Donnerstag, 22.04.2010

Kim Andersson im Interview

"Kein Titel? Das wäre komisch!"

Kim Andersson spielt seit fünf Jahren beim THW Kiel und ist in der schwedischen Nationalmannschaft eine Bank. Am Sonntag trifft Kiel im Viertelfinale der Champions League auf die Rhein-Neckar Löwen, doch Andersson darf nur zuschauen - aufgrund von Knieproblemen fällt er den Rest der Saison aus. Bei SPOX spricht er über seine Verletzung, den neuen Lövgren und seine Wunschkarriere als Drummer bei den Red Hot Chili Peppers.

Kim Andersson spielt seit 2005 für den THW Kiel
© Getty
Kim Andersson spielt seit 2005 für den THW Kiel

SPOX: Am Sonntag geht es im Champions-League-Viertelfinale gegen die Rhein-Neckar-Löwen. Aufgrund von Knieproblemen (hier geht's zur News) müssen Sie aber den Rest der Saison von der Bank aus verfolgen. Wie sehr frustriert Sie das?

Kim Andersson: Sehr. Ich würde lieber auf dem Feld stehen und der Mannschaft helfen. Aber die Gesundheit geht vor, deshalb ist es okay. Die Doppel-Belastung von Champions League und Bundesliga ist eben sehr anstrengend für den Körper und mit der Anzahl der Spiele steigt auch das Verletzungsrisiko. Die Bundesliga ist die beste Liga der Welt, hier gibt es keine leichten Spiele. Man muss immer 200 Prozent dabei sein. Wenn du das nicht geben kannst, brauchst du nicht zu spielen. Aber ich drücke natürlich die Daumen für mein Team.

SPOX: Freuen Sie sich auf die Konkurrenz aus der Bundesliga oder hätten Sie sich lieber ein internationales Team gewünscht?

Andersson: Für uns ist alles okay. Durch die Sache mit der Aschewolke sind wir allerdings froh, dass wir nicht irgendwohin fliegen müssen, sondern gegen die Löwen spielen. Wir haben die letzten Spiele für uns entschieden und das schafft natürlich Selbstvertrauen. Dennoch sind die Ergebnisse alt. Wir müssen in jedem Spiel von Neuem beweisen, dass wir besser sind als der Gegner.

SPOX: Die letzten beiden Spielzeiten sind die Zebras jedes Mal im Finale an Ciudad Real gescheitert. Hoffen Sie dennoch auf eine Revanche gegen die Spanier, vielleicht wieder im Endspiel? Die müssen ja jetzt erstmal gegen den HSV ran.

Andersson: Momentan haben wir nur die Löwen im Kopf und natürlich müssen wir es erstmal bis ins Finale schaffen. Aber sollten wir auf Real treffen, wollen wir sie endlich schlagen und den Titel holen.

SPOX: Um den Titel geht es auch noch in der Bundesliga. Viele Experten gehen aber davon aus, dass dieses Jahr der HSV dran ist...

Andersson: Wir holen dieses Jahr wieder den Titel! Aber auf uns warten schwere Spiele und wir müssen alle gewinnen. Letztendlich wird sich der Titelkampf aber wohl erst beim Spiel gegen den HSV in Hamburg entscheiden. Dort müssen wir unbedingt gewinnen, auch wenn das nicht einfach wird.

SPOX: Wie schlimm wäre es für den erfolgsverwöhnten THW Kiel, wenn am Ende der Saison kein einziger Titel herausspringt?

Andersson: Es wäre ein komisches Gefühl. Es kann aber durchaus passieren, denn es gibt sehr gute Teams, die wir erst einmal schlagen müssen. Aber das Leben geht auch ohne Titel weiter.

SPOX: Wie sehr fehlen der Mannschaft Stars wie Stefan Lövgren und Nikola Karabatic?

Andersson: Sehr. Man konnte sehr gut mit ihnen zusammenarbeiten und sie waren die Spielführer unseres Teams. Lövgren hat zehn Jahre lang in Kiel gespielt, er wusste genau, wie was zu laufen hatte. Zudem war er eine Vertrauensperson, die ich immer fragen konnte, wenn ich Probleme hatte. Stefan hat immer seine Leistung abgeliefert und war ein super Spieler, ebenso wie Karabatic. Nikola hat zudem die Eigenschaft, dass er ein Spiel mit leichten Toren noch drehen kann.

SPOX: Ist Lövgren für Sie ein Vorbild?

Andersson: Natürlich. Er ist einer von den großen Spielern und auch noch ein ganz netter Kerl, deshalb bin glücklich, dass ich die Möglichkeit hatte, ihn kennenzulernen. In meinen Augen gehört er zu den absoluten Topspielern. Er ist einfach ein Handball-Gott.

SPOX: Was trauen Sie Ihrem jungen Teamkollegen und Landsmann Aron Palmarsson zu?

Andersson: Palmarsson kann genauso gut wie Lövgren werden. Er hat einen sehr guten Wurf, aber auch ein gutes Auge für das Spiel. Mit seinen 19 Jahren ist er ein Spieler der Zukunft. Ich hoffe, dass er noch lange in Kiel bleibt, sich bei uns weiter entwickelt und unserem Team hilft.

SPOX: Wie ist denn die Stimmung derzeit in der Mannschaft?

Andersson: Bis vor kurzem war sie ziemlich locker. Einige Spieler hatten zwar lange Reisen hinter sich, trotzdem machen wir etwas Quatsch und sind gut gelaunt. Das ist auch wichtig: Man muss Spaß an der Sache haben.

