"Heiner Brand steht über allen"

Von Interview: Florian Regelmann
Sonntag, 23.01.2011 | 15:13 Uhr
BundestrainerHeiner Brand ist laut Horst Bredemeier der wichtigste Mann beim DHB
© Getty
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Nach dem überragenden Sieg gegen Island darf die deutsche Handball-Nationalmannschaft in Jönköping ihren Hauptrunden-Ruhetag genießen. Das Halbfinale ist zwar weiter Utopie, aber das große Ziel mit dem Namen Qualifikation für ein Olympia-Qualifikationsturnier sollte machbar sein.

SPOX sprach mit DHB-Vizepräsident Horst "Hotti" Bredemeier über die Zukunft von Heiner Brand, die Probleme der deutschen Talente und eine mögliche Heim-EM.

SPOX: Herr Bredemeier, die Mannschaft kam mit null Punkten in die Hauptrunde und hat jetzt eine Top-Mannschaft wie Island nicht nur geschlagen, sondern teilweise dominiert. Wie fällt Ihr WM-Zwischenfazit aus?

Horst Bredemeier: Es ist eigentlich so gelaufen, wie wir uns das erhofft haben. Wir wussten, dass es in der Vorrunde gegen Frankreich und Spanien schwer wird, Punkte zu holen und dass wir die anderen drei Gegner schlagen müssen, um weiterzukommen. Diese drei Aufgaben hat die Mannschaft vernünftig erledigt. Das Spiel gegen Island war jetzt eine Art Endspiel für uns und dementsprechend gut ist die Mannschaft auch aufgetreten. Allerdings nützt uns dieser Sieg nur, wenn wir gegen Ungarn und Norwegen nachlegen. Gelingt uns das, haben wir unser Hauptziel, in das Spiel um Platz fünf zu kommen, geschafft. Realistisch betrachtet muss man sagen, dass einige Mannschaften auf der Welt vor uns stehen.

SPOX: Wie Ihre Nerven das alles aushalten, müssen Sie auch mal erklären. Sie sind ja schon Ewigkeiten dabei. Wie lange eigentlich genau?

Bredemeier: Seit 1982 bin ich in irgendeiner Form immer dabei gewesen. Ob als Zuschauer, Bundestrainer, TV-Experte, oder jetzt als Delegationsleiter. Ich habe einiges hinter mir, keine Frage. (lacht)

SPOX: Was ist denn am meisten hängen geblieben?

Bredemeier: Am meisten sind die Hotels und die Spiele hängen geblieben. Das ist wirklich so. Außer in Japan, wo ich einige Ausflüge mitmachen konnte, habe ich von Land und Leuten leider wenig gesehen. Man passt sich dem Rhythmus der Sportler an. Und als Delegationsleiter ist es bei dieser WM zum Beispiel meine Aufgabe, mich um die technischen Pflichten zu kümmern. Es gibt Delegationsleitersitzungen, wo Dinge geklärt werden. Und abends findet ein Gedankenaustausch mit den Trainern statt. Ich habe das ein oder andere schöne Erlebnis mitgenommen aus all den Turnieren, aber meist ist der Blick starr auf den Sport gerichtet.

SPOX: Von 1989 bis 1992 waren Sie auch einige Jahre selbst Bundestrainer. Wie kam es damals dazu?

Bredemeier: Nun ja, ich habe alles relativ früh erreicht in meinem Leben. Ich war schon mit 27 Jahren Bundesliga-Trainer in Minden. In den 80ern habe ich dann gute Erfolge gehabt als Vereinstrainer in Düsseldorf. Als die A-Mannschaft dann unter Ivanescu in die C-Gruppe abgestürzt ist, wurde ich gefragt, ob ich den Job nicht machen möchte.

SPOX: Und Sie haben ihn gemacht.

Bredemeier: Ja, obwohl ich ihn persönlich nicht haben musste. Aber Heiner Brand hat sich damals noch geziert und so hab ich es eben übernommen. Es war auch schön, weil ich eine ganz junge Mannschaft aufbauen durfte. Mit Holpert, Petersen oder Zerbe. Das waren Spieler, die dann jahrelang den Weg mit der Nationalmannschaft bestritten haben.

SPOX: Eigentlich gute Voraussetzungen, um länger Bundestrainer zu bleiben. Was war das Problem am Ende Ihrer Amtszeit?

Bredemeier: Der Aufbau dieser Mannschaft wurde von der Wiedervereinigung ein wenig unterbrochen. Vor den Olympischen Spielen 1992 wurden die Mannschaften zusammengeführt und es blieb zu wenig Zeit, um eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Mit dem 10. Platz von Barcelona konnte ich persönlich auch nicht leben - deshalb war es das dann für mich.

