Donnerstag, 19.08.2010

Nachwuchshandballer Felix König im Interview

"Eigentlich ist alles Handball"

Nach einem ereignisreichen Sommer mit Abitur und Junioren-EM richtet sich bei Nachwuchshandballer Felix König (19) vom HBW Balingen-Weilstetten der Fokus schon wieder auf die neue Saison. Im SPOX-Interview spricht er über das verlorene Halbfinale gegen Dänemark, Integration und das große T.

Felix König erreicht bei der Junioren-EM in der Slowakei Platz vier mit dem DHB-Team
© Imago
Felix König erreicht bei der Junioren-EM in der Slowakei Platz vier mit dem DHB-Team

SPOX: Bei der Junioren-EM gab es im Halbfinale trotz Ihrer acht Tore eine unglückliche Niederlage gegen Dänemark. Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?

Felix König: Ich bin recht zufrieden. Außerdem bin ich froh, dass verletzungstechnisch nichts passiert ist. Weil vorher nicht ganz klar war, ob mein Knie hält.

SPOX: Und das Fazit für die Mannschaft?

König: Ich denke, wir haben eine gute EM gespielt und können zufrieden sein. Im Halbfinale haben wir unglücklich verloren. Da waren einfach ein, zwei Situationen: Wenn wir die für uns entschieden hätten, wäre das Spiel in die andere Richtung gegangen.

SPOX: Sie sind jetzt deutlich später in die Saisonvorbereitung eingestiegen. Könnte die EM negative Auswirkungen auf die kommende Saison haben?

König: Ja, ich habe den Hauptteil verpasst. Dadurch ist es natürlich schwierig, mit der Mannschaft mitzukommen, auch taktisch. Ich war das komplette Trainingslager nicht da und dann ist es mit den Wochen, die mir in der Vorbereitung fehlen, schwierig. Die muss ich wieder reinholen. Auf der anderen Seite ist so ein Turnier eine Riesenerfahrung. Da gibt es viele Drucksituationen und Momente, in denen man selbst viel Verantwortung übernehmen muss. Das bringt einen enorm weiter.

SPOX: Hatten Sie eigentlich Kontakt mit Ihrem Vereinstrainer während der EM?

König: Ja, wir haben telefoniert, uns gegenseitig auf den neuesten Stand gebracht.

SPOX: Was sind Ihre Ziele für die neue Saison in der Bundesliga?

König: Auf jeden Fall mehr will ich Spielanteile bekommen und mich weiter in die Mannschaft integrieren. Ich möchte auch über die Bundesligaspiele Erfahrung sammeln können.

SPOX: In welchem Bereich müssen Sie sich dringend verbessern?

König: Nachdem jetzt die EM vorbei ist, ist es in den nächsten Wochen mein vorrangiges Ziel, körperlich zuzulegen. An Gewicht und an Muskelmasse. Dafür wird jetzt ein spezieller Trainingsplan entwickelt.

SPOX: Sie haben diesen Sommer auch Abi gemacht. Glückwunsch erstmal dazu! Dazu gab's den Sonderpreis für die beste Leistung im Fach Sport. Zufrieden?

König: Ja, auf jeden Fall! Ich bin froh, dass das jetzt so gut über die Bühne gegangen ist, weil ich durch die Nationalmannschaft viel gefehlt habe und dadurch viel nachholen musste. Das hat auch den Lehrern nicht immer so gepasst.

SPOX: Planen Sie jetzt auch noch ein Studium? Vielleicht ein Fernstudium nebenher?

König: Ich überlege auf jeden Fall zu studieren und da dann in Richtung Sport. Was genau, bin ich mir noch nicht sicher, das wird sich demnächst dann zeigen. Da muss ich mich noch genauer informieren.

SPOX: Und wie sieht es mit Zivildienst aus?

König: Nein, ich bin ausgemustert. Typische Sportlersache (lacht).

SPOX: Abi-Stress, EM, dazu die Überlegungen zum Studium: Hatten Sie dieses Jahr eigentlich Urlaub?