SPOX: Den Spaß haben Sie, den Erfolg zumindest mit Kiel auch. Aber mit der Nationalmannschaft hat es noch nicht bis nach ganz vorne gereicht. Wie sehr frustriert Sie das?

Andersson: Es ist mein großer Traum, auch mit der Nationalmannschaft etwas zu erreichen. Leider bin ich zu einem Zeitpunkt in das Team gekommen, als es nicht mehr so gut geklappt hat. Trotzdem behalte ich die Hoffnung, dass ich auch einmal mit Schweden an der Spitze stehen darf. Ich habe sehr viel Vertrauen in die neuen jungen Spieler, die ins Team gekommen sind. Wir müssen einfach weiterkämpfen. Irgendwann wird Schweden bei der Titelvergabe wieder ein Wörtchen mitreden.

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SPOX: Vielleicht schon 2011, denn nächstes Jahr wird in Ihrem Heimatland die Handball-WM ausgetragen. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Andersson: Es ist schon großartig genug, dass wir zuhause so etwas Großes wie eine WM spielen dürfen. Das schwedische Volk hat die Möglichkeit, uns zu unterstützen und hoffentlich können wir auch guten Handball zeigen. In Deutschland war es damals ein super Turnier. Ich hoffe, dass auch die schwedische Liga von der Euphorie profitieren kann. Das ist wichtig, um neue Talente zu finden und junge Spieler unterstützen zu können.

SPOX: Wie groß ist die Handball-Begeisterung bei den Schweden?

Andersson: Wenn man es mit Deutschland vergleicht, ist sie deutlich kleiner. In Schweden stehen Eishockey und Fußball an erster Stelle, erst danach kommt Handball. Durch die wenigen Medaillen in den letzten Jahren hat sich die Begeisterung leider etwas abgekühlt. Es ist die Aufgabe der schwedischen Nationalmannschaft, das wieder zu ändern.

SPOX: Es wurde spekuliert, dass Sie nach der WM in Schweden Ihre Karriere in der Nationalmannschaft beenden wollen...

Andersson: Nein, das stimmt nicht. Ich habe mit einem schwedischen Reporter gesprochen, der das missverstanden hat. Aber die vielen Belastungen mit Bundesliga, Champions League und Nationalmannschaft sind anstrengend und lassen wenig Zeit für Erholung. Ich habe damals gesagt, dass es ein schöner Abschluss mit der WM im eigenen Land wäre. Zudem hätte ich dann auch die zehn Jahre im Nationalteam voll. Aber das heißt nicht, dass ich meine Karriere beenden möchte. Das werde ich erst 2011 entscheiden. Sollte Schweden die Möglichkeit bekommen, 2012 bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, würde ich gerne die Chance wahrnehmen.

SPOX: Wie sieht es denn auf der Vereinsebene aus: Denken Sie über einen Wechsel nach?

Andersson: Zurzeit nicht. Meine Familie und ich fühlen uns in Kiel sehr wohl. Es ist meine fünfte Saison beim THW und ich wurde dort nie enttäuscht. Es muss etwas ganz Drastisches passieren, damit ich wechsele, denn wenn ich meine Karriere beende, dann dort.

SPOX: Sie haben 2006 gesagt, dass Sie in zehn Jahren hoffentlich immer noch Handball spielen. Können Sie sich ein Leben ohne Handball überhaupt vorstellen?

Andersson: Nein, das ist echt schwer. Trotz des Trainings habe ich tagsüber noch relativ viel Freizeit - im Gegensatz zu einem normalen Job. Dadurch ist mein Leben sehr schön, weil ich viel mit meinem kleinen Sohn unternehmen kann.

SPOX: Dennoch sind Sie viel unterwegs - bereuen Sie es manchmal, dass Sie nicht ständig bei Ihrer Familie sein können?

Andersson: Es ist immer schwer, wenn man längere Zeit weg ist, aber ich versuche es zu kompensieren, wenn ich in Kiel bin. Bei der WM nächsten Januar werde ich einen ganzen Monat weg sein. Das wird bestimmt schwer für mich werden. Aber ich freue mich schon jetzt darauf, viel mit meinem Sohn zu unternehmen, wenn er etwas älter ist. Es wird wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis er herumläuft und man ihn an die Leine nehmen muss, weil er sonst wegläuft (lacht). Und ich hoffe auch, dass er bald mit einem Ball spielen möchte.

SPOX: Zeit für Ihre Hobbies Kino und Fernsehen bleibt da neben Sport und Familie wohl nicht mehr...

Andersson: Leider nein. Aber bei den Auswärtsspielen nutze ich auf der Fahrt immer die Möglichkeit, mir ein paar Filme anzuschauen. Aber im Kino war ich tatsächlich seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich habe allerdings  fest vor, in der Sommerpause wieder öfter ins Kino zu gehen und mir ganz entspannt einen Film anzuschauen.

SPOX: Und was ist mit Ihrer Karriere als Musiker? Sie haben einmal zum Spaß gesagt, Sie wären gerne Drummer bei den Red Hot Chili Peppers. Üben Sie schon?

Andersson: (lacht) Das war zu der Zeit, als wir auf dem Rathausplatz unsere Titel gefeiert und viel gesungen haben. Da haben wir gescherzt, dass wir unsere eigene Band gründen könnten. Und den Job als Sänger hat sich jemand anderes geschnappt, also blieb für mich nur noch das Schlagzeug. Aber ich habe kein Ohr für Musik, deshalb wird das wohl leider nichts. Vor allem ohne Schlagzeug, aber dafür habe ich zuhause echt keinen Platz.

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