SPOX: Sie sind aber noch eine Weile Trainer geblieben.

Bredemeier: Richtig, ich war noch ein bisschen in Düsseldorf Trainer und bin dann zurückgegangen zu meinem Heimatverein nach Minden. Seit 1997 bin ich jetzt dort schon Geschäftsführer der Bundesliga GmbH. 2003 bin ich dann gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, Vizepräsident für den Leistungssport beim DHB zu werden. Das kam überraschend, weil ich nie eine Funktionärskarriere angestrebt hatte. Ich hatte mich nie über Kreis-, Bezirks- und Landesverbände hochgedient. Das habe ich alles übersprungen. Aber die Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Es ist eigentlich ein Full-Time-Job neben meinem eigentlichen Full-Time-Job, aber da es im Prinzip ein bezahltes Hobby ist, ist das schon in Ordnung.

SPOX: Sie haben die gesamte Amtszeit von Heiner Brand als Bundestrainer verfolgt. Sein Vertrag läuft noch bis 2013. Danach soll Schluss sein. Eine Nationalmannschaft ohne Heiner Brand kann man sich aber kaum vorstellen. Oder können Sie sich das vorstellen?

Bredemeier: Bis 2013 haben wir erst mal noch einen ganz schön langen Weg vor uns. Wir wollen uns für die EM 2012 in Serbien und für Olympia qualifizieren, dann haben wir 2013 noch eine WM in Spanien, danach schauen wir mal, was passiert. Da sind noch so viele Höhepunkte dazwischen, an 2013 möchte ich jetzt noch nicht denken.

SPOX: Der Bundestrainer sagt, dass er nach jetzigem Stand 2013 aufhört. Glauben Sie ihm das?

Bredemeier: Im Sport ist immer alles offen. Wenn er viel Erfolg hat bis dahin, wir sind ja gerade dabei, eine Mannschaft wieder dahin zu führen, dann ist er vielleicht so handballverrückt und macht bis 2016 weiter. Auf der anderen Seite ist er 2013 dann über 60, vielleicht ist er dann auch müde. Das ist alles reine Spekulation im Moment.

SPOX: Als es jetzt die Niederlagen gegen Spanien und Frankreich gab, wurden auch die ersten Stimmen laut, die die Brand-Frage stellten. Wie reagiert der DHB darauf?

Bredemeier: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da in der Öffentlichkeit Diskussionen gibt. Wir wären als Verband auch so stabil, dass wir einen Rückschlag mal verkraften könnten. Noch mal: Unsere Zielsetzung war, erst mal die Vorrunde zu überstehen und dann in der Hauptrunde mindestens Vierter zu werden, besser Dritter. Da sind wir auf einem guten Weg. Ich habe das Ganze auch nie so negativ gesehen. Wir haben nach dem WM-Titel 2007 tolle Turniere gespielt. Bei der EM in Norwegen haben wir das Finale nur knapp verpasst und bei der WM in Kroatien hat man uns das Halbfinale nicht gegönnt, um es mal vorsichtig auszudrücken. Dazwischen gab es sicher die schlechten Turniere in Peking und Österreich, aber so was wird es immer wieder geben. Vor zwei Jahren sind die Spanier in der Vorrunde ausgeschieden, die Schweden waren zweimal bei Olympia nicht dabei, das gehört im Leistungssport dazu.

SPOX: Beschreiben Sie mal, mit welcher Begeisterung Brand bei der Arbeit ist. Sie haben ihn ja nachts schon so manches Mal gehört...

Bredemeier: Wenn wir bei Turnieren Zimmer an Zimmer sind, dann kann es schon mal passieren, dass man nachts hört, wie er schon wieder ganz früh auf den Beinen ist und sich noch viermal das Video anschaut, um sich auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Das ist aber normal. Du kommst nach einem Spiel nachts gar nicht zur Ruhe.

SPOX: Wenn man in Deutschland auf den Straßen nach der Person fragt, die die Leute mit Handball verbinden, wird die Antwort wohl fast immer Brand heißen. Niemand wird einen Spieler aus der aktuellen Nationalmannschaft nennen. Seit Stefan Kretzschmar aufgehört hat, ist das im Grunde so. Warum?

