Samstag, 14.12.2013

Die Nadja Nadgornaja Kolumne

Ein Mädelsabend mit Sex and the City

Deutschlands Handball-Frauen sorgen bei der WM in Serbien für Begeisterung - nach fünf Siegen in fünf Spielen wurde die Vorrunde als Gruppensieger abgeschlossen. Der Medaillen-Traum lebt! Im Achtelfinale treffen die DHB-Mädels am Sonntag (17.30 Uhr auf Sport1) in Novi Sad auf Afrikameister Angola. Rückraumspielerin Nadja Nadgornaja schreibt in ihrer SPOX-Kolumne über eine gefährliche Situation, typische Frauenabende und eine offene Rechnung.

Nadja Nadgornaja und die DHB-Frauen sind in Serbien nicht zu stoppen
© imago
Nadja Nadgornaja und die DHB-Frauen sind in Serbien nicht zu stoppen

Liebe Handball-Fans,

hallo zu meiner ersten SPOX-Kolumne! Ich melde mich am Ruhetag vor dem Achtelfinale bei Euch, und es kann eigentlich keinen besseren Start für meine erste Kolumne geben als jetzt. Fünf Spiele, fünf Siege - es läuft nicht schlecht hier für uns :-)

Am Freitag haben wir auch noch Ungarn geschlagen, das war zum Abschluss der Vorrunde ein richtig richtig hartes Spiel, das uns alles abverlangt hat. Wir wussten zwar, dass es zur Sache gehen würde, und waren darauf vorbereitet, aber wirklich aufgetaut sind wir erst in der zweiten Halbzeit.

Da haben wir es dann geschafft, die Abwehr kompakter und aggressiver zu stellen, sodass es Clara im Tor einfacher hatte, ein paar Dinger zu holen. Ein paar Mal hat sie uns auch den Arsch gerettet, wie man so schön sagt.

Wir sind natürlich froh über den Sieg und die perfekte Vorrunde, aber jetzt geht alles wieder bei null los. Alle Teams starten mit der gleichen Ausgangsposition, nämlich mit nichts. Es ist schön, dass es bis jetzt so gut gelaufen ist, aber das müssen wir jetzt schnell aus den Köpfen rausbekommen und den Fokus aufs Achtelfinale legen - dort geht es um alles oder nichts.

Sonst fliegen wir nach Hause...

Ich bin guter Dinge, weil wir schon vor dem Turnier wussten, dass wir uns gut entwickelt haben und deutlich weiter sind als noch bei der WM in Brasilien. Mit diesem Gefühl sind wir nach Serbien gekommen, wir haben innerhalb des Teams gespürt, dass wir uns viel erarbeitet und Schritte nach vorne gemacht haben.

Dass uns nicht noch mal ein Ausscheiden nach der Vorrunde passieren würde, war uns klar. Dennoch war es natürlich nicht zu erwarten, dass wir ohne Niederlage durch eine Gruppe mit so starken Gegnern wie Rumänien und Ungarn marschieren.

Deshalb freut es uns umso mehr, aber ich muss es wirklich noch mal betonen: Es geht von vorne los ab Sonntag, das muss jedem klar sein. Das ist auch das Schwierige an der Situation.

Wir haben uns so viel erarbeitet und so viel dafür getan, aber wenn wir jetzt einen schlechten Tag haben, ist es ganz schnell vorbei. Du kannst dir keinen Patzer erlauben bei diesem Modus, sonst fliegst du nach Hause. Wir dürfen nicht denken, dass wir schon irgendwas gewonnen hätten, sondern müssen mit voller Konzentration ins Achtelfinale gehen.

Mischung aus Fokussierung und Lockerheit

Eine Stärke von uns im Turnier war bis jetzt, dass wir eine sehr gute Mischung hinbekommen aus einer totalen Fokussierung und dann wieder der nötigen Lockerheit. An einem Spieltag hat jede Spielerin wirklich nur Handball im Kopf, aber nach dem Spiel und an den Ruhetagen schaffen wir es dann auch, abzuschalten und uns mit anderen Dingen zu beschäftigen. Wir sind jetzt inklusive der Vorbereitung schon lange zusammen, da besteht dann immer die Gefahr, dass ein Lagerkoller ausbricht.

Das war aber bei uns zum Glück bis jetzt nicht der Fall. Zum einen, weil Erfolg natürlich immer für gute Stimmung sorgt. Zum anderen finden wir aber auch einen guten Mittelweg aus Konzentration und Spaß und Freude am Zusammensein.

Für mich und für viele andere Spielerinnen ist es zum Beispiel sehr wichtig, den Kontakt nach Hause zu halten. Es gibt oft das Bild, wie wir in der Lobby zusammensitzen und jede irgendwie in Kontakt mit der Heimat steht. Für mich ist es sehr wichtig, das Feedback von der Familie zu holen und die Unterstützung der Freunde zu spüren.

Rechnung offen gegen Angola

Ansonsten treffen wir uns abends gerne auf dem Zimmer und haben dort zuletzt zum Beispiel Sex and the City geschaut. Typisch Mädels, ich weiß :-) Jede kennt auch die Folgen und kann sie auswendig mitsprechen... Dann schauen wir eine Serie oder einen Film, quatschen ein bisschen und denken mal nicht an Handball. Wir versuchen einfach bewusst, den Kopf für andere Dinge zu öffnen, selbst wenn es nur eine Frauen-Serie ist, die nicht sehr vielsagend ist, sagen wir es mal so.

Jetzt treffen wir im Achtelfinale auf Angola, ausgerechnet Angola. 2011 haben wir bei der WM in Brasilien das letzte Vorrundenspiel gegen Angola verloren und mussten in den President's Cup, Losers Cup trifft es besser.

Wir haben also noch eine Rechnung offen mit Angola, das ist mal klar. Alle Spielerinnen, die damals dabei waren, werden darauf brennen, um es diesmal besser zu machen. Aber grundsätzlich will ich gar nicht mehr an 2011 denken, vieles ist jetzt ganz anders. Ich bin sicher, dass es auch ganz anders laufen wird!

Drückt uns die Daumen - ich melde mich dann hoffentlich vor dem Viertelfinale wieder!

Liebe Grüße aus Novi Sad

Eure Nadja


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