Samstag, 10.12.2011

Stefan Kretzschmar im Interview

Kretzsche: "Das Handball-Spiel des Jahres"

Stefan Kretzschmar gilt in Deutschland als Handball-Fachmann Nummer eins. Vor dem Liga-Gipfel zwischen dem THW Kiel und dem HSV Hamburg am Sonntag (17.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der ehemalige Nationalspieler im Interview über eine Hamburger Trotzreaktion, drohende Langeweile und persönliche Schmerzen.

Stefan Kretzschmar sieht in der HBL keine Mannschaft, die mit Kiel und Hamburg mithalten kann
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Stefan Kretzschmar sieht in der HBL keine Mannschaft, die mit Kiel und Hamburg mithalten kann

Frage: Sechs Punkte liegt der THW Kiel in der Tabelle vor dem HSV Hamburg. Kann man angesichts dieser Konstellation überhaupt von einem Spitzenspiel sprechen?

Stefan Kretzschmar: Natürlich. Es ist das Handball-Spiel des Jahres. Sicherlich hätten die Voraussetzungen spannender sein könen, aber der HSV ist nach wie vor die einzige Mannschaft der Liga, die den THW besiegen kann.

Frage: Dafür bedarf es allerdings einer deutlichen Steigerung...

Kretzschmar: Ich baue auf das Prinzip Trotzreaktion. Nach der bitteren Pleite in Lübbecke ist das der einzige Hoffnungsschimmer.

Frage: Welche Bedeutung hat das Spiel für die Bundesliga? Könnte es bei einem Kieler Sieg langweilig werden?

Kretzschmar: Auch wenn es die Verantwortlichen nicht zugeben: Wenn Kiel gewinnt, ist die Meisterschaft entschieden. Der THW hat bis auf das Rückspiel beim HSV alle schweren Auswärtsspiele schon hinter sich, hat in Flensburg, Magdeburg, Berlin und bei den Rhein-Neckar Löwen gewonnen. Es ist also im Interesse der Liga, dass Hamburg gewinnt.

Frage: Drücken Sie dem HSV deshalb die Daumen?

Kretzschmar: Nein. Ich hege für keine der beiden Mannschaften irgendwelche Sympathien. Dafür haben mir beide Vereine in meinem Leben zu viele Schmerzen zugefügt. Aber ein HSV-Sieg wäre für die Handball-Familie gut. Kiel soll schließlich nicht schon im Dezember auf dem Rathausbalkon stehen.

Die Torschützenkönige der letzten 10 Jahre
Saison 2005/2006: Gudjon Valur Sigurdsson (VfL Gummersbach), 264 Tore (69 Siebenmeter)
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Saison 2005/2006: Gudjon Valur Sigurdsson (VfL Gummersbach), 264 Tore (69 Siebenmeter)
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Saison 2006/2007: Kyung-Shin Yoon (HSV Hamburg), 236 Tore (88 Siebenmeter)
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Saison 2006/2007: Kyung-Shin Yoon (HSV Hamburg), 236 Tore (88 Siebenmeter)
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Saison 2007/2008: Konrad Wilczynski (Füchse Berlin), 237 Tore (128 Siebenmeter)
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Saison 2007/2008: Konrad Wilczynski (Füchse Berlin), 237 Tore (128 Siebenmeter)
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Saison 2008/2009: Savas Karipidis (MT Melsungen), 282 Tore (116 Siebenmeter)
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Saison 2008/2009: Savas Karipidis (MT Melsungen), 282 Tore (116 Siebenmeter)
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Saison 2009/2010: Hans Lindberg (HSV Hamburg), 257 Tore (135 Siebenmeter)
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Saison 2009/2010: Hans Lindberg (HSV Hamburg), 257 Tore (135 Siebenmeter)
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Saison 2010/2011: Anders Eggert (SG Flensburg-Handewitt), 248 Tore (132 Siebenmeter)
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Saison 2010/2011: Anders Eggert (SG Flensburg-Handewitt), 248 Tore (132 Siebenmeter)
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Saison 2011/2012: Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen), 247 Tore (84 Siebenmeter)
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Saison 2011/2012: Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen), 247 Tore (84 Siebenmeter)
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Saison 2012/2013: Hans Lindberg (HSV Hamburg), 235 Tore (99 Siebenmeter)
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Saison 2012/2013: Hans Lindberg (HSV Hamburg), 235 Tore (99 Siebenmeter)
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Saison 2013/2014: Marko Vujin (THW Kiel), 248 Tore (66 Siebenmeter)
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Saison 2013/2014: Marko Vujin (THW Kiel), 248 Tore (66 Siebenmeter)
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Saison 2014/2015: Robert Weber (SC Magdeburg), 271 Tore (99 Siebenmeter)
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Saison 2014/2015: Robert Weber (SC Magdeburg), 271 Tore (99 Siebenmeter)
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Frage: Trauen Sie den Kielern den Durchmarsch zu?

Kretzschmar: Ja, den muss man fast befürchten. Ich ziehe den Hut vor dieser Mannschaft. Sie sind zurzeit das Nonplusultra weltweit. Sollten die Kieler - und so sieht es zurzeit aus - so zusammenbleiben, sich eventuell sogar noch verstärken, werden sie den internationalen Handball in den nächsten zwei, drei Jahren bestimmen. Es wäre sogar - vorausgesetzt, sie bleiben von Verletzungen verschont - beinahe eine Überraschung, wenn sie in dieser Saison noch ein Spiel verlieren sollten.

Frage: Was muss passieren, damit der HSV am Sonntag in Kiel gewinnt?

Kretzschmar: Hamburg muss eine starke Abwehr mit einem überragenden Torwart aufbieten - nur dann traue ich dem HSV eine Überraschung zu. Individuell kann der HSV die Kieler sicherlich unter Druck setzen, ob das auch spielerisch gelingt, muss man sehen. Der Druck liegt jedenfalls bei den Hamburgern.

Frage: Auf welcher Position hat der THW klare Vorteile, wo ist der HSV besser?

Kretzschmar: Kiel hat mit Jicha, Andersson, Narcisse und Ilic vier der sechs besten Rückraumspieler der Welt - das spricht für sich. Am Kreis sind beide Teams top besetzt, auch auf den Außenbahnen sehe ich keines der beiden Teams im Vorteil. Wenn Jogi Bitter im HSV-Tor allerdings wie in den vergangenen Spielen gegen den THW über sich hinauswächst, kann alles passieren.

Frage: Angenommen, der HSV gewinnt. Ist die Meisterschaft dann wieder offen?

Kretzschmar: Zumindest offener. Andere Mannschaften würden vielleicht wieder an ihre Chance glauben. Der Nimbus des THW als unschlagbares Team wäre gebrochen. Gewinnen die Kieler allerdings auch das Spiel am Sonntag, könnte das eine Art Resignation bei den anderen Teams auslösen.

Frage: Die Füchse Berlin sind mit zurzeit fünf Punkten Rückstand erster Verfolger. Sind sie hinter Kiel inzwischen erster Anwärter auf den Titel?

Kretzschmar: Klar muss man die Füchse auf der Rechnung haben. Allerdings müssen sie in der Rückrunde noch nach Kiel. Wenn, ich wiederhole, wenn der HSV gewinnen sollte, läuft es auf ein Duell dieser beiden Teams hinaus. Ich sehe keine andere Mannschaft, auch nicht die Füchse, die diesen beiden Mannschaften ernsthaft das Wasser reichen kann.

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