Bredemeier: Selbst zu Kretzsches Zeiten war der Star aber auch schon Brand. Weil er eben beides hat. Er ist ein sehr erfolgreicher Spieler gewesen, mit der Krönung als Weltmeister 1978, und hat dann noch als Trainer den WM-Titel geholt. Im eigenen Land. Kretzsche ist bei einer anderen Generation aufgefallen, was uns sehr geholfen hat. Es ist ja bekannt, dass das Handball-Publikum in einem etwas gesetzteren Alter ist. Mit Kretzsche haben wir auch das jüngere Publikum begeistern können. Aber von den Erfolgen steht Heiner über allen.

SPOX: Fehlen in der aktuellen Nationalmannschaft die Typen?

Bredemeier: Das denke ich nicht. Beide Linksaußen, Uwe Gensheimer und Dominik Klein, sind gute Typen. Mimi Kraus ist einer für die jungen Fans. Silvio Heinevetter ist auch ein guter Mann für draußen. Nicht wegen seiner Liaison, sondern wegen der Art und Weise, wie er im Tor steht und das Torwartspiel interpretiert.

SPOX: Es sieht trotz des tollen Sieges gegen Island so aus, als ob es nicht mit dem nächsten Titel oder zumindest mit einer Medaille klappen wird. Woran hapert es im deutschen Handball insgesamt?

Bredemeier: Wir brauchen in erster Linie eine bessere Anschlussförderung. Unsere Nachwuchsspieler werden Welt- und Europameister, aber sie kommen in der Bundesliga nicht genug zum Einsatz. Das ist ein Riesenproblem. Es müsste noch viel mehr auf deutsche Talente gesetzt werden. Unser Problem ist nicht die Phase bis 20 Jahre, aber zwischen 20 und 23 verlieren wir zu viele Spieler. Wir brauchen die Talente eher im Wettkampfstress.

SPOX: Genug Nachwuchs ist also da?

Bredemeier: Auf jeden Fall. Bei den Kindern läuft alles hervorragend. Wir haben durch die Nachhaltigkeit der WM 2007 30.000 neue Mitglieder bekommen, fast alle im Alter von 6 bis 10 Jahren. Genau das, was man neben dem Titel bei einer WM erreichen will, haben wir geschafft. Wenn wir es schaffen, in den nächsten sechs bis acht Jahren noch einmal eine EM zu bekommen mit einem ähnlichen Boom wie bei der WM 2007, wäre das wichtig. Wir müssen schauen, dass wir hinter dem Fußball klar die Nummer zwei bleiben.

SPOX: Ein Problem ist aber auch der Spielplan. Andere Nationen hatten eine viel längere Vorbereitungszeit, als sie Brand mit seinen Spielern hatte.

Bredemeier: Das ist ein großes Problem, das wir aber so schnell nicht werden lösen können. Ich gebe auch den Leuten auf der einen Seite Recht, die sagen, dass eine WM nur alle vier Jahre stattfinden sollte. Aber da muss ich dann schon dagegenhalten, dass wir in dem Fall im Januar aus dem TV heraus wären. Und das wäre der größte Fehler. Der Jahresrhythmus ist schon wichtig. Wenn man Spiele einsparen will, müsste man meiner Meinung nach die Champions League angreifen. Die Gruppenphase braucht kein Mensch. Da könnte man immerhin zehn Spieltage einsparen. Wenn man dann mal unter den besten Acht ist, hätte ich nichts dagegen, wenn man dann zwei Gruppen macht und sich die Besten mit den Besten messen. Aber beim jetzigen Modell geht es der EHF nur ums Geld, das bringt weder die Spieler noch die Vereine oder den Verband weiter.

SPOX: Apropos Verband. Gibt es denn Bestrebungen für eine deutsche EM-Bewerbung, wie Sie vorhin haben anklingen lassen?

Bredemeier: Im Augenblick nicht. Bis 2014 ist alles vergeben. Außerdem muss man sehen, dass eine Bewerbung ja sinnlos wäre, wenn man gerade erst eine WM hatte. Da gibst du dann Geld für nichts aus. Aber 2018 oder 2020 sollten wir eine gute Chance haben.

SPOX: Sind Sie dann immer noch dabei?

Bredemeier: (lacht) Das glaube ich weniger. Für mich stellt sich die Frage, ob ich Ende des Jahres noch mal drei Jahre weitermache. Neun Jahre in diesem Amt zu sein ist gut. Mit zwölf Jahren könnte ich auch leben, das werde ich mir gut überlegen. Da habe ich keinen Druck.

SPOX: Aber Hotti Bredemeier ohne Handball, das geht doch auch nicht, oder?

Bredemeier: Ich habe immer noch meinen Verein, außerdem trainiere ich selbst noch eine E-Jugend. Ich kann mir ein Leben ohne Handball schon vorstellen, aber im Moment kann ich noch gut mit dem Handball leben.

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