Brand und Stenzel sind geschockt

SID
Freitag, 05.10.2012 | 13:25 Uhr
Ex-Bundestrainer Heiner Brand ist geschockt vom Tod Erhard Wunderlichs
© Getty
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Der frühere Bundestrainer Heiner Brand und Ex-Weltmeister-Coach Vlado Stenzel haben auf die Nachricht vom Tod des früheren Ausnahmespielers Erhard Wunderlich geschockt reagiert.

Es herrschte tiefe Trauer und große Fassungslosigkeit im deutschen Handball, als die Nachricht vom Tod des früheren Ausnahmespielers Erhard Wunderlich die Runde machte. "Ich bin getroffen. Das haut mich um. Er war einer der begnadetsten Handballer der Welt", sagte der frühere Bundestrainer Heiner Brand. Der Mann mit dem Schnauzbart saß gerade beim Essen, als er vom tragischen Tod seines einstigen Weggefährten erfuhr. Der Hunger war ihm vergangen.

Gemeinsam mit Wunderlich hatte Brand einst im Trikot des VfL Gummersbach und der deutschen Nationalmannschaft die Handball-Welt erobert, viele große Schlachten ausgetragen und gewonnen. Den letzten Kampf seines Lebens, den gegen den Hautkrebs, verlor Wunderlich. Am Donnerstag hatte sein Herz gegen 10.30 Uhr im St. Hildegardis Krankenhaus in Köln aufgehört zu schlagen.

Im Alter von 55 Jahren gestorben

"Er hatte einen unbändigen Willen und wie ein Löwe gekämpft, aber es war zu spät", sagte seine zweite Frau Pia, mit der er in Bensberg zusammenlebte, der dapd. Zwei Operationen am Bauch hatte er in Bonn über sich ergehen lassen. Am 7. September wurde er erneut in die Klinik eingeliefert, nachdem er noch in Schottland im Urlaub war.

Wunderlich war im Alter von nur 55 Jahren an einem malignen Melanom gestorben. Dabei handelt es sich um schwarzen Hautkrebs, der zu den bösartigsten Tumoren überhaupt zählt. Auf ähnliche Weise ist auch der frühere deutsche Handball-Nationalspieler Oleg Velyky im Januar 2010 im Alter von nur 33 Jahren gestorben. Am Freitag wurde der Leichnam Wunderlichs in seine Heimatstadt Augsburg überführt. Dort soll er beerdigt werden.

Einzigartige Karriere startete in Gummersbach

In Augsburg hatte einst seine große Karriere begonnen. In einem Testspiel im Jahre 1976 warf er 13 Tore gegen den großen VfL Gummersbach. Ein besseres Bewerbungsschreiben hätte er nicht abgeben können. Der VfL griff zu und im Bergischen Land reifte "Sepp", wie er gerufen wurde, zu einem der besten Handballer der Welt heran. Im Alter von nur 19 Jahren gab er bereits sein Debüt in der Nationalmannschaft, für die er 504 Tore in 140 Spielen warf.

Höhepunkt seiner Karriere war der Gewinn der Weltmeisterschaft 1978. Auch der damalige Trainer Vlado Stenzel, "der Magier" des Handballs, war nach der Nachricht vom Tod seines früheren Schützlings völlig fertig. "Ich bin tief geschockt. Ich wusste gar nicht, dass er krank war. Für mich war Erhard der beste Handballer aller Zeiten. So einer wird nur alle 100 Jahre geboren. Er hat alles mitgebracht, was ein Handballer braucht", sagte Stenzel.

Karriere endete 1991 in Bad Schwartau

Wohl wahr, denn Wunderlich brachte nicht nur das Gardemaß von 2,04 Metern mit. "Er war nicht nur ein Torjäger. Er hat zusammen mit Heiner Brand das Spiel gestaltet, die Ideen und die Taktik umgesetzt", erinnert sich Petre Ivanescu. Der Rumäne hatte damals in der großen Zeit des VfL Gummersbach an der Seitenlinie gestanden. In jener Zeit gewann der Traditionsklub mit Wunderlich alles, was es zu gewinnen gab: Meistertitel, Pokalsiege und zur Krönung den Europapokal der Landesmeister.

Das war 1983 und der Zeitpunkt, wo Wunderlich den nächsten Schritt seiner Karriere machte. Der zweimalige Handball-Spieler des Jahres wechselte nach Spanien zum FC Barcelona. Bei seiner Vorstellung wurde er als Torero werbewirksam abgelichtet. 1984 ging es schließlich zurück in die Bundesliga zum TSV Milbertshofen, bevor er seine Karriere beim VfL Bad Schwartau (1989 bis 1991) ausklingen ließ. Danach war er noch bis 1993 in Milbertshofen als Manager tätig und holte dabei immerhin den Europapokal der Pokalsieger an die Isar.

Die Karriere nach der Karriere

Wunderlich galt Zeit seines Lebens als einer, der seine Meinung vertrat und auch unbequem wurde. Vielleicht auch ein Grund, warum der Golf-Liebhaber (Handicap 13) nach seiner Karriere nicht beim Deutschen Handball-Bund (DHB) landete, wie Stenzel mutmaßt: "Er hätte im deutschen Handball viel bewegen können, aber man wollte ihn nicht."

Stattdessen investierte er zunächst in ein Unternehmen für Büroausstattung, bevor er ein Hotel in Österreich betrieb. Auch gründete er 1997 die Stiftung "Handballfriends" und widmete sich dabei dem Nachwuchs. Seine Frau Pia, die zwei Töchter mit in die Ehe brachte, will diese fortführen. Aus erster Ehe gingen die Töchter Lana und Nadja hervor. Sie alle trauern um "Sepp", wie der gesamte deutsche Handball auch.

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