Handball-WM 2011: Spanien - Deutschland 26:24

DHB-Team verschenkt den Sieg

Von Für SPOX in Kristianstad: Florian Regelmann
Montag, 17.01.2011 | 20:34 Uhr
Adrian Pfahl (r.) spielt in der Bundesliga für den VfL Gummersbach
© Getty
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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat den ersten großen Test bei der WM nicht bestanden. In Kristianstad unterlag das DHB-Team in einem absoluten Schlüsselspiel Spanien mit 24:26 (13:13) und musste damit einen empfindlichen Rückschlag einstecken. Halbfinal-Träume können fast schon ad acta gelegt werden.

Beste deutsche Torschützen waren gegen Spanien Uwe Gensheimer (4) und Holger Glandorf (4). Die DHB-Auswahl sah in der zweiten Halbzeit bei einer Drei-Tore-Führung schon wie der sichere Sieger aus, verlor aber dann komplett den Kopf und kassierte eine unglaublich ärgerliche Niederlage. Bei den Spaniern trafen Iker Romero (5), Julen Aguinagalde (5) und Juan Antonio Garcia (5) am besten.

Nach einem Ruhetag trifft die deutsche Mannschaft als nächstes am Mittwoch auf Topfavorit Frankreich. Eine weitere Niederlage würde alle Halbfinalchancen endgültig zunichte machen, da man dann mit null Punkten in die Hauptrunde gehen würde. Tunesien muss zum Vorrunden-Abschluss am Donnerstag auf jeden Fall bezwungen werden.

Der WM-Spielplan: Alle Spiele, alle Gruppen, alle Topscorer!

Reaktionen:

Heiner Brand: "Es war möglich, die Spanier zu schlagen. Wir waren nah dran, aber haben uns im Angriff eine zu hohe Zahl an technischen Fehlern geleistet."

Dominik Klein: "Es ist unglaublich, dass wir so eine Chance ausgelassen haben."

Johannes Bitter: "Das tut einfach nur weh."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Brand kehrt nicht ganz zur Formation aus dem Ägypten-Spiel zurück. Heißt: Etwas überraschend beginnt Bitter im Tor. Heinevetter muss auf der Bank Platz nehmen. Sonst alles wie im Auftaktspiel. Haaß und Preiß bilden den Mittelblock und im Angriff starten Gensheimer, Hens, Haaß, Glandorf, Sprenger und Preiß. Im spanischen Tor erhält Sterbik zunächst den Vorzug vor Hombrados.

8.: Schlechte Phase! Jetzt muss auch noch Haaß raus und es gibt Siebenmeter. Romero verwandelt sicher. Ganz bitter: Für Haaß ist es schon die zweite Strafe. Noch eine, und er sieht Rot.

13.: Überragender Pass von Hens auf Sprenger. Der überlistet Sterbik mit einem Heber. Deutschland ist mit zwei Toren vorne. 7:5.

18.: Pfahl ist mittlerweile auf dem Platz. Super Tor von Gensheimer. Er verzögert in Unterzahl den Wurf, Sterbik liegt schon am Boden und Gensheimer versenkt den Ball. Im Gegenzug machen aber auch die Spanier ein Tor. Völlig offene Partie.

24.: Kritische Phase jetzt für Deutschland. In der Offensive gehen die Bälle viel zu leicht verloren, die Abwehr hat nun Lücken. Spanien nutzt das und führt nun mit zwei Toren Vorsprung (11:9).

30.: Jetzt wird es ein bisschen peinlich. Auch Kaufmann muss für zwei Minuten runter. Immerhin: Klein bringt Deutschland nach einem herrlichen Steal und Tempogegenstoß in Führung. Kurz vor der Pause verwandelt Romero seinen vierten Siebenmeter. 13:13.

36.: Nicht schon wieder! Kaufmann kassiert seine dritte Zeitstrafe wegen eines Wechselfehlers und ist somit ganz raus aus der Partie.

48.: Spanien im Angriff und Garcia wirft. Was passiert? Logo, Bitter hat das Ding. Dann geht es schnell und wieder ist Heinl zur Stelle. Drei Tore Vorsprung für das DHB-Team, Auszeit Spanien.

50.: Wieder schleicht sich Garcia über außen durch und wirft - aber nicht mit Bitter, diesem Teufelskerl!

54.: Das darf nicht wahr sein. Drittes Tor in Folge für Spanien, Ausgleich. Aguinagalde setzt sich am Kreis durch.

58.: Das war es dann wohl. Garcia bringt die Spanier mit drei Toren in Führung. Und Deutschland verliert schon wieder den Ball. Ist das bitter.

