WM ohne Bilder von ARD und ZDF

SID
Dienstag, 02.12.2014 | 17:25 Uhr
Keine Live-Bilder aus der Halle wird es von den öffentlich-rechtlichen Sendern geben
© getty
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Vorläufiger Tiefpunkt im Drama um den deutschen Handball: Durch den Verzicht von ARD und ZDF auf eine Übertragung der Handball-WM 2015 in Katar (15. Januar bis 1. Februar 2015) droht der ruhmreichen Sportart der Sturz ins Bodenlose.

"Das ist eine sehr schlechte Botschaft für den deutschen Handball", sagte DHB-Präsident Bernhard Bauer dem SID vollkommen frustriert: "Wir sind massiv enttäuscht und geschockt." Wochenlang hatten er und Vizepräsident Bob Hanning um eine Übertragung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gekämpft - am Ende vergebens.

Auch die Handballszene reagierte bestürzt auf das abrupte Ende der Verhandlungen zwischen ARD und ZDF sowie dem Rechteinhaber BeIn Sports, dem Sportableger des federführenden Senders Al Djazeera. "Ein Fiasko für den Handball. Mir fehlen die Worte", twitterte Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar. Und der frühere Welthandballer Daniel Stephan stellte im Gespräch mit dem "SID" konsterniert fest: "Das ist die Quittung für die schlechten Leistungen in den vergangenen Jahren - einfach ernüchternd."

Obmann Steffel: "Nicht das letzte Wort"

Auch im Bundestag-Sportausschuss sorgte die Nachricht für Entsetzen. "Diese Entscheidung darf nicht das letzte Wort sein! Wenn der Gesprächsfaden zwischen der ARD, ZDF und Al Jazeera gerissen ist, brauchen wir jetzt einen kompetenten Mediator. Ich erwarte im Namen aller Fans, dass die Verantwortlichen sich noch einmal zusammensetzen", sagte Obmann Frank Steffel (CDU/CSU).

Der Handball hatte zuletzt in der Öffentlichkeit immer wieder für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Dem sportlichen Absturz mit den verpassten Qualifikationen für diverse sportliche Großereignisse folgte die unwürdige Posse um die umstrittene Wildcard, die dem deutschen Team die Starterlaubnis für die bevorstehende WM erst über Umwege garantierte. "Die Wildcard für Deutschlands WM-Teilnahme wurde mit der großen Begeisterung in Deutschland für den Handball begründet. Keine Übertragung der WM führt diese Entscheidung ad absurdum", merkte der Politiker Steffel an.

Verbandschef Bernhard Bauer machte deutlich: "Wir brauchen die große Öffentlichkeit einer Weltmeisterschaft auch, um neue Vorbilder für unsere Kinder und Jugendlichen zu schaffen, diese für den Sport zu begeistern und damit die Zukunft des Handballs zu sichern." Vor zwei Jahren schalteten fast zehn Millionen TV-Zuschauer ein, als die deutsche Mannschaft bei der WM in Spanien um den Halbfinaleinzug kämpfte.

Hoffnung noch nicht aufgegeben

Aufgegeben hat Bauer die Hoffnung auf Livebilder im frei empfangbaren Fernsehen noch nicht. Als letzten Strohhalm klammern sich die DHB-Bosse nun an Sport1. "Wir haben noch sechs Wochen Zeit und werden alle Hebel in Bewegung setzen", sagte der 64-Jährige. Es sei "im Interesse von Fans und Sponsoren", dass sich noch eine Lösung mit einem deutschen TV-Sender ergibt.

ARD und ZDF machten aus ihrer Enttäuschung um die geplatzten Verhandlungen derweil keinen Hehl. "Wir bedauern, dass wir von diesem Großereignis in einer bei den deutschen Fernsehzuschauern beliebten Sportart aufgrund der mangelnden Gesprächsbereitschaft und der Nichteinhaltung bereits vor Monaten gegebener schriftlicher Zusagen seitens des Rechtegebers nicht werden berichten können", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.

Streitpunkt zwischen dem Rechteinhaber BeIn Sports, der die Konzessionen für die Weltmeisterschaften der Jahre 2014 bis 2017 für die Rekordsumme von 100 Millionen Schweizer Franken (rund 81 Mio. Euro) im Frühjahr vom Handball-Weltverband IHF erworben hatte, und der SportA waren nach Informationen von Spiegel Online allerdings nicht die Kosten für die Übertragung.

Vielmehr scheiterte der Deal, so das Nachrichtenportal, an der Frage, ob die Satelliten, die ARD und ZDF nutzen, unverschlüsselt senden dürfen oder nicht. BeIn Sports wollte die Bilder beider Satelliten verschlüsseln lassen. SportA habe dagegen angeboten, einen der zwei genutzten Satelliten verschlüsseln zu lassen.

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