Das Schlimme: Es gibt zu wenig Hoffnung

Von Florian Regelmann
Heiner Brand konnte bei der WM mit seinem Kapitän Pascal Hens nicht zufrieden sein
© Getty
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Rückraum rechts

Holger Glandorf (TBV Lemgo)

WM-Statistik: 40 Tore (60 Prozent, 40/66), 16 Assists, 3 Steals, 5 Blocks

Es gibt Experten, die bestehen darauf, dass es auf Halbrechts nicht viele Spieler auf der Welt gibt, die besser als Glandorf sind. Wenn man dann sieht, wie Glandorf gegen Island ins Spiel kommt und auf großartige Weise aufzockt, ist man in der Tat geneigt zuzustimmen. Doch dann kommt irgendwann das nächste Spiel und es macht den Anschein, als gehöre Glandorf zu den schlechtesten Halbrechten der Welt.

Es ist völlig unerklärlich, was Glandorf seit Jahren für Leistungsschwankungen in seinem Spiel hat. Man muss sicherlich bedenken, dass er wegen seiner Knieverletzung lange für die WM fraglich war und keine optimale Vorbereitung hatte. Auch von ihm hätte mehr kommen müssen, aber es war wahrlich nicht alles schlecht, was Glandorf machte. Er war definitiv noch der Beste im Rückraum. Auch gegen Argentinien hat er sich noch mal gezeigt, aktuell liegt er bei den Torjägern sogar in den Top 10. Vielleicht tut ihm der Wechsel nach Flensburg gut und gibt ihm auch für die Nationalmannschaft noch mal einen Schub. Bei Glandorf geht es nur um die Konstanz.

Adrian Pfahl (VfL Gummersbach)

WM-Statistik: 22 Tore (51 Prozent, 22/43), 7 Assists, 2 Steals, 2 Blocks

Der WM-Debütant war streckenweise einer der ganz wenigen Lichtblicke im deutschen Team. Auch wenn er gegen Spanien den wichtigsten Gegenstoß dieser WM verschoss. Hätte Pfahl in dieser Szene getroffen, hätte Deutschland Spanien geschlagen. Vielleicht hätte die WM dann einen ganz anderen Verlauf genommen. Vergangenheit.

Dadurch dass Pfahl einen positiven Eindruck hinterließ und Brand mit Glandorf länger nicht zufrieden war, gehörte der Gummersbacher eine Zeit lang zur ersten Sieben. Er sollte für die nächsten Turniere ein immer wichtigerer Baustein werden. Pfahl hat die Spielintelligenz und die Power im Arm, die es braucht. Der rechte Rückraum macht nicht so viele Sorgen wie der linke und die Mitte.

Rechtsaußen

Christian Sprenger (THW Kiel)

WM-Statistik: 28 Tore (75 Prozent, 28/37), 2 Assists

Auch bei dieser WM war es wieder so: Wenn Deutschland Handball spielt und sich ein Spieler am Boden krümmt, ist der erste Gedanke: Muss Sprenger sein. Der Kieler hatte in der Vergangenheit unglaubliches Verletzungspech. Auch in Schweden war er zwischendurch angeschlagen und kam zum Abschluss auch nicht mehr zum Einsatz.

Aber insgesamt hat er stark durchgehalten und ein gutes Turnier gespielt. Ja, auch wenn die WM so desolat war, gibt es Spieler in der Mannschaft, die durchaus überzeugt haben. Sprenger hatte eine sensationelle Quote und spielte in jeder Sekunde mit dem Feuer, das man sich bei manch anderem auch gewünscht hätte.

Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen)

WM-Statistik: 11 Tore (73 Prozent, 11/15), 4 Assists, 4 Steals

Eine furchtbar undankbare WM. Da kommst du als Youngster zu deinem ersten großen Turnier mit, musst die ersten Spiele auf der Tribüne verfolgen, weil du nicht nominiert bist -  und zu allem Überfluss entwickelt sich das Turnier dann auch noch insgesamt so dramatisch schlecht, wie es sich leider entwickelt hat.

Es war nicht einfach für Groetzki, aber in der Zeit, in der er auf der Platte stand, hat es der junge Kerl sehr ordentlich gemacht. Groetzki ist das perfekte Beispiel, wie sich ein Junioren-Weltmeister in der Bundesliga bei den Löwen auf höchstem Niveau durchsetzen kann und jetzt auch im A-Team Fuß zu fassen beginnt. An ihm sollte Deutschland noch viele Jahre Freude haben. Sprenger und Groetzki - das passt genauso gut wie Gensheimer und Klein. Die Außen sind nicht das Problem für die Zukunft.

Kreis

Sebastian Preiß (TBV Lemgo)

WM-Statistik: 22 Tore (70 Prozent, 22/31), 3 Assists, 4 Steals, 9 Blocks, 10 x 2 Minuten

Bei Preiß liegt der Fall ähnlich wie bei Haaß. Der Lemgoer haut sich in jedem Spiel voll rein, steht hinten und vorne seinen Mann, aber er ist international gesehen nicht annähernd das, was die anderen Top-Nationen auf der Kreisläufer-Position zu bieten haben.

Frankreich hat Bertrand Gille, Spanien hat Julen Aguinagalde, eine Mannschaft wie Norwegen hat Bjarte Myrhol - das sind völlig andere Kaliber als Preiß. Das mag hart klingen, aber es ist leider die Wahrheit. Genauso wie die DHB-Auswahl einen Top-Mittelmann schmerzlich vermisst, vermisst sie seit dem Karriere-Ende von Christian Schwarzer auch einen Top-Kreisläufer. Wenn er gute Tage erwischt, ist Preiß solide, aber mehr nicht. Das kann mittelfristig gesehen nicht die Lösung sein.

Jacob Heinl (SG Flensburg-Handewitt)

WM-Statistik: 11 Tore (78 Prozent, 11/14), 4 Assists, 1 Block

Auch ein Frischling in der Nationalmannschaft. Der Flensburger hat die Erwartungen sicherlich erfüllt. In der Spielzeit, die er bekam, hat er alles gegeben und herausgeholt, was in ihm steckt. Dabei hat er jede Menge Lehrgeld bezahlt, aber auch mit einigen guten Aktionen sein Potenzial angedeutet.

Ob er das Zeug dazu hat, die Kreis-Probleme im DHB-Team zu lösen? Das wird die Zeit zeigen. Kreisläufer brauchen erfahrungsgemäß immer etwas länger, bis sie ihr höchstes Niveau erreichen. Es gibt Ansätze, dass Heinl langfristig ein Eckpfeiler einer neuen Mannschaft werden könnte. Müsste dann aber mit wachsendem Selbstbewusstsein noch etwas lauter werden.

Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen)

WM-Statistik: 2 Steals, 5 Blocks, 9 x 2 Minuten

War es das letzte große Turnier für Roggisch? Nicht auszuschließen. Erstens könnte sich der Verjüngungsprozess fortsetzen und auch Roggisch treffen. Und zweitens muss man klar festhalten, dass es immer seltener wird, einen reinen Abwehrspezialisten "mitzuschleppen". Frankreich hat den unvergleichlichen Didier Dinart, aber Roggisch kann die deutsche Abwehr schon länger nicht mehr so gut zusammenhalten, wie er es zu seinen besten Zeiten geschafft hat.

In Schweden kam er deshalb nicht über eine Jokerrolle hinaus - seine obligatorischen Zeitstrafen holte er sich dennoch ab. Roggisch bleibt ein super Typ, der für die Mannschaft wichtig sein kann, aber für die Zukunft könnte es vielleicht mehr Sinn ergeben, statt Roggisch einem Youngster wie Manuel Späth oder Patrick Wiencek die Chance zu geben, ins Team zu rutschen.

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