König: Nach dem Abi hatte ich Urlaub, zweieinhalb Wochen. Da haben wir auch unsere Abschlussfahrt gemacht. Den Rest der Zeit war ich dann gemütlich daheim, weg vom Stress, und habe mich erholt. Ab jetzt ist dann nur noch Vorbereitung.

"Ich bin schon ein emotionaler Mensch. Aber oft hat man gar nicht die Zeit groß nachzudenken, weil einfach alles zu schnell geht."

Felix König

SPOX: Auf der Vereinshomepage haben Sie als Hobby das "große T" angegeben. Was hat es damit auf sich?

König: (lacht) Das ist die Disco hier bei uns, die wird hier so genannt.

SPOX: Haben Sie mit vollem Trainingsplan und Spielen überhaupt die Chance, großartig feiern zu gehen?

König: Eigentlich nicht. Auch jetzt in der Vorbereitung geht man nicht mehr feiern. Während der Saison, mit Spielen und Training, hält sich das sowieso stark in Grenzen. Wenn man dann mal weggeht, dann nur ganz ruhig. So richtig feiern gehe ich dann eigentlich überhaupt nicht mehr.

SPOX: Was machen Sie stattdessen, um abzuschalten? Haben Sie irgendwelche besonderen Rituale?

König: Rituale habe ich keine - mein Ruhepol ist meine Freundin. Bei ihr kann ich nach Spielen immer abschalten. Und meine Familie natürlich. Wenn ich heim komme, dann wissen sie auch, dass ich gerade nicht wirklich ansprechbar bin und lassen mich auch mal in Ruhe. Die sind da zum Glück sehr verständnisvoll.

SPOX: Sind Sie eher ein emotionaler Mensch? Wie verarbeiten Sie Niederlagen oder eben, andererseits, Ihren aktuell rasanten Aufstieg?

König: Ich mache mir viele Gedanken. Ich bin schon ein emotionaler Mensch. Aber oft hat man gar nicht die Zeit, groß über etwas nachzudenken, weil einfach alles zu schnell geht.

SPOX: Machen Sie neben Handball noch Sport als Ausgleich?

König: Eigentlich nicht. Ich gehe ein paar Mal im Jahr Tennis spielen, aber ansonsten bleibt da einfach nicht viel Zeit für.

SPOX: Aber Sie verfolgen doch zumindest, was in anderen Sportarten passiert?

König: Eigentlich ist alles Handball. Ich schaue ab und zu mal Fußball am Wochenende, aber nicht wirklich. Wenn dann den VfB. Und im Handball gibt's eh nur den eigenen Verein.

SPOX: Haben Sie ein Spieler-Idol?

König: Konkret nicht. Klar gibt es zwei, drei Spieler, die nicht nur sportlich, sondern auch menschlich auffällig und sozial engagiert sind und viel erreicht haben. Aber ein direktes Vorbild habe ich nicht. Die Rolle als Vorbild abseits des Platzes ist mir persönlich aber auf jeden Fall sehr wichtig.

SPOX: Deutschland ist im Juniorenbereich generell gut aufgestellt, holt da auch viele Titel. Aber in der Bundesliga wird trotzdem nicht so stark auf den Nachwuchs gesetzt. Wie erleben Sie das?

König: Ja, das bekommen wir natürlich mit. Das ist oft ein Punkt, an dem sich viele Trainer reiben. Aber bei mir selbst ist das anders: Ich wurde in die Mannschaft super integriert, darauf wurde von Vereinsseite extra geachtet. Das war gar kein Problem. Ich bin in der Mannschaft komplett akzeptiert. Und dann ist auch mal ein kleiner Fehler erlaubt, auch wenn das Gewinnen natürlich wichtig ist.

SPOX: Sehen Sie besondere Faktoren für einen problemlosen Übergang von der Jugend zu den Profis?

König: Ich denke, dass das vom Verein sehr gut geregelt ist. Das ist sehr wichtig. Außerdem ist es natürlich auch von Person zu Person anders. Bei mir hat alles super geklappt, die Spieler ziehen alle an einem Strang und dann muss man selbst kaum etwas tun, um in der Mannschaft anzukommen. Da muss ich mich bei dem Verein wirklich mal bedanken.

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Adrian Bohrdt

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