Spanien - Deutschland: Das Spiel im Re-Live zum Nachlesen

Der Star des Spiels: Jogi Bitter. Normalerweise ist es unpassend, einen Spieler des Verlierer-Teams zum Man of the Match zu küren, aber in dem Fall muss einfach eine Ausnahme gemacht werden. Wer den besseren Torhüter hat, gewinnt. Dachten SPOX und Christian Schwarzer. Falsch gedacht. Sterbik war auf Seiten der Spanier zwar gewohnt gut, aber Bitter war überragend. In der 2. Hälfte war er "in the zone" und nagelte das Tor phasenweise komplett zu. Dank ihm hätte das DHB-Team das Spiel gewinnen müssen, tat es aber nicht. Bitter hat alles gemacht, was ein Torwart nur machen kann, um sein Team zum Sieg zu tragen. Viele hatten vor dem Spiel damit gerechnet, dass Heinevetter im Kasten stehen würde, aber der Bundestrainer setzte auf Bitter. Wie das Spiel zeigte, tat er das trotz der ärgerlichen Pleite auch zu Recht.

Der Flop des Spiels: Michael Kraus. Der Hamburger war in den ersten beiden Partien schon nicht gut ins Turnier gekommen und schrammte beim Bahrain-Spiel nur knapp am Flop vorbei. Jetzt gibt es keine andere Möglichkeit mehr, als Kraus zum Flop zu machen. Er ist in einem absolut entscheidenden Moment einfach komplett abgetaucht. Nachdem er schon in der ersten Halbzeit bis auf zwei verwandelte Siebenmeter nichts auf die Reihe bekommen hatte, schenkte ihm Brand zu Beginn von Hälfte zwei noch mal das Vertrauen. Aber was folgte, war ein fürchterlicher Ballverlust von Kraus. Brand zögerte keine Sekunde und ersetzte Kraus sofort wieder durch Haaß. Bis zur Schlussphase, als schon alles gelaufen war, blieb Kraus auf der Bank sitzen. Es ist unerklärlich, dass Kraus seine Leistung irgendwie nicht abrufen kann. Das Team hätte ihn gebraucht.

Statistik: Die besten Torschützen und die besten Vorbereiter

Analyse: Handball-Zuschauer kennen diese Spiele. Diese Spiele, die einen als Zuschauer vor dem Fernseher oder in der Halle immer so wahnsinnig nahe an den Herzinfarkt kommen lassen. Vor dem Spiel gegen Spanien war im Prinzip schon völlig klar, dass es hier wieder mal einen unglaublichen Handball-Krimi geben würde. Und den gab es dann eben auch. Schon die ersten 30 Minuten hatten es in sich. Vor allem dank der dänischen Schiedsrichter Olesen/Pedersen, die konsequent einen nach dem anderen zu 2 Minuten verdonnerten.

Sage und schreibe 11 2-Minuten-Strafen verteilten die beiden Herren in Hälfte eins, davon 7 gegen das DHB-Team. Wenn man das bedenkt, war es bemerkenswert, dass das Brand-Team zur Pause ein Unentschieden schaffte.

Der komplette Mittelblock mit Haaß und Preiß hatte früh jeweils zwei 2-Minuten-Strafen auf dem Konto - es drohte Rot. So war Brand gezwungen, jeden in den Innenblock zu stellen, der nur verfügbar war. Aber es wurde nicht besser. Auch Kaufmann sah noch vor der Pause seine zweite Zeitstrafe.

Deutschland blieb aber im Spiel. Dank einem starken Bitter. Und dank eines starken Spirits. Kurz vor der Pause hatte man bei 4-6-Unterzahl eine famose Phase, als Klein per Steal und Tempo-Gegenstoß sogar für die Führung sorgte. Die gefährlichste Waffe der Spanier, das Kreisläufer-Spiel mit Julen Aguinagalde, war praktisch kein Faktor. Die Iberer kamen im Angriff erst besser in die Partie, als Coach Rivera Chema Rodriguez und Alberto Entrerrios in die Begegnung brachte.

In Hälfte zwei wurde die Lage für die deutsche Abwehr immer dramatischer, weil Kaufmann und Preiß nach der dritten Zeitstrafe Rot sahen. Aber das Brand-Team ließ sich davon nicht beeindrucken. Angetrieben von einem überragenden Bitter im Tor hatte man die Spanier bei einer Drei-Tore-Führung (21:18) schon so gut wie im Sack.

Mehrmals hatte das DHB-Team die Chance, den Vorsprung weiter auszubauen und den Spaniern den Todesstoß zu versetzen. Aber sie ließen sie leben und bezahlten böse dafür. Rivera stellte auf eine extrem offensive Deckung um und die deutsche Mannschaft verlor dadurch komplett den Faden.

Obwohl man auf diese Variante der Spanier vorbereitet war und es extra trainiert hatte, fand man überhaupt kein Mittel mehr. Mit einer halbherzigen Aktion nach der anderen lud man den Gegner quasi ein, das Spiel zu drehen. Zu allem Überfluss konnte man in der Abwehr dann auch Aguinagalde nicht mehr stoppen, auch wenn dessen Tore häufig mal wieder nur zustande kamen, weil glasklare Offensiv-Fouls nicht gepfiffen wurden.

Dennoch hat es sich das deutsche Team selbst zuzuschreiben, dass man einen großen Sieg einfach so aus der Hand gegeben hat. 50 Minuten stark zu spielen reicht nicht. Die Mannschaft ist offensichtlich noch nicht soweit, um solche Partien ruhig zu Ende spielen. Das Halbfinale ist nach diesem Ende nahe an der Utopie.

Der Spielplan der Handball-WM 2011

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