Bundestrainer Martin Heuberger im Porträt

Aus dem Schatten des Schnauzbarts

SID
Samstag, 21.01.2012 | 12:46 Uhr
Martin Heuberger ist seit dem 1. Juli 2011 Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft
© Getty
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Der DVD-Player von Martin Heuberger surrt ununterbrochen. Spielzüge, Abwehrvarianten, taktische Feinheiten. Bei der Analyse des nächsten Gegners scheint dem deutschen Handball-Bundestrainer nur selten etwas zu entgehen. Er bastelt am eigenen Personalpuzzle, sucht ständig nach Lösungen und schreckt selbst vor unpopulären Entscheidungen nicht zurück.

Das hat den 47-Jährigen bisher zum großen Gewinner der EM in Serbien gemacht. Mit 4:0 Punkten erreichte die zuvor mehr oder minder erfolglos dahinsiechende Nationalmannschaft die Hauptrunde. Nun ist sogar noch mehr drin. Nur die Wenigsten hatten Heuberger dies wohl zugetraut.

"Martin ist einfach ein akribischer Arbeiter und sehr kommunikativ. Vor den Spielen findet er immer die richtigen Worte und weiß, bei wem er welchen Knopf drücken muss", lobt Spielmacher Michael Haaß seinen Chef, der flache Hierarchien pflegt und doch großen Respekt genießt.

"Trainerwechsel war auch ein Neuanfang"

Heuberger versteht sich dabei als Teamplayer. "Ich spreche alles mit der Mannschaft durch. Dann entwickeln wir gemeinsam die Dinge, die wir umsetzen wollen. Die Jungs müssen sich mit den Vorgaben ja auch wohlfühlen", erklärt der Bundestrainer, der zunehmend an Profil gewinnt und langsam aus dem langen Schatten seines Vorgängers Heiner Brand zu treten scheint.

Brand stand jahrelang für den deutschen Handball. Er war Weltmeister als Spieler (1978) und als Trainer (2007). Auch sein opulenter Schnauzer machte ihn zur Ikone. In Serbien aber findet Brand kaum statt. Er sitzt auf der Tribüne und hält sich in seiner neuen Rolle als Manager des DHB meist zurück.

Heuberger und seiner Mannschaft gehört die Bühne. Und das Team feiert mit Willen, Selbstvertrauen und Leidenschaft starke Auftritte. "Der Trainerwechsel im vergangenen Sommer war auch ein Neuanfang", sagt Abwehrchef Oliver Roggisch.

Heuberger entfacht neues Feuer

Dabei fand Heuberger bei seinem Dienstantritt nur wenig Neues vor. Das Personal war größtenteils das alte, die Problematik um geringe Einsatzzeiten deutscher Talente in der Bundesliga auch. Und doch gelang es dem Coach, der eigentlich stets zurückhaltend, bescheiden und fast ein bisschen unscheinbar daherkommt, wieder Feuer zu entfachen.

Allerdings mit Verspätung: Beim Supercup im vergangenen November ging noch vieles schief. Auch in den Testspielen gegen Ungarn kurz vor der EM lief wenig zusammen. Als dann auch noch der Turnier-Auftakt gegen Tschechien verloren ging, hatte Heuberger eine Bilanz von einem Sieg und sechs Niederlagen vorzuweisen.

"Ich habe meinen Weg"

Die Kritiker kritisierten, die Spötter spotteten - und Heuberger blieb seiner Linie treu. "Ich habe meinen Weg und den habe ich von Anfang an beschritten", sagt der Schutterwalder, der schon die deutschen Junioren zu je zwei WM- und EM-Titeln führte. Er hat einen Plan.

Im bisherigen Turnierverlauf musste Stammkeeper Silvio Heinevetter beim Erfolg gegen Mazedonien fast über 60 Minuten auf die Bank, um zwei Tage später den Sieg gegen Schweden zu retten. Gegen die Skandinavier bekam Uwe Gensheimer seine Chance von Beginn an und warf auf Anhieb neun Tore. Und dann ist da noch die Sache mit Pascal Hens.

Der Kapitän ringt um seine Form und spielt bei der EM bisher kaum eine Rolle. Stattdessen kam Lars Kaufmann zum Zug. Der Flensburger passte besser in das Konzept des Trainers. Mutige Maßnahmen, erfolgreiche Maßnahmen. Oder einfach: Heubergers Händchen.

Zumal der Coach es hinbekommt, dass von keiner Seite auch nur der Hauch eines Murrens zu vernehmen ist. "Unsere Stärke ist die mannschaftliche Geschlossenheit", wiederholt der ehemalige Brand-Assistent immer wieder. Seine Spieler wissen, dass er es ernst meint.

Der Spielplan der Handball-EM 2012

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