"Kann mein Glück kaum fassen"

Myrohls kleines Wunder heißt Rasmus

SID
Donnerstag, 27.12.2012 | 12:53 Uhr
Bjarte Myrohl (r.) erhielt 2011 die niederschmetternde Diagnose: Hodenkrebs
© Getty
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Handballprofi Bjarte Myrhol erhielt im August 2011 die niederschmetternde Diagnose: Hodenkrebs. Vor knapp zwei Monaten wurde der Kreisläufer der Rhein-Neckar-Löwen Vater - und kann sein Glück kaum fassen.

Das schönste Geschenk hat Bjarte Myrhol vor knapp acht Wochen in Empfang genommen. Ein Geschenk, von dem der Kreisläufer des Bundesliga-Spitzenreiters Rhein-Neckar-Löwen nicht wusste, ob er es jemals in seinem Leben bekommen würde. Die Handvoll Mensch hört auf den Namen Rasmus, hat seinen eigenen Kopf und hält nachts seine Mama Charlotte mächtig auf Trapp. "Manchmal", erzählte Bjarte Myrhol dem SID, "da kann ich mein Glück kaum fassen."

Rund anderthalb Jahre, nachdem beim Norweger ein bösartiger Tumor im Hoden entdeckt wurde, eine Operation und Chemotherapie notwendig wurden, ist das kleine Wunder wahr geworden. "Als ich von der Krankheit erfuhr, war in mir große Angst, dass ich nicht Vater werden könnte. Jetzt genieße ich jeden Augenblick. Rasmus ist es egal, ob wir gewinnen oder verlieren. Er strahlt mich immer an", berichtete Myrhol und ist dankbar, den eigentlich so gewöhnlich klingenden Satz überhaupt sagen zu dürfen: "Wir sind eine glückliche kleine Familie."

Seltene Gedanken an die Diagnose

Da nahm der 30-Jährige auch gerne in Kauf, dass es zu Weihnachten etwas stressiger zuging. Nach dem Spiel der Löwen gegen FA Göppingen (26:26) am vergangenen Samstag ging es für die drei Myrhols nach Oslo zur Familie, um am Sonntag im hohen Norden den Heiligen Abend vorzufeiern. Denn schon am Montag musste der 1,92 Meter große Modellathlet wieder zurück in seine deutsche Wahlheimat fliegen. Der Grund: Der Bundesliga-Herbstmeister spielte am 2. Weihnachtsfeiertag gegen die MT Melsungen (27:22).

An die Stunden zwischen Hoffen und Bangen im vergangenen Jahr denkt Myrhol nur noch selten. Nicht zuletzt dank seines kleinen Sohnes. Die Gedanken an den Krebs, an die niederschmetternde Diagnose, die auf einen Schlag so vieles in Frage stellte, seien nur noch "sehr selten" in seinem Kopf. "Wenn ich Rasmus auf dem Arm halte, sind das gute, warme Gefühle. Ich blicke auf das Hier und Jetzt, nicht zurück auf die Vergangenheit", erklärte der frühere Nordhorner, der längst wieder sein altes Leistungspotenzial erreicht hat. Der Balinger Coach Rolf Brack bezeichnete ihn jüngst als "weltbesten Kreisläufer".

Myrhol ist der Fels in der Brandung bei den Badenern. Wieder. Aber er hat auch am eigenen Leib spüren müssen, wie schnell aus einem kraftstrotzenden und 96 Kilogramm schweren Handballprofi ein bettlägeriger Mensch werden kann. Die Chemotherapie mit zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Zyklen über jeweils drei Wochen führte Myrhol an seine physischen und psychischen Grenzen. "Ich fühlte mich schlapp, fast ohne Kraft. Es war nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe."

Aus dieser Zeit existiert ein Foto, auf dem der norwegische Nationalspieler völlig entkräftet im Gras vor der Klinik liegt - neben ihm die Halterung samt Infusion, die ihm vorgekommen sein muss wie Fluch und Segen zugleich.

Schnelles Comeback

Und dann die Nebenwirkungen. Vor der Behandlung habe er gedacht, es sei ihm egal, wenn er seine Haare verliere. Aber dann mitten im zweiten Zyklus saß Myrhol auf dem Weg nach Norwegen im Flugzeug und fasste sich unbewusst an den Kopf. Danach hatte er einen Haarbüschel in der Hand. "Das hat mich getroffen", erzählte der 30-Jährige einmal im "Spiegel"-Interview: "Wenn man jeden Morgen aufwacht und 2000 Haare in seinem Bett findet, dann ist das nicht so lustig."

Doch der Wikinger kämpfte. Nur zweieinhalb Monate nach der Diagnose feierte Myrhol im Oktober 2011 sein umjubeltes Bundesliga-Comeback. Mit Glatze und aufgedunsenem Körper, aber dem spürbaren Willen, wieder der Alte zu werden. Mittlerweile erzielt die Nummer 18 des Europacup-Teilnehmers im Schnitt knapp vier Treffer pro Spiel. "Bjarte ist ein Riesentyp", schwärmt Löwen-Manager Thorsten Storm, der den Vertrag mit dem Publikumsliebling kürzlich erst bis 2014 verlängerte.

Für beide Seiten eine vorweihnachtliche Bescherung. Das schönste Geschenk aber hatte Myrhol schon ein paar Tage zuvor erhalten. Ein Geschenk, von dem er nicht wusste, ob er es jemals bekommen würde.

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