Donnerstag, 28.01.2010

Handball-EM: Deutschland - Tschechien 26:26

Symptomatisch für das ganze Turnier

Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der EM in Österreich auch den Abschluss verpatzt. Im letzten Hauptrunden-Spiel kam das Team von Bundestrainer Heiner Brand gegen Tschechien trotz langer Führung nicht über ein 26:26 (16:14) hinaus und lieferte damit am Ende mit Platz zehn noch hinter Gastgeber Österreich das schlechteste Abschneiden in der EM-Geschichte ab. Lars Kaufmann war mit sieben Treffern bester deutscher Werfer, für die Tschechen traf Topstar Filip Jicha (6) am besten.

Filip Jicha rettete Tschechien mit seinen Toren das Unentschieden
© Getty
Filip Jicha rettete Tschechien mit seinen Toren das Unentschieden

1994 in Portugal und 2000 in Kroatien hatte Deutschland Rang neun erreicht, diesmal wurde es aufgrund des Sieges von Österreich gegen Russland sogar nur Platz zehn. Insgesamt steht lediglich ein Sieg bei zwei Unentschieden und drei Niederlagen zu Buche.

"Wir waren heute nicht in der Lage, über 60 Minuten gut zu spielen. Die erste Halbzeit war in Ordnung, aber in der zweiten Hälfte war uns die Müdigkeit anzusehen. Auf diesem Niveau entscheiden Kleinigkeiten. Insgesamt kann ich nicht zufrieden sein", sagte Heiner Brand, der das taktische Verhalten in den letzten Sekunden harsch kritisierte.

Auch Torwart Johannes Bitter (HSV Hamburg), der wieder mal zu den besten Akteuren im Team gehörte, konnte seine Enttäuschung nicht verbergen: "Der Ausgang dieses Spiels hätte nicht passender sein können. Wir schaffen es nicht, den möglichen Sieg über die Zeit zu bringen. Das ist typisch."

Das nächste Pflichtspiel bestreitet Deutschland im Juni, wenn die Qualifikations-Playoffs für die WM 2011 in Schweden anstehen.

Das Spiel zum Nachlesen im Ticker

Der SPOX-Spielfilm

Vor dem Anpfiff: Kapitän Michael Kraus beginnt diesmal nicht auf halblinks, sondern wieder als Spielmacher an der Seite von Lars Kaufmann und Michael Müller, der den verletzten Holger Glandorf ersetzt. Christian Sprenger erhält auf Rechtsaußen den Vorzug vor Christian Schöne. Im Tor steht zum Start wie immer im Turnier Johannes Bitter.

5.: Jansen verwirft einen Siebenmeter. Immer noch kein deutscher Treffer.

8.: Und da ist er endlich drin, Kaufmann trifft für Deutschland - nach acht Minuten. Theuerkauf legt nach.

15.: Filip hat auf rechts außen zu viel Platz. Der Tscheche überwindet Bitter mit einem tollen Heber. Im Gegenzug trifft Kaufmann zum dritten Mal.

24.: Christophersen spielt schön links raus, Gensheimer zieht nach innen und trifft ins kurze Eck. Klasse Kombination.

29.: Sklenak mit einer guten Körpertäuschung und dem dreizehnten Tor für Tschechien. Im Gegenzug trifft Haaß aus der Zentrale nach einer Einzelaktion. 16:13 Deutschland.

37.: Stürmerfoul gegen Vrany, Kaufmann mit der erneuten Fackel - Drei-Tore-Führung.

47.: Die deutsche Torflaute hält nun wieder fünf Minuten an, so wie zu Beginn der Partie. Stehlik zieht nach innen und legt den Ball um die Abwehr herum - Ausgleich.

55.: Jicha gleicht mit seinem vierten Tor aus. Das wird nun ganz eng werden hier in Innsbruck.

59.: Unnötiger Ballverlust der Deutschen. Jicha nimmt erneut aus der Zentrale Maß und trifft zur tschechischen Führung. Deutschland mit der Auszeit.

59.: Kluger Angriff Deutschlands. Theuerkauf macht das Ding vom Kreis aus.

Benotet werden alle Spieler mit fünf oder mehr Minuten Einsatzzeit
Benotet werden alle Spieler mit fünf oder mehr Minuten Einsatzzeit

Der Star des Spiels: Uwe Gensheimer. Wenn es einen Spieler gibt, der in seiner begrenzten Einsatzzeit Lust auf mehr gemacht hat, dann war es der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen. Gensheimer bewies auch gegen Tschechien, dass er auf der Linksaußen-Position der Mann der Zukunft ist. In nicht einmal 30 Minuten warf der 23-Jährige sechs Tore und überzeugte mit einer Top-Quote (86 Prozent). Unglaublich variantenreich von Außen und treffsicher vom Siebenmeterpunkt ist Gensheimer schon - wenn er sich noch in der Abwehr steigert, hat er das Zeug zum internationalen Top-Star.

Die Gurke des Spiels: Michael Kraus. Niemand musste in Innsbruck mehr Kritik einstecken als der deutsche Kapitän. Einiges war dabei berechtigt, vieles aber auch nicht. Kraus zum Sündenbock zu machen, wäre das Falscheste, das man tun könnte. Fakt ist aber, dass Kraus auch aufgrund mangelnder Fitness damit überfordert war, gleichzeitig Kapitän, Spielmacher und Torschütze sein zu müssen. Bis auf das Spiel gegen Schweden war es für Kraus ein Turnier zum Vergessen. Auch gegen Tschechien gelang ihm überhaupt nichts. Fünf Wurfversuche, kein Treffer - mehr muss man nicht sagen.

Die Lehren des Spiels: Ein Spiel, das symptomatisch war für den gesamten Turnierverlauf. Deutschland begann gewohnt schwach, brauchte über sieben Minuten bis zum ersten Treffer, kämpfte sich aber dann ins Spiel und hatte den Gegner sogar lange relativ gut im Griff.

Auch weil Brands Schachzug, gegen Tschechien auf eine 5-1-Abwehr umzustellen und Superstar Filip Jicha durch den vorgezogenen Christoph Theuerkauf in Manndeckung nehmen zu lassen, über weite Strecken perfekt aufging. Umso unerklärlicher, dass man in der Schlussphase dann doch wieder große Abwehrschwächen offenbarte und leichte Treffer durch Jicha zuließ.

Bezeichnend für die Unreife des Teams: Einmal hatte man aus Versehen einen Mann zu wenig auf dem Feld. Noch schlimmer war dann die taktische Undiszipliniertheit, die das Team kurz vor Schluss die Chance zum Sieg kostete. Heiner Brand hatte mehrfach darauf hingewiesen, wie man durch den siebten Feldspieler (Michael Kraus) auf der rechten Seite eine Überzahl schaffen sollte, aber was machte Michael Müller? Er spielte den Ball nach links...

Die deutsche Hauptrunden-Gruppe II im Überblick


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