WM 2011: Das DHB-Team im Porträt

17 Männer für Malmö?

Von Florian Regelmann
Donnerstag, 13.01.2011 | 20:12 Uhr
Silvio Heinevetter gab sein Debüt in der Nationalmannschaft 2006 gegen Spanien
© Getty
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Die deutsche Nationalmannschaft startet am Freitag in Lund in die WM. Der erste Gegner: Ägypten. Hat das DHB-Team das Potenzial, um zum Finale nach Malmö zu reisen? SPOX stellt Heiner Brands Kader vor.

Torhüter

Silvio Heinevetter (Füchse Berlin): Es ist keine Frage, dass Heinevetter der deutsche Spieler ist, der am meisten im Mittelpunkt steht. Torwart, verrückter Typ und mit einer prominenten Tatort-Kommissarin liiert. Der Boulevard stürzt sich auf ihn - in gewisser Weise ist er der Nachfolger von Stefan Kretzschmar in Sachen Persönlichkeit im deutschen Handball. Aber was wirklich zählt, ist die Tatsache, dass Heine ein Weltklasse-Torwart ist. Kaum ein Keeper hat so eine gewaltige Ausstrahlung im Kasten. Könnte seine WM werden.

Johannes Bitter (HSV Hamburg): Steht Heinevetter qualitativ in nichts nach, könnte sich aber mit der Rolle der 1b anfreunden müssen. Heinevetter scheint die Nase leicht vorn zu haben. Für den Moment. Sollte Heinevetter während eines Spiels mal weniger Bälle zu fassen bekommen, ist es der Luxus schlechthin, wenn man einen Mann wie Bitter bringen kann. Kann ein Spiel ebenfalls alleine gewinnen - wird im Kasten zum Tier. Seine Mimik ist durchaus ausdrucksstark...

Carsten Lichtlein (TBV Lemgo): Wenn wir schon bei Luxusproblemen sind. Lichtlein als dritten Torwart aufbieten zu können, grenzt an Verschwendung von Weltklasse im Endstadium. Aber was will Lichtlein machen? Er hat in der Bundesliga in den letzten Wochen vor der WM-Pause für den TBV Lemgo eine grandiose Leistung nach der anderen abgeliefert, vor WM-Start war er allerdings der letzte Spieler, der aus dem 17er Kader gestrichen wurde. An Heinevetter und Bitter ist einfach kein Vorbeikommen. Lichtlein bleibt der ewige dritte Mann. Ein herausragender ewiger dritter Mann. Und wenn sich einer der beiden verletzten sollte, ist er sofort wieder dabei.

Linksaußen

Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen): Ist zum ersten Mal bei einem großen Turnier die Nummer eins auf Linksaußen. Alles andere wäre auch ein Witz. Gense hat im Angriff Weltklasse-Format, seine Wurfvarianten scheinen endlos und sind an Genialität häufig nicht zu überbieten. Bester deutscher Torschütze in der Bundesliga. Nur mit einem Gensheimer in Gala-Form kann Deutschland bei der WM weit kommen. Muss vom Rückraum immer und immer wieder gesucht werden. Als Siebenmeterschütze normalerweise auch extrem sicher. Könnte neben Heinevetter der große deutsche Star der WM werden.

Dominik Klein (THW Kiel): Dass die Institution Toto Jansen von Brand gestrichen wurde und stattdessen Klein mitdarf, ist die am heißesten diskutierte Personalie vor der WM. Jansens Verdienste sind unbestritten - der Hamburger ist zudem einer der wenigen Außen weltweit, der in der Abwehr auf der Halbposition decken kann. Dennoch entschied sich Brand für die Jugend. Und für den Mann, der in der 5:1-Abwehr ein wichtiger Faktor sein wird. Ein klares Indiz, dass die Tage, in denen Deutschland nie was anderes als 6:0 spielen würde, vorbei sind.

Linker Rückraum

Pascal Hens (HSV Hamburg): Der deutsche Kapitän bekam im letzten Test in Island einen Schlag aufs Knie, wird aber zum Start fit sein. Und das ist von entscheidender Bedeutung für die DHB-Auswahl. Wie das deutsche Angriffsspiel ohne Hens aussieht, war bei der EM in Österreich zu bewundern. Zugegeben: Hens ist beim HSV hinter Blazenko Lackovic nur die Nummer zwei auf halblinks und muss sich bei der WM noch mal enorm steigern, damit er die Rolle ausfüllen kann, die er ausfüllen soll und muss. Aber: Er hat das Potenzial dazu.

Lars Kaufmann (Frisch Auf Göppingen): Nach langer Verletzungspause rechtzeitig zur WM wieder in Schwung gekommen. Ist wohl der Spieler, der von den deutschen Handball-Fans vor dem Fernseher am meisten beschimpft wird. Kaufmanns Hang zu völlig sinnfreiem und unüberlegtem Draufballern ist aber nur die eine Seite. Wenn er als Joker ins Spiel kommt, hat der baldige Flensburger auch international schon bewiesen, wie wichtig er sein kann. Kann in Phasen ein Spiel übernehmen und einfach vier, fünfmal aus 10 Metern hochsteigen und die Bälle ins Tor schrauben.

Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin): In der Bundesliga hat er jetzt schon mehr als hinreichend gezeigt, dass er ein richtig Guter ist. Und dass er viele, viele Tore werfen kann. Muss aber noch den nächsten Schritt machen und auf internationalem Parkett zeigen, dass er wirklich die Zukunft auf halblinks ist. Hat von Brand auch deshalb ein Ticket bekommen, weil er auch auf der Mitte spielen kann.

Rückraum Mitte

Michael Kraus (HSV Hamburg): Wer Kraus in den letzten Vorbereitungsspielen gesehen hat, der konnte sich nur denken: Endlich, da ist er wieder, der wahre Mimi Kraus. Die EM hätte er nie spielen dürfen, so angeschlagen war er. Aber seitdem ist vieles in die richtige Richtung gelaufen. Der Wechsel nach Hamburg hat Kraus gut getan, das Wegfallen der Last Kapitänsbinde wohl auch. Er konzentriert sich wieder auf das, was er am besten kann: seine unglaubliche Dynamik und schnellen Armzug einsetzen, die ihn zu einem der (tor-)gefährlichsten Mittelmänner der Welt machen.

Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen): In vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Kraus, aber deshalb nicht minder wichtig. Haaß hat sich zu einem guten Spielmacher entwickelt, sowohl in Göppingen als auch im DHB-Team. Nicht so torgefährlich wie Kraus, aber dafür der geborene Stratege. Ein Denker und Lenker, der das Angriffsspiel so durchbringen kann, wie sich Brand das vorstellt. Außerdem auch noch stark in der Abwehr. Haaß bietet das komplette Paket. Seine Spielweise ist nicht spektakulär, aber sie kann spektakulär wichtig sein.

Seite 2: Ein später Durchstarter, ein Rechtsaußen mit Star-Potenzial und THE ROGG

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