Samstag, 29.05.2010

Talant Dujshebaev im Interview

"Kiel ist nicht schwächer geworden"

Es wird vielleicht das Spiel des Jahres: Im Champions-League-Halbfinale trifft Kiel beim Final Four in Köln auf den spanischen Titelverteidiger Ciudad Real (17.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Talant Dujshebaev holte mit Ciudad Real 2008 und 2009 im Finale gegen Kiel die Champions League
© Imago
Talant Dujshebaev holte mit Ciudad Real 2008 und 2009 im Finale gegen Kiel die Champions League

Das Team des legendären Talant Dujshebaev (41) gewann in den vergangenen vier Jahren dreimal den Titel in der Königsklasse, 2008 und 2009 im Finale gegen Kiel. Im Interview mit SPOX kündigt Dujshebaev seine Rückkehr in die Bundesliga an. Er spricht über das Final Four und verrät, vor welchem Kieler er am meisten Respekt hat.

SPOX: Herr Dujshebaev, Sie treffen im Champions-League-Halbfinale mit BM Ciudad Real auf den THW Kiel. Sind Sie mit der Auslosung zufrieden?

Talant Dujshebaev: Naja, ich denke, sowohl der THW als auch wir haben gehofft, gegen das Überraschungs-Team Chehovski Medvedi Chekov zu spielen. Aber in einem Final Four treffen nun mal die besten Mannschaften aufeinander. Von daher muss man es nehmen, wie es kommt.

Die Final-Four-Vorschau von mySPOX-User Jasper32

SPOX: Ist die Partie zwischen Ciudad und Kiel bereits ein vorweggenommenes Endspiel?

Dujshebaev: Es könnte sein. Aber ich denke, dass auch Barcelona in dieser Saison unglaublich stark ist. Barcelona, Kiel und wir haben vermutlich alle eine gleich große Chance, die Champions League zu gewinnen.

SPOX: Ist Kiel im Halbfinale Favorit, weil das Final Four in Köln stattfindet?

Dujshebaev: Nein, das glaube ich nicht. Natürlich werden in Köln viel mehr Fans aus Kiel da sein als von uns. Aber ein echter Heimvorteil wäre es nur, wenn das Spiel in Kiel stattfinden würde.

SPOX: In der vergangenen Saison hat Ciudad gegen Kiel im Finale gewonnen. Der THW ist in der Bundesliga nicht mehr ganz so dominant wie im letzten Jahr. Glauben Sie, dass der THW etwas schwächer geworden ist?

Dujshebaev: Das kann man so nie sagen. Stellen sie sich vor, Kiel würde Meister werden und dann noch die Champions League gewinnen. Das ist ja durchaus möglich. Dann würde niemand mehr davon reden, dass der THW schwächer sei als in der vergangenen Saison.

SPOX: Aber mit Nikola Karabatic und Stefan Lövgren hat der THW tragende Säulen verloren...

Dujshebaev: Das stimmt natürlich. Aber Sie haben auch hervorragende Spieler geholt. Momir Ilic zum Beispiel.

SPOX: Vor welchen Kielern haben Sie am meisten Respekt?

Dujshebaev: Thierry Omeyer! Er ist ein unglaublicher Torwart - wahrscheinlich der beste der Welt. Wobei natürlich für mich persönlich unsere Torhüter die besten der Welt sind. Aber auch wegen Daniel Narcisse, Ilic und Dominik Klein gehört Kiel zu den besten Mannschaften überhaupt.

SPOX: Worauf wird es also in diesem Spiel ankommen?

Dujshebaev: (lacht) Das werde ich ihnen nicht verraten, schließlich sind Sie wie die Kieler Deutscher. Aber ernsthaft: Es wird auf Kleinigkeiten ankommen. In so einem Spiel darfst du dir weder in der Abwehr noch im Angriff Schwächen erlauben.

SPOX: Das galt auch für die vorherige Runde. Sie haben im Viertelfinale Hamburg rausgeworfen, obwohl das Hinspiel beim HSV mit vier Treffern Differenz verloren ging. In der vergangenen Saison hat Ciudad das Final-Hinspiel in Kiel sogar mit fünf Toren verloren. Dennoch hat Ihr Team das Ding gedreht. Wie impfen Sie Ihren Spielern diese Moral ein?

Dujshebaev: Wir haben beide Rückstände zu Hause gedreht - das ist das ganze Geheimnis. Es ist ein riesiger Unterschied, ob man in der eigenen Halle spielt oder auswärts.

SPOX: War das Weiterkommen gegen den HSV eigentlich besonders schön für Sie? Schließlich sind Sie in der Vorrunde gehörig mit HSV-Trainer Martin Schwalb aneinandergeraten. Da sollen sehr böse Worte gefallen sein...

Dujshebaev: Nein, der Sieg war deshalb nicht schöner. Ich gebe zu, dass diese Vorkommnisse damals nicht gerade vorbildlich waren. Aber man muss wissen, dass wir beide einen starken Charakter haben und sehr ehrgeizig sind. Dann fallen schon mal Worte, die man so besser nicht gesagt hätte. Ich bin eben jemand, der selbst als Trainer zu 200 Prozent in einem Spiel drin ist. Diesmal sind wir aber sehr fair miteinander umgegangen und haben ganz normal miteinander gesprochen.

SPOX: Die Sache ist also ausgeräumt?

Dujshebaev: Ja, das ist ausgeräumt. Wir sind erwachsene Menschen.

SPOX: Sie sind seit 2005 Trainer bei Ciudad. In dieser Zeit haben Sie den Klub zu drei spanischen Meisterschaften, drei Champions-League-Siegen und einem spanischen Pokalsieg geführt. Sie haben alles erreicht. Hören Sie bei Ciudad auf, wenn es diesmal wieder mit dem Champions-League-Sieg klappt?

Dujshebaev: Alles, was früher einmal war, ist für mich kein Thema. Ich will immer nur das nächste Spiel gewinnen. Ich bin zu 100 Prozent motiviert. Und in Köln wird meine Motivation sogar noch größer sein. Ich freue mich darauf, in dieser tollen Halle, vor so vielen Zuschauern dabei zu sein.

SPOX: Wahrscheinlich auch, weil Sie zu Deutschland eine besondere Beziehung haben. Als Spieler waren Sie vier Jahre lang in der Bundesliga aktiv. Ein Jahr in Nettelstedt, drei Jahre in Minden. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Klubs?

Dujshebaev: Natürlich. Deswegen spreche ich auch noch ganz ordentlich deutsch. Ich telefoniere beispielsweise regelmäßig mit Mindens Sportdirektor Frank von Behren, mit dem ich ja sogar noch zusammen gespielt habe.

SPOX: Minden steigt wohl ab. Fühlen Sie mit?

Dujshebaev: Das tut mir sogar sehr weh. Aber so ist das Leben. Es ist nun mal für einen Verein wie Minden nicht einfach, in der Bundesliga zu bestehen.

SPOX: Sie hätten den Abstieg vielleicht verhindert. Sehen wir Sie eines Tages als Trainer in der Bundesliga?

Dujshebaev: Das ist gut möglich. Es hat mir als Mensch in Deutschland sehr gut gefallen. Sportlich habe ich aber nicht das erreicht, was ich mir vorgestellt habe. Und weil ich eben sehr ehrgeizig bin, stört mich das. Deshalb will ich irgendwann als Trainer zurückkommen und den ein oder anderen Titel gewinnen.

Champions-League-Halbfinale: Lospech für THW Kiel

Interview: Felix Götz

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