Handball

Schwenker-Verfahren zieht sich bis 2010 hin

SID
Dienstag, 08.12.2009 | 14:51 Uhr
Uwe Schwenker war bis Anfang April 2009 Geschäftsführer der THW Kiel
© Getty
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Gegen den Ex-Manager des THW Kiel, Uwe Schwenker, wird bis 2010 weiter ermittelt. Dies bestätigte der Oberstaatsanwalt, der die Aussagen Schwenkers "so nicht hinnehmen will".

Private Schlammschlacht oder doch eiskalter Betrug: Die vermeintliche Manipulationsaffäre um den deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel wird immer undurchsichtiger.

Die Staatsanwaltschaft Kiel wird die am Montag zum Teil öffentlich gewordenen Aussagen des ehemaligen THW-Managers Uwe Schwenker genauestens überprüfen und auch 2010 noch mit dem Fall beschäftigt sein.

"Die Aussagen bedürfen der Überprüfung. Wir werden das so nicht hinnehmen", sagte Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer dem "SID". Mit einem Ende des Ermittlungsverfahrens noch in diesem Jahr sei deshalb "überhaupt nicht zu rechnen". Gegen Schwenker wird wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ermittelt.

Verbleib des Geldes ist unklar

Unklar ist der Verbleib von 152.000 Euro aus der THW-Kasse. Schwenker hatte bei seiner Aussage im November nach Informationen der Kieler Nachrichten erklärt, das Geld sei zu Teilen an den kroatischen Spielervermittler Nenad Volarevic (92.000 Euro) sowie an den damaligen Kieler Trainer Noka Serdarusic (60.000) geflossen.

Für die Staatsanwaltschaft bleibt die Frage, ob diese Angaben stimmen bzw. was dann wirklich mit dem Geld geschehen ist. Laut Kieler Nachrichten erfolgten die Zahlungen an Volarevic zeitnah zum unter Manipulationsverdacht stehenden Champions-League-Finale der siegreichen Kieler vor zwei Jahren gegen die SG Flensburg-Handewitt.

Serdarusic erhielt einen Teil des Geldes wenige Tage nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2008 gegen Ciudad Real.

Schwenker: Angelegenheit hat privaten Hintergrund

Für Schwenker hat dagegen die ganze Angelegenheit einen privaten Hintergrund. Nach einem Bericht der "Kieler Nachrichten" sieht der 50-Jährige "die Trennung von meiner Frau im Dezember 2007 und die Aufnahme einer neuen Beziehung im Januar 2008 zu meiner jetzigen Lebensgefährtin" als Auslöser.

In diesem Zusammenhang seien auch die insgesamt 60.000 Euro an Serdarusic geflossen. Schon nach der Trennung des Erfolgstrainers von Kiel im Sommer 2008 hatte es Spekulationen gegeben, private Spannungen zwischen Schwenker und Serdarusic könnten der eigentliche Grund gewesen sein.

Schwenker berichtete nun, Mirjana Serdarusic habe seine neue Lebenspartnerin bei jeder Gelegenheit denunziert.

Schwenker habe Serdarusic Hilfe zugesagt

So habe sich auch die Stimmung in der Mannschaft verschlechtert, Spieler hätten um Auflösung ihrer Verträge gebeten. Auf Initiative des damaligen Kapitäns Stefan Lövgren sei es im März 2008 zu einem Gespräch gekommen, in dem Schwenker einen vorübergehenden Rückzug angeboten haben will.

Serdarusic habe damals von einem finanziellen Engpass berichtet. "Er benötigte Bargeld. Ich habe ihm Hilfe zugesagt. Das schien mir vor dem Hintergrund der Gesamtsituation unerlässlich", sagte Schwenker und verweist auf einen hohen Lebensstandard, den die Familie Serdarusic gepflegt habe.

Am 4. April (20.000 Euro) und 15. Mai 2008 (40.000) sei Geld an Serdarusic gezahlt worden. Am 11. Mai 2008 verlor der THW sein Final-Rückspiel gegen Ciudad Real. Vor der Auszahlung der zweiten Summe habe THW-Gesellschafter "Dr. Grote seine Zustimmung erteilt", so Schwenker: "Eine Zahlung im Zusammenhang mit einer Spielmanipulation nach einem verlorenen Finalrückspiel war und ist für mich völlig abwegig."

Serdarusic soll Aussage verweigert haben

Serdarusic hat nach Verrechnung mit noch ausstehenden Prämien inzwischen angeblich etwa 30.000 Euro auf ein Konto des THW überwiesen. Eine Aussage bei der Staatswanwaltschaft soll er verweigert haben.

Zur Zusammenarbeit mit dem Kroaten Volarevic sagte Schwenker: "Es gab ein sehr engmaschiges Netz aus ehemaligen Spielern, Handball-Insidern und auch Spielerberatern." Die Zahlungen an Volarevic seien laut Schwenker in zwei Raten erfolgt.

Die erste Rate in Höhe von 56.000 Euro wurde am 25. April 2007 verschickt, die zweite über 36.000 am 27. Juni 2007. Das Champions-League-Finale fand am 30. April 2007 statt.

Schwenker erklärte, den Kontakt zu Volarevic, einem erstklassigen Kenner der Handball-Szene auf dem Balkan, habe in erster Linie Noka Serdarusic gepflegt.

Kiel muss auf Spielmacher verzichten

 

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