Ausländerdiskussion in der Liga "Ausrede" und "Witz"

"Magier" Stenzel übt Kritik an DHB-Führung

SID
Freitag, 03.02.2012 | 13:34 Uhr
Vlado Stenzel gilt als Wegbereiter des deutschen Handballs
© spox
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Der einstige "Magier" Vlado Stenzel hat scharfe Kritik an der Führung der entzauberten deutschen Handball-Nationalmannschaft geübt. Bundestrainer Martin Heuberger habe bei der EM in Serbien "versagt" und müsse nach der verpassten Olympia-Qualifikation "weg". Für eine Wende sei zudem ein starker Präsident im DHB nötig, sagte der 77-Jährige, der die ständige Ausländerdiskussion in der Bundesliga im Exklusivinterview mit der "dapd" als "Ausrede" und "Witz" bezeichnete.

"Zunächst müsste der Bundestrainer weg. Martin Heuberger ist ein lieber Mensch. Aber als Trainer hat er versagt. Er hat viele einfache Fehler gemacht und auch taktische Defizite erkennen lassen. Aber der Verband hat ihn auch alleine stehen lassen, deshalb ist er auch ein Opfer", sagte Stenzel, der als Trainer die jugoslawische Auswahl bei Olympia 1972 in München zu Gold führte und sechs Jahre später mit der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes Weltmeister wurde.

Stenzel wirft Heuberger neben einer falschen Vorbereitung vor, dass er im Laufe des EM-Turniers nicht mehr auf den inzwischen aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen Kapitän Pascal Hens gebaut hat. "Ich hätte weiter auf Hens gesetzt. Bei mir würde er allerdings in der Mitte spielen. Er wäre ein super Spielmacher", sagte Stenzel. Zudem sei die Maßnahme auf "Rambo" Oliver Roggisch als Abwehrchef zu setzen, "komplett in die Hose" gegangen.

Stenzel: Petkovic, Brack oder Hasanefendic sollen es machen

Stenzel fordert einen "erfahrenen Bundestrainer" und machte sich einmal mehr für die Bundesliga-Trainer Velimir Petkovic (Göppingen), Rolf Brack (HBW Balingen-Weilstetten), oder den früheren Gummersbacher Coach Sead Hasanefendic stark.

Nach Ansicht von Stenzel haben die Verantwortlichen die Situation in den vergangenen Jahren falsch eingeschätzt. "Das Problem hat doch schon nach dem WM-Titel 2007 im eigenen Land begonnen. Man hat sich überschätzt und gedacht, es würde so weiter gehen", sagte Stenzel. "Dann hat man sich auch noch für einen unerfahrenen Nachwuchstrainer wie Heuberger entschieden. Nun hat man richtig auf die Schnauze gekriegt."

Dass die letzten Misserfolge auf die vielen Ausländer in der Bundesliga zurückzuführen sind, lässt Stenzel nicht als Argument gelten. "Von den erfahrenen und starken Ausländern in der Bundesliga können unsere Spieler doch nur lernen. Diese Diskussion wird schlichtweg als Ausrede für das schlechte Abschneiden benutzt und ist ein absoluter Witz", sagte Stenzel.

Bei aller Kritik: Stenzel traut Team WM-Titel zu

Trotz des schlechten Abschneidens bei den letzten großen Turnieren sieht Stenzel nach wie vor genügend Potenzial im deutschen Team.

"Wenn ich mich als Trainer zum Beispiel zwischen der deutschen Mannschaft und Europameister Dänemark entscheiden müsste, würde ich trotzdem Deutschland wählen", sagte Stenzel und fügte versöhnlich hinzu: "Diese Mannschaft mit diesen Spielern kann auch Weltmeister werden."

Die Ergebnisse der Handball-EM 2012

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