Handball

EHF sieht keinerlei Anzeichen einer Manipulation

SID
Das Duell zwischen Kiel und Flensburg wurde genau untersucht
© Getty

Rekordmeister THW Kiel hat einen kleinen Punktsieg im Kampf gegen den Manipulationsverdacht gelandet, im Dschungel aus Vorwürfen und Verdächtigungen ist der Handball aber vor neuen Enthüllungen weiter nicht sicher.

Einen Tag nach einer Krisensitzung beim Deutschen Handball-Bund (DHB), die mit der Suspendierung der am Moskauer Flughafen mit 50.000 Dollar erwischten Top-Schiedsrichter Frank Lemme/Bernd Ullrich endete, wurde der Fall eines dänischen Gespanns öffentlich.

Martin Gjeding und Mads Hansen sollen im Juni 2008 vor einem WM-Qualifikationsspiel in Rumänien je 30.000 Euro geboten worden sein, um den Gastgebern zum Sieg gegen Montenegro zu verhelfen. Wie die Jyllands Posten berichtet, hätten beide den Vorfall an den europäischen und dänischen Verband gemeldet - es sei aber nichts geschehen.

Rekordmeister THW, gegen dessen Geschäfstführer Uwe Schenker die Staatsanwaltschaft weiter wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, nahm unterdessen mit Genugtuung eine erste Untersuchung des Europäischen Verbandes EHF zum Final-Rückspiel der Champions League 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt zur Kenntnis, das die Kieler laut Nachrichtenmagazin Spiegel mit 96.000 Euro gekauft haben sollen.

Befragung aller Bundesliga-Schiedsrichter

"Die Analyse liefert eine abgestimmte Ausführung des Spiels mit einer klaren Linie in den Entscheidungen. Diese wurde beständig während des gesamten Spiels gehalten", heißt es in einer Mitteilung der EHF. Ab der 46. Minute seien sogar leichte Vorteile für die Gäste aus Flensburg zu erkennen gewesen.

"Dieses Ergebnis der EHF ist alles andere als überraschend für uns. Es bestätigt nur, was wir gesagt haben", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme des THW. Die EHF mit Sitz in Wien hatte den früheren Schiedsrichter und Regelexperten des Weltverbandes IHF, Roland Bürgi, mit einer Videoanalyse beauftragt.

Zudem gebe es bei sämtlichen Europacup-Spielen des THW seit 2000 zunächst keine Anzeichen für Manipulation, da ein sehr ausgeglichenes Bild bei den Schiedsrichter-Nominierungen vorliege. 53 Gespanne aus 27 Ländern hätten die insgesamt 83 Kieler Spiele geleitet.

Im Kampf gegen die Krise wollen DHB und HBL die am Montag beschlossene Befragung aller Bundesliga-Schiedsrichter der vergangenen drei Jahre innerhalb der nächsten 14 Tage durchführen. Zudem kündigte HBL-Präsident Witte an: "Wenn wir dabei nicht weiterkommen, wird auf alle Fälle ein Ombudsmann eingesetzt."

GCH macht Vorschläge

Der solle mit dem Handball gar nichts zu tun haben und den Schiedsrichtern als Anlaufstelle dienen, falls sie mit Bestechungsversuchen in Verbindung kommen oder bereits gekommen sind. Zunächst werde man aber auf externe Hilfe verzichten.

Stattdessen werde zumindest den A-Lizenz-Schiedsrichtern in Schulungen der richtige Umgang bei Manipulationsversuchen aufgezeigt. "Ich kann nicht sagen, ob wir das Patentrezept gefunden haben. Wir haben die Maßnahmen ergriffen, die schlüssig waren", so Witte.

Konkrete Vorschläge zur Korruptionsvorbeugung machte auch die Group Club Handball, der Zusammenschluss von 16 europäischen Topklubs, darunter der THW Kiel. Demnach solle die Schiri-Betreuung komplett aus dem EHF-System gelöst und in einem eigenen Büro organisiert werden. Der Kontakt zu den Vereinen müsse untersagt werden.

Der Weltverband IHF forderte Erklärungen von Lemme und Ullrich an. "Die beschuldigten Schiedsrichter, die zum IHF-Kader gehören, werden aufgefordert, eine Stellungnahme zu den Geschehnissen
abzugeben", schreibt der Verband auf seiner Internetseite.

Man sei zutiefst besorgt über die Medienberichte über mögliche Schiedsrichterbestechungen und verschobene Spiele im Europapokal. Die IHF behalte sich vor, gegebenenfalls selbst zu reagieren.

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