"Spieler sind zu stark mit sich beschäftigt"

Von Sebastian Conrad / Christian "Blacky" Schwarzer
Donnerstag, 20.01.2011 | 11:04 Uhr
Pascal Hens war bei der Blamage des DHB-Teams gegen Frankreich kein Führungsspieler
© Getty
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Gemeinsam mit Sportmoderator Sebastian Conrad beobachtet und kommentiert Ex-Nationalspieler Christian "Blacky" Schwarzer für SPOX die WM. Täglich lesen Sie an dieser Stelle aktuelle Informationen rund um die deutsche Mannschaft. "Blacky und Conrad" berichten täglich live aus Schweden.

Die deutschen Handballer haben ihr Vorrundenspiel gegen Titelverteidiger Frankreich deutlich mit 23:30 (10:13) verloren. Nicht nur die mehr als 1500 mitgereisten Fans in Kristianstad sprachen anschließend von einer Blamage: "Es hat teilweise schlimm ausgesehen", sagte der Kapitän der Handball-Nationalmannschaft, Pascal Hens (HSV), nach der herben Niederlage gegen die Franzosen.

Der Titelverteidiger hatte der DHB-Auswahl bei dieser 22. WM in Schweden eine Lehrstunde erteilt. "Man kann gegen die Franzosen verlieren", sagte Brand. "Die sind einfach besser als wir, die sind stärker und geschickter im Zweikampf. Aber unsere zweite Halbzeit war desolat, da sind wir auseinandergebrochen und haben uns abschießen lassen. Das geht nicht. Das kann ich nicht akzeptieren. So etwas kann und darf nicht vorkommen."

In den ersten 20 Minuten hatte die deutsche Mannschaft noch gut mitgehalten und die Partie offen gestaltet. Zur Halbzeit lag sie mit drei Toren zurück, das war nicht weiter schlimm, im Handball lassen sich solche Rückstände schnell aufholen. Doch nach weiteren zehn Minuten betrug der Rückstand bereits acht Tore, und der deutschen Auswahl war anzusehen, dass sie nicht mehr weiterwusste, dass sie frustriert war, planlos und schockiert von der eigenen Unterlegenheit. Es wäre noch eine weitaus höhere Niederlage möglich gewesen, doch die Franzosen ließen am Ende noch ein paar Korrekturen zu.

Conrad: Blacky, wie geht es Dir nach dieser deutlichen Niederlage gegen den Titelverteidiger?

Blacky: Ich bin ähnlich konsterniert wie der Bundestrainer. Eine solche Niederlage muss man erst einmal verarbeiten. Damit hat keiner gerechnet.

Conrad: Woran machst Du die Höhe der Niederlage fest?

Blacky: Die Franzosen haben fast jeden Zweikampf gewonnen. Das Spiel wurde kaum in die Breite gezogen. Unsere Außen haben gar nicht stattgefunden und ich habe nicht einen einzigen Tempogegenstoß gesehen. Wir haben die Franzosen geradezu eingeladen.

Conrad: Insbesondere in der zweiten Spielhälfte hatte man den Eindruck, dass dieser Mannschaft ein Kopf fehlt. Pascal Hens wirkte gehemmt und Michael Kraus nach fünf Fehlversuchen frustriert. Hat diese Mannschaft keinen Chef auf dem Platz?

Blacky: Die Spieler sind zu stark mit sich beschäftigt. Das gilt sowohl für einige Führungsspieler, aber auch für die Jüngeren. Unter diesen Voraussetzungen ist es schwer, eine Mannschaft zu führen und wachzurütteln.

Conrad: Macht sich jetzt gegen die Top-Mannschaften die kurze Vorbereitungsphase auf die WM negativ bemerkbar?

Blacky: Das ist sicherlich einer von mehreren Gründen, die man genau analysieren sollte. Es wäre aber falsch, die schlechte Leistung allein mit der kurzen Vorbereitungszeit zu begründen.

Conrad: Nicht nur der Druck auf die Mannschaft, sondern auch der Druck auf den Bundestrainer nimmt zu. Was passiert, wenn die DHB-Auswahl heute eine ähnliche Leistung zeigt und wohlmöglich gegen Tunesien ausscheidet?

Blacky: Darüber denke ich gar nicht nach. Tunesien ist eine ganz andere Mannschaft und heute werden wir ein ganz anderes Spiel sehen. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit einem Sieg gegen Tunesien zumindest die Hauptrunde erreichen.

Teil 16: Vor dem Frankreich-Spiel: "Gegenstoß-Chancen erarbeiten"

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