Donnerstag, 12.11.2009

Kolumne von Oliver Roggisch

"Endlich wieder Stromberg!"

In seiner Kolumne für SPOX erklärt Oliver Roggisch, warum die Löwen ihre Gegner nicht kaputtmachen können. Außerdem spricht der 31-Jährige über seine Zukunft - und seine Fernsehgewohnheiten.

So kennt man ihn: Oliver Roggisch in einem knallharten Zweikampf in der Abwehr
© Getty
So kennt man ihn: Oliver Roggisch in einem knallharten Zweikampf in der Abwehr

Liebe Handball-Fans,

auch mich hat der Tod von Robert Enke hart getroffen und tief berührt. Ich möchte Teresa Enke und der ganzen Familie mein Beileid aussprechen.

Ich bin zwar kein Fußballer, aber unter Sportlern gibt es eine spezielle Verbindung. Wenn dann so etwas Schlimmes passiert, fühlt man ganz besonders mit. Ich weiß selbst, wie es ist, unglaublich unter Druck zu stehen. Es ist einfach unfassbar und ich finde keine Worte, die es richtig beschreiben könnten.

Was ich aber sagen will, ist, dass mich der Auftritt von Teresa Enke bei der Pressekonferenz sehr bewegt und beeindruckt hat. Was für eine starke Frau. Niemand spricht gerne über das Tabuthema Depressionen, ich denke, es war ein Zeichen, dass sich hier in der Zukunft etwas ändern muss.

Trotz alledem hatten wir gegen Gorenje Velenje ein Spiel in der Champions League zu bestreiten. Der 33:30-Sieg war wichtig, auch wenn ich sagen muss, dass es einfach schade ist, dass wir nicht deutlicher gewonnen haben.

Wir haben wieder klar geführt, aber dann kommt bei uns auch immer mal eine Phase, in der wir es schleifen lassen und die Quittung dafür bekommen. Für das Selbstvertrauen wäre es besser, wenn wir einen Gegner auch mal richtig kaputtmachen würden.

In Zukunft cleverer anstellen

Gegen Velenje war es am Ende kein Problem, aber gegen Chambery und in Gummersbach hat es uns wichtige Punkte gekostet. Wir müssen uns in der Schlussphase teilweise cleverer anstellen und auch mal eine Zeitstrafe in Kauf nehmen, wenn es sein muss.

Dennoch geht es bei uns in die richtige Richtung. Wir sind über alle Bewerbe gesehen seit zwölf Spielen ungeschlagen, das muss man auch sagen. Wir wissen, was wir können - ich sehe den nächsten schweren Spielen in Minden und Lemgo positiv entgegen.

Ich weiß natürlich, dass danach mit Flensburg und dem Derby in Göppingen weitere harte Aufgaben warten, aber zu weit nach vorne zu schauen, wäre Quatsch. Alles spricht vom Zweikampf zwischen Kiel und Hamburg, aber so gefestigt sind der THW und der HSV auch nicht, dass wir nicht noch herankommen könnten. Kiel hat zum Beispiel in Magdeburg nur mit viel Glück gewonnen.

Groetzki: Der Mann mit den tausend Wurfvarianten

Für uns ist wichtig, dass wir nicht auf andere Klubs schauen, sondern uns auf uns konzentrieren. Einer, der bei uns aktuell ganz stark auftritt, ist Patrick Groetzki.

Johnny hat ja letztens auch hier ein Interview gegeben, was mir an ihm gefällt, ist sein unglaubliches Wurfrepertoire. Ich kenne keinen jungen Spieler, der so viele Varianten drauf hat.

Wir haben eine starke Mannschaft, aber um mit Kiel und Hamburg dauerhaft mitzuhalten, müssen wir uns immer weiter verstärken. In den letzten Wochen gingen die Spekulationen schon wieder los, welche Neuzugänge zu den Löwen kommen könnten.

Thomas Mogensen, Michael Knudsen, Mikkel Jensen - das sind natürlich klangvolle Namen, aber es sind eben auch nur Spekulationen. In der letzten Saison sollte auch schon mal Ivano Balic zu uns wechseln, das ist alles mit Vorsicht zu genießen.

Mein erster Ansprechpartner sind die Löwen

Was meine Zukunft anbelangt, bin ich mit mehreren Vereinen in Gesprächen. Mein erster Ansprechpartner sind aber ganz klar die Rhein-Neckar Löwen. Man muss jetzt mal abwarten, wie die Gespräche laufen, aber grundsätzlich steht einer Verlängerung des Vertrags nichts im Wege.

Das Ausland habe ich zwar auch noch im Kopf, aber das wird wohl erst gegen Ende meiner Karriere eine Option. Wenn ich mal ein Auslandsabenteuer wagen sollte, dann ist auf jeden Fall Spanien die Nummer eins auf der Liste. Die spanische Liga ist nach der deutschen die zweitstärkste der Welt - und Frankreich ist sowieso nicht so mein Fall.

Was die Nationalmannschaft betrifft, haben wir, wie Ihr sicher mitgekommen habt, vor kurzem den Supercup gewonnen. Bis auf eine absolut katastrophale Halbzeit gegen Schweden war das alles ganz ordentlich, aber wir dürfen es auch nicht überbewerten.

Stromberg darf nicht verpasst werden

Von der Form, in der wir sein müssen, wenn wir bei der EM in Österreich den Titel holen wollen, sind wir noch ganz weit entfernt. Aber bis dahin haben wir auch noch genug Zeit und es werden noch viele Spiele in der Bundesliga gespielt werden.

Und ich werde die meisten davon sehen. Ich muss zugeben, dass sehr viel Handball bei mir in der Glotze läuft. Ich verpasse kein Spiel. Ich betrachte es nach wie vor als mein Hobby, das ich zu meinem Beruf gemacht habe, und es macht mir immer noch sehr viel Spaß.

Aber keine Angst, ab und zu läuft dann auch kein Handball: Wenn Stromberg kommt! Ich bin ein großer Fan und kann nur sagen: Endlich läuft die neue Staffel.

Bis zum nächsten Mal

Euer Oliver Roggisch

Oliver Roggisch, 31, spielt seit 2007 bei den Rhein-Neckar Löwen. Der 1,99 m große Kreisläufer und Abwehrspezialist startete seine Karriere beim TuS Schutterwald, bevor es ihn zu Frisch Auf Göppingen zog. Weitere Stationen waren TuSEM Essen und der SC Magdeburg. Mit der Nationalmannschaft wurde er 2007 Weltmeister. Mehr Infos zum SPOX-Kolumnisten gibt's unter http://www.oliver-roggisch.de/.

Champions League: Löwen schlagen Velenje


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