THW Kiel feiert Last-Second-Sieg

SID
Samstag, 14.03.2009 | 21:18 Uhr
Nikola Karabatic erzielte zwölf Treffer für die Kieler
© Getty
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Im Schatten neuer Manipulationsvorwürfe hat der THW Kiel seine Erfolgsserie fortgesetzt. Dank eines von Filip Jicha in der letzten Spielsekunde verwandelten Siebenmeters setzte sich der deutsche Rekordmeister beim Verfolger HSV Hamburg mit 34:33 (15:15) durch und brachte den Gastgebern damit die erste Heimniederlage der laufenden Saison bei.

Die Krise ist beispiellos, die Funktionäre sind hilflos und die Fans verständnislos - der deutsche Handball hat ein massives Korruptionsproblem.

"Das ist nicht mehr von der Hand zu weisen", sagte Geschäftsführer Frank Bohmann vom Handball-Ligaverband HBL, während Präsident Reiner Witte mahnte: "Es ist fünf Minuten vor zwölf."

Brand sieht Handball in der schwersten Krise

Nach den Manipulationsvorwürfen gegen Rekordmeister THW Kiel erschütterte am Wochenende der Bestechungsverdacht gegen das deutsche Top-Schiedsrichterpaar Bernd Ullrich/Frank Lemme (Magdeburg) die noch vor Wochen so vermeintlich heile Handball-Welt.

Bis zur Klärung des Vorfalls stellte die Europäische Handball-Federation (EHF) das Duo von seinen Aufgaben frei - auch wenn nach EHF-Angaben die Unschuldsvermutung gelte. Man werde die Vorfälle untersuchen, teilte der Verband am Sonntag mit.

Gut zwei Jahre nach dem Gewinn des WM-Titels im eigenen Land sieht Bundestrainer Heiner Brand seinen Sport in seiner vielleicht schwersten Krise.

Last-Minute-Sieg für Kiel

"Allein die Gerüchte tun enorm weh. Was im Falle einer Bestätigung käme, wäre vermutlich katastrophal für unsere Sportart", sagte Brand, der in beiden Fällen eine "lückenlose Aufklärung" fordert, der "Welt am Sonntag".

Statt zusammen mit 13.170 begeisterten Zuschauern das hochklassige Bundesliga-Topspiel zwischen dem HSV Hamburg und dem THW Kiel, das die Gäste in letzter Sekunde mit 34:33 (15:15) gewannen, in einer Loge der ausverkauften Arena zu genießen, konnte HBL-Präsident Witte kaum sein Handy aus der Hand legen.

Zwei Wochen nach den Bestechungsvorwürfen gegen die Kieler gilt es nun, massive Beschuldigungen gegen Lemme/Ullrich zu untersuchen.

Krisengipfel am Montag

Am Montag wollen sich die HBL-Bosse mit DHB-Präsident Ulrich Strombach zu einem Krisengipfel treffen. "Es geht dabei primär um das Schiedsrichter-Thema. Wir werden aber nicht das ganze System in Frage stellen. Höhere Aufwandsentschädigungen oder der Profi-Schiri sind sicher nicht das Allheilmittel. Wir werden alles behutsam erörtern und mit dem europäischen Verband EHF zusammenarbeiten", kündigte Witte am Sonntag an.

Der "Spiegel" berichtet in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, russische Zollbeamte hätten am 29. April 2006 am Moskauer Flughafen Scheremetjewo 50.000 US-Dollar Bargeld im Gepäck von Ullrich gefunden.

Die beiden Magdeburger hatten seinerzeit in der russischen Hauptstadt das Finalrückspiel um den Europapokal der Pokalsieger zwischen Medwedi Moskau und BM Valladolid geleitet.

"Wir sind reingelegt worden"

Die Spanier gewannen die erste Partie vor eigenem Publikum mit sieben Toren Vorsprung, verloren jedoch in Russland mit acht Toren Differenz.

"Wir haben kein Spiel verschoben, wir sind reingelegt worden. Wir sind doch nicht so doof, dass wir mit 50.000 Dollar Bargeld in den Zoll reinlaufen. Unser Fehler war, dass wir es nicht sofort dem europäischen Verband gemeldet haben", sagte Ullrich der "Hamburger Morgenpost".

Ein Lapsus, der Fynn Holpert, Manager von Vizemeister SG Flensburg-Handewitt, auf die Palme brachte: "Sie haben unserem Sport einen Bärendienst erwiesen, dafür bekommen sie nun die Quittung."

Angebote für Schiedsrichter

Ullrich erklärte gegenüber der "Morgenpost" zudem, dass ihm und seinem Partner Lemme immer wieder Angebote unterbreitet worden sind.

"Es gab immer mal wieder in unserer Karriere zweideutige Angebote. So nach dem Motto: "Wenn ihr heute für uns pfeift, soll das nicht zu eurem Nachteil sein. Ob das zehn oder zwanzig Mal war, kann ich nicht mehr genau sagen."

Beim Bundesliga-Schlager in Hamburg wurden Lemme und Ullrich kurzfristig durch Lars Geipel und Marcus Helbig (Steuden/Landsberg) ersetzt.

Brand fordert Reformationen

Die beiden waren wegen der außergewöhnlichen Begleitumