Die erste Meisterschaft des HSV Hamburg

Eine neue Dynastie?

Von Bastian Strobl
Freitag, 13.05.2011 | 13:09 Uhr
Upside down: Pascal Hens (r.) und die Gebrüder Gille geben nach dem Meistertitel erst richtig Gas
© Getty
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Was den Fußballern seit 1983 nicht vergönnt war, haben Hamburgs Handballer bereits neun Jahre nach dem Umzug des Vereins an die Elbe vollbracht: Den Gewinn der deutschen Meisterschaft. SPOX wirft einen Blick auf die Erfolgsgeschichte rund um Andreas Rudolph, Martin Schwalb und Mallorca.

50 Jahre nach "Atom-Otto" Maychrzak und dem PSV Hamburg hat die Hansestadt wieder einen deutschen Handballmeister. Der HSV Hamburg hat zum ersten Mal in seiner noch überschaubaren Geschichte den Titel geholt. "Wir sind zusammen mit unseren Fans Meister geworden. Das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl", sagte Coach Martin Schwalb kurz nach dem entscheidenden 35:30-Heimsieg gegen den VfL Gummersbach. Aber wieso hat der große Wurf ausgerechnet in diesem Jahr geklappt? Und sieht die HSV-Zukunft genauso rosig aus? SPOX hat die Lage unter die Lupe genommen und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Titelgewinn.

Der HSV Hamburg ist deutscher Meister - aber warum?

Nicht schon wieder Vizemeister. Ein Seufzen und Stöhnen war am Ende der letzten Saison in der Stadt, die sich selbst immer als Tor zur Welt deklariert, zu hören. Vier Monate lang stand der HSV in der Spielzeit 09/10 an der Tabellenspitze, nur um am Ende wie 2009 und 2007 das Nachsehen zu haben. Den Schlüssel zum Tor des Erfolges hatten die Hamburger ein weiteres Mal "vergessen". Am Ende jubelte dann eben doch wieder Kiel. Kennt man ja.

Aber deswegen das Handtuch werfen? Für die HSV-Offiziellen um Trainer Martin Schwalb unvorstellbar. Darum griff Andreas Rudolph in der Sommerpause noch mal tief in die eigene Geldbörse und zauberte keinen Geringeren als Spielmacher Michael Kraus aus dem Hut.

Auch wenn Kraus nicht gerade mit konstant guten Leistungen glänzen konnte und keineswegs der Königstransfer war, so ließ er doch ab und an sein Können aufblitzen. Vor allem beim Sieg Mitte März gegen die Füchse Berlin zeigte der Spielmacher mit acht Treffern und tollen Anspielen sein ganzes Repertoire.

Ausschlaggebend war aber ein anderer Aspekt: Endlich konnte ein Team die Ausrutscher des übermächtig erscheinenden THW Kiel ausnutzen und auch im direkten Duell punkten. Außerdem entdeckte der HSV die Auswärtsstärke für sich. Beweise gefällig? Im Frühjahr konnten die Mannen von Coach Schwalb sowohl in Magdeburg und Berlin als auch bei der SG Flensburg-Handewitt und den Rhein-Neckar Löwen gewinnen. Ganz im Gegensatz zu den Kielern, die nur in Flensburg erfolgreich waren.

Zudem behielt der HSV auch in schwierigen Momenten die Ruhe, wie nach der Auftaktpleite gegen Göppingen. Überhaupt musste man sich neben dieser Pleite nur noch einmal dem THW Kiel geschlagen geben. Bei allen anderen Partien konnte man immer Punkte mitnehmen.

Selbst im Saisonfinale, in den letzten Jahren der große Schwachpunkt der Hamburger, bekam der neue deutsche Meister nicht das große Zittern. Es wurde eine extrem souverän herausgespielte Meisterschaft.

Der Knackpunkt der Saison: Der Krimi gegen Kiel

"Es war laut, es war hell, es war geil." Mehr als diese neun Worte von HSV-Torwart Jogi Bitter braucht es eigentlich gar nicht, um das Schlüsselerlebnis in dieser Saison zu beschreiben. Es war der 12. Spieltag der Saison. O2-World in Hamburg. HSV Hamburg gegen den THW Kiel. Noch Fragen?

Es war ein packendes und dramatisches Spiel zwischen den beiden besten deutschen Teams der letzten Jahre. Und es wurde der Tag, an dem in Handball-Deutschland eine neue Zeitrechnung gestartet werden sollte. Jahrelang gab es in entscheidenden Spielen eine ganz einfache Rechnung: Kiel plus Crunchtime-Partie bedeutet eine Niederlage für den Gegner.

Auch am 16. November schien die Sache schon zur Halbzeit gelaufen zu sein. 16:12 stand es nach 30 Minuten für die Kieler. Was aber in der zweiten Hälfte geschah, werden vermutlich zahlreiche Großväter ihren Enkelkindern in ferner Zukunft erzählen. Die Hamburger, angetrieben von einer kochenden Halle, knabberten Tor für Tor von ihrem Rückstand ab. 13 Sekunden vor Schluss war dann Marcin Lijewski mit dem Game-Winner zur Stelle.

Was von diesem Tag übrig blieb? Der HSV blickte von der Tabellenspitze auf die Konkurrenten herab. Und der Unbesiegbarkeits-Mythos des THW Kiel gehörte endgültig der Vergangenheit an.

Und der Hamburger der Saison ist...?

Für diesen inoffiziellen Preis würde es viele Kandidaten geben. Martin Schwalb zum Beispiel, der in seiner letzten Saison als HSV-Cheftrainer endgültig den großen Titel einfahren konnte. Oder Mäzen Andreas Rudolph, der aus dem finanziell angeschlagenen Klub über Jahre hinweg die zweite Kraft im deutschen Handball formte.

Sportlich gesehen kann es ganz im Sinne von Highlander nur einen geben: Blazenko Lackovic. Vor allem in der Hinrunde war der Rückraumspieler die überragende Konstante in der HSV-Mannschaft. Dabei waren in erster Linie nicht seine Tore oder Pässe das Beeindruckendste, sondern die Art und Weise, wie der Kroate Handball spielt, versteht, ja geradezu lebt.

Insbesondere in den Spitzenspielen gegen die direkten Konkurrenten brachte Lackovic eine Komponente ins Hamburger Spiel, die in den letzten Jahren schmerzlich vermisst wurde: Die mentale Toughness. Spätestens mit seinen Leistungen legte der HSV auf dem Weg zur ersten Meisterschaft das Loser-Image ab.

In der Rückrunde war Lackovic zwar auf Grund von hartnäckigen Schulterproblemen gehandicapt, weshalb er nicht mehr ganz so dominant auftreten konnte. Dennoch: Nach einer mit Verletzungen geplagten Vorsaison war der Kroate in dieser Spielzeit der hellste Stern am HSV-Himmel. Kein Wunder also, dass nicht nur der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan ihn über den Klee lobte. "Er ist ein unheimlich wichtiger Spieler für uns", sagte Rückraum-Kollege Michael Kraus der Hamburger "Morgenpost" und fügte an: "Blazenko verkörpert auf seiner Position Weltklasse, wie nur wenige sie besitzen."

Was kommt nach der Meisterschaft?

Vier Tage Malle. Kein Scherz. Einen Tag nach dem Meisterstück gegen den VfL Gummersbach flog der komplette HSV auf die Lieblingsinsel der Deutschen. Mit im Gepäck: Ein Plastikpferd um die Hüften von Mimi Kraus, Guillaume Gille mit einer Oranje-Perücke und dessen Bruder Bertrand mit Cowboy-Hut irgendwo zwischen Eurovision-Lena und Brokeback Mountain.

Nach der Fiesta auf Mallorca ist dann erstmal der Ligaalltag mit den drei letzten Spieltagen angesagt. Sportlich gesehen geht es zwar nur noch um die goldene Ananas, aber am Horizont wartet schon das nächste Highlight: Das Champions-League-Final-Four am letzten Mai-Wochenende in Köln. Der Triumph in der Königsklasse wäre das i-Tüpfelchen auf eine großartige Saison. "Mit diesem großartigen Team können wir alles erreichen", sagte Kreisläufer Igor Vori geradezu euphorisiert. Im Halbfinale wartet aber erst mal die Star-Truppe von Ciudad Real, bevor es im Finale zum Duell gegen die Rhein-Neckar Löwen oder den FC Barcelona kommen könnte.

Egal ob Double-Erfolg oder nicht: Einer wird zur nächsten Saison sicherlich nicht mehr da sein. Zumindest nicht mehr in seiner derzeitigen Position. Meister-Trainer Martin Schwalb hat schon vor dieser Saison angekündigt, von der Trainerbank auf den Geschäftsführer-Sessel zu wechseln.

Sein Nachfolger wird der Schwede Per Carlen, der bis 2010 für die SG Flensburg-Handewitt verantwortlich war. Carlen kommt allerdings nicht alleine: Der 55-Jährige nimmt seinen Sohn Oscar mit, der zu den besten rechten Rückraumspielern gehört, die es auf der Welt so gibt. Der HSV wird also auf keinen Fall schlechter.

Auch wenn mit Schwalb der Erfolgsgarant der letzten Jahre seine Arbeit mit dem Team einstellen wird, zaubert die neue Saison keine Sorgenfalten auf die Stirn der HSV-Offiziellen. Dafür ist der Kader zu gut und zu homogen aufgestellt. Auf nahezu jeder Position sind die Hanseaten doppelt besetzt. Einen Luxus, den sich in Deutschland sonst nur der THW Kiel gönnen kann.

Kein Rudolph, kein Geld, keine Dynastie?

Der Titel ist neben den Spielern und dem Trainer natürlich vor allem mit einem Namen verbunden: Andreas Rudolph. Der Mäzen von der Elbe. Auch wenn der ehemalige Handballspieler und Unternehmer sich seit dem Beginn seines Engagements als Handball-Hopp und dergleichen beschimpfen lassen musste, ging Rudolph stur seinen Weg weiter. Dass der Wandel vom Retortenklub zur Meisterschaft nicht durch Handauflegen passieren konnte, sollte dennoch erwähnt bleiben. Geschätzte 20 Millionen Euro soll Rudolph in den letzten Jahren in den Verein gepumpt haben.

Damit ist im Sommer aber endgültig Schluss: Rudolph tritt nach dieser Saison als Präsident des HSV zurück. Sein Nachfolger sollte eigentlich Vize Dierk Schmäschke werden, den es allerdings zurück nach Flensburg zieht.

Noch schwerwiegender ist jedoch der finanzielle Aspekt. In den letzten Jahren konnte sich der HSV immer leisten, die Leistungsträger anderer Vereine an die Elbe zu holen. Ohne die Rudolph-Millionen könnte diese Transferpolitik durchaus problematischer werden, auch wenn der Präsident gegenüber dem Hamburger "Abendblatt" betonte: "Der HSV Handball ist komplett unabhängig von mir. Wenn man jedoch sechs Jahre lang an entscheidender Stelle mitgewirkt hat, wird man nicht von einem auf den anderen Tag zu ersetzen sein."

Wenn es nach Bob Hanning, dem Geschäftsführer der Füchse Berlin geht, bleibt Rudolph sowieso der mächtige Puppenspieler im Hintergrund. "Es gibt nur einen, der beim HSV entscheidet: Andreas Rudolph. Er bestellt die Musik und er bezahlt sie. Alle anderen drum herum sind austauschbar. Das wird sich nicht ändern", so Hanning, der in der Hamburger Anfangszeit Trainer des Klubs war, gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Rudolph selbst sieht im personellen Umbruch eher eine Möglichkeit für Verbesserungen: "Das ist ein großer personeller Umbruch, keine Frage, aber auch die Chance für einen Neuanfang. Ich hinterlasse einen gesunden, attraktiven Verein, dem ich weiter eng verbunden bleiben werde."

Ein Neuanfang, der im besten Fall auch gleich der Beginn einer neuen Dynastie bedeuten soll. Vor allem die HSV-Fans träumen schon von einem längerfristigen Machtwechsel im Handball: Der THW-König ist tot, es lebe der HSV-König. Diesen Gedankenspielchen schiebt der Kieler Manager Uli Derad aber erstmal einen Riegel vor: "Eine deutsche Meisterschaft ist noch keine Trendwende." In dasselbe Horn stößt auch THW-Coach Alfred Gislason, der bereits die Abteilung Attacke eröffnet: "Ich gratuliere den Hamburgern, sie haben den Titel in diesem Jahr verdient. Aber in der nächsten Saison werden wir natürlich wieder angreifen." Eine HSV-Dynastie scheint angesichts der Kieler Konkurrenz unrealistisch, völlig auszuschließen ist sie aber auch nicht.

Der HSV Hamburg in der Übersicht

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