Neue Fakten im Manipulationsskandal

HSV-Präsident belastet Schwenker schwer

SID
Montag, 30.03.2009 | 16:34 Uhr
Andreas Rudolph ist seit 2005 Präsident beim HSV Handball
© Getty
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Neue Fakten im Manipulationsskandal: HSV-Präsident Andreas Rudolph hat Kiels Manager Uwe Schwenker schwer belastet. Laut Rudolph soll Schwenker Schiebungen zugegeben haben.

Das Schweigen ist gebrochen, im Handball-Manipulationsskandal wird die Luft für Manager Uwe Schwenker vom deutschen Rekordmeister THW Kiel immer dünner.

Der Präsident des Bundesligisten HSV Handball, Andreas Rudolph, hat Schwenker schwer belastet. "Im Juli 2007 habe ich mit Schwenker in meinem Haus auf Mallorca zusammengesessen. Dort hat mir Schwenker gesagt: Andreas, ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass man die Champions League nur mit Schiedsrichter-Bestechung gewinnt", sagte Rudolph in Hamburg.

Schwenker habe diese Aussage "nach dem Genuss von reichlich Alkohol" getätigt.

Den Vorfall habe er auch der Kieler Staatsanwaltschaft, die gegen Schwenker wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, in einer schriftlichen Aussage mitgeteilt.

Schwenker lässt Ämter ruhen

Der HSV-Boss forderte gleichzeitig den THW-Manager und den Präsidenten der Handball-Bundesliga (HBL), Reiner Witte, zum Rücktritt von allen Ämtern auf.

Bereits vor Rudolphs brisanten Aussagen hatte der beschuldigte Schwenker erste Konsequenzen gezogen. Bis zur Klärung der Vorwürfe wird er seine Ämter als HBL-Vizepräsident, als Vizepräsident der Interessenvertretung Group Club Handball und als Vorsitzender der EHF Marketing Men's Club Board nicht mehr wahrnehmen.

"Bis zur Klärung der Vorwürfe werde ich diese Posten ruhen lassen", gab Schwenker am Montag bekannt. Dies habe er auch den verantwortlichen Personen mitgeteilt. Witte wollte sich unterdessen zunächst nicht äußern und verwies auf eine Präsidiumssitzung am Dienstag in Hamburg. "Dort werden wir die Thematik erörtern und danach eine Erklärung abgeben", sagte Witte.

Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Spiegel soll Kiel bei mindestens zehn Champions-League-Spielen Schiedsrichter bestochen und sich auch den Finalsieg in der Königsklasse 2007 über die SG Flensburg-Handewitt mit 96.000 Euro erkauft haben.

THW und HBL in Zugzwang

"Der THW muss in dieser Angelegenheit in die Offensive gehen und alles lückenlos aufklären", forderte Rudolph. Witte sei als Schwenker-Freund in dieser Angelegenheit zudem befangen.

"Der HSV Handball weist außerdem darauf hin, dass sich die HBL mit dieser Affäre unseres Erachtens noch nicht ausreichend befasst hat. Hier sehen wir weiteren Aufklärungs- und Handlungsbedarf", heißt es in einer HSV-Pressemitteilung.

Unregelmäßigkeiten in THW-Büchern

Im Fall Kiel wird neben den beiden Untreue-Verfahren gegen Manager Uwe Schwenker und Ex-Trainer Noka Serdarusic laut "Focus" wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue gegen zwei weitere Beschuldigte ermittelt.

Dabei soll es sich um den kroatischen Geschäftsmann Nenad Volarevic und einen THW-Buchhalter handeln. Bei der Überprüfung der Bücher des Rekordmeisters sind die Fahnder wohl auf dubiose Überweisungen und Barabhebungen in Höhe von mehr als 100.000 Euro gestoßen.

Rechtshilfe aus Kroatien

"Die Frage ist nicht mehr, ob Geld geflossen ist, sondern wohin", sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick im "Focus". Die Ermittler hegen den Verdacht, dass das Geld für Schiedsrichter-Bestechungen verwendet wurde.

Entsprechende Vorwürfe hatte zuvor auch Jesper Nielsen, der Gesellschafter und Hauptsponsor der Rhein-Neckar Löwen, in einer richterlichen Vernehmung am Donnerstag erhoben. Die Kieler Staatsanwaltschaft will die Ermittlungen auf den Balkan ausweiten und hat Kroatien um Rechtshilfe gebeten.

Derzeit keine Anklage gegen Schwenker geplant

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