"Pflicht ist gar nichts"

SID
Donnerstag, 29.09.2011 | 12:25 Uhr
Silvio Heinevetter trifft mit den Füchsen Berlin zum Champions-League-Auftakt auf Moskau
© Getty
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Er ist die Nummer eins im deutschen Handballtor und schlägt ein neues Kapitel seiner Erfolgsstory auf: Silvio Heinevetter erlebt am Sonntag mit den Füchsen in Moskau seine Premiere in der Champions League.

Frage: "Herr Heinevetter, am Sonntag debütieren Sie mit Berlin in der Champions League bei Medwedi Moskau. Was erwartet Sie?"

Silvio Heinevetter: In Moskau wird es sehr hart. Ich habe da mit Magdeburg schon gespielt. Die Bedingungen dort sind mit keinem anderem Austragungsort vergleichbar. Wetter, Halle, Fans - alles sehr speziell. Und man spricht nicht ohne Grund von den russischen Bären. Das sind alles Riesentypen, körperlich stark. Für uns ist das Neuland.

Frage: Platz vier in der Gruppe reicht zum Weiterkommen. Ist die K.o.-Runde Pflicht?

Heinevetter: Pflicht ist gar nichts. Pflicht ist nur, dass wir zu Hause unsere Spiele gewinnen. Wenn wir das schaffen, haben wir eine gute Chance aufs Weiterkommen.

Frage: Was bedeutet für Sie die Champions League?

Heinevetter: Die Champions League ist der Lohn der harten Arbeit aus dem letzten Jahr. Die Königsklasse ist etwas Besonderes, aber unser tägliches Brot ist die Liga.

Frage: Dort läuft es ja auch nicht schlecht?

Heinevetter: Wir haben mit dem Auswärtssieg in Magdeburg und mit dem Sieg gegen Meister Hamburg zwei Bigpoints gelandet. Aber der Titelgewinn ist für uns unrealistisch. Dafür sind andere Mannschaft zu stark.

Frage: Zum Beispiel der THW Kiel?

Heinevetter: Ja. Natürlich hat man in Kiel auch bessere Chance, mal die Champions League zu gewinnen.

Frage: 2013 sollen Sie dorthin wechseln. Ist da etwas dran?

Heinevetter: Diese Gerüchte sind vor dem ersten Saisonspiel aufgekommen. Das ist natürlich nicht die feine englische Art, wenn man sich sieben, acht Wochen auf eine Saison vorbereitet und dann ständig von links und rechts belastet wird mit Fragen zu einem Thema, an dem nichts dran ist.

Frage: Also haben Sie gar keinen Vorvertrag beim THW?

Heinevetter: Nein!

Frage: Können die Füchse Kiel nicht irgendwann überholen?

Heinevetter: Kiel hat einen Etat, der mehr als doppelt so groß ist wie der von Berlin. Deshalb kann man nicht mal eben sagen, wir wollen Kiel überholen. Das wäre so, als wenn Mainz im Fußball fünf Plätze vor den Bayern stehen würde.

Frage: Aber bietet Berlin in wirtschaftlicher Hinsicht nicht mehr Möglichkeiten als Kiel?

Heinevetter: Berlin ist eine interessante Stadt mit einer Wirtschaft dahinter, aber natürlich herrscht dort eine ganz andere Konkurrenz. Wenn ich Sponsor wäre, müsste ich überlegen. Mache ich bei Hertha was oder im Handball. Es gibt aber noch Alba Berlin und die Eisbären.

Frage: Seit der neuen Saison spielt Iker Romero in Berlin. Wie fügt sich der frühere Superstar ein?

Heinevetter: Man hat natürlich Riesen-Respekt vor ihm. Gar keine Frage. Aber im täglichen Umgang normalisiert sich das Verhältnis. Da macht keiner einen Knicks vor dem andern, nur weil er mal das oder das gewonnen hat. Iker ist menschlich und sportlich eine sehr gute Verpflichtung.

Frage: In der Nationalmannschaft hat Martin Heuberger als Bundestrainer Heiner Brand ersetzt. Wie stehen Sie zum neuen Coach?

Heinevetter: Heiner Brand hat eine Ära geprägt. Er hat sich entschieden, was anderes zu machen. Wir haben mit Martin Heuberger nun einen Trainer, der sehr engagiert ist und die Spieler kennt. Das ist wichtig. Wir müssen jetzt alles geben, um uns noch für Olympia zu qualifizieren.

Frage: Jogi Bitter ist aus dem Nationalteam zurückgetreten. Könnten Sie sich einen solchen Rückzug auch vorstellen?

Heinevetter: Man muss die Entscheidung von Jogi akzeptieren. Ich denke nicht an einen solchen Schritt. Ich möchte möglichst oft spielen.

Frage: Belastet Sie der Rummel, der um ihre Beziehung mit TV-Kommissarin Simone Thomalla gemacht wird?

Heinevetter: Ach, wenn mann die Zeitungen nicht liest, stört es nicht. Im Endeffekt gewöhnt man sich an alles. Am Anfang war es eine Umstellung für einen Handballer, der nicht so oft in den Medien präsent ist. Mittlerweile ist es für mich aber normal, möchte aber vor allem durch sportliche Leistung Aufmerksamkeit erzielen.

Der Spielplan der Champions League in der Übersicht

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