"Vetternwirtschaft, Selbstdarstellung und Geltungssucht"

Ärzte attackieren DHB-Spitze

SID
Mittwoch, 27.11.2013 | 13:15 Uhr
Bob Hanning muss sich mit dem Vetternwirtschafts-Vorwurf auseinandersetzen
© getty
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Wegen der Neubesetzung der medizinischen Abteilung ist der Deutsche Handballbund heftig in die Kritik geraten. Die DHB-Spitze wehrt sich gegen die Vorwürfe des langjährigen Nationalmannschaftsarztes Dr. Berthold Hallmaier

Dem neuen Präsidium des Deutschen Handballbundes weht zwei Monate nach seiner Wahl erstmals heftiger Gegenwind ins Gesicht. Nach der Neubesetzung der medizinischen Abteilung im Zuge der Verschlankung des Systems traten sieben Ärzte zurück, der langjährige Nationalmannschaftsarzt Dr. Berthold Hallmaier übte zudem heftige Kritik an der Verbandsspitze um Präsident Bernhard Bauer und dessen Vize Bob Hanning.

In einem Brief, der in der aktuellen "Sport Bild" abgedruckt ist, werfen die Mediziner dem weltgrößten Handballverband "Vetternwirtschaft, Selbstdarstellung und Geltungssucht" vor.

Hallmaier wurde kürzlich nach 29 Jahren im Amt durch Prof. Dr. Kurt Steuer als Teamarzt der Nationalmannschaft ohne Absprache mit Bundestrainer Martin Heuberger abgelöst. "Alles, was nach Heiner Brand riecht, muss unter der neuen Führung weg", sagte der 65-jährige Hallmaier dem "SID" am Mittwoch. Mit Heuberger-Vorgänger Brand hatte Hallmaier zwischen 1997 und 2011 zusammengearbeitet und den EM-Titel (2004) sowie die Weltmeisterschaft (2007) gewonnen.

Kein Respekt und keinen Anstand

Die Trennung sei ihm durch Hanning in einem 60-sekündigen Gespräch mitgeteilt worden. "Mit diesen Leuten, die keinen Respekt und keinen Anstand haben, möchte ich nichts mehr zu tun haben", sagte Hallmaier, der eine Rückkehr zum DHB kategorisch ausschließt.

Bauer zeigte wenig Verständnis für die Kritik. "Es gibt keine Vetternwirtschaft. Wir wollen den Handball voranbringen, dabei geht es nicht um Personen. Ein Veränderungsprozess ist auch schmerzlich", sagte Bauer bei einem DHB-Termin am Mittwoch in Dortmund. In der Vorgehensweise räumte Bauer aber auch einen Fehler in der Kommunikation ein: "Den einzigen Vorwurf, den wir uns selber machen müssen, ist der, dass wir früher und ausführlicher mit Hallmaier hätten reden müssen."

Ungünstige Außendarstellung?

Für Hallmaier und die anderen Ärzte ist der Vorfall im Zuge des Stabwechsels hingegen "schlechter Stil", der sich "für die Außendarstellung des DHB ungünstig" auswirke. "Überall wird neuerdings Teamwork gefordert, und dann passiert so etwas. Auch Herr Bauer hätte mal anrufen können", sagte Hallmaier. Ihm habe der Job bei der Nationalmannschaft stets am Herzen gelegen. "Ich bin mit dem Team in die C-Klasse abgestiegen und habe auch in den 18 Jahren für den Verband gearbeitet, als es kein Geld gab", sagte Hallmaier, der als DHB-Arzt fünf Olympische Spiele bestritt.

Für Bundestrainer Heuberger steht "die Gesundheit der Spieler an erster Stelle". Er könne diese Entscheidung mittragen, da die fachliche Kompetenz in der Zukunft ebenso wie in der Vergangenheit gewährleistet sei, so der 49-Jährige. Heuberger sieht durch die feste Zuordnung Steuers für die Nationalmannschaft einen großen Vorteil: "Wenn ein Arzt das System ganzjährig begleitet, kennt er jeden Spieler."

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