016/2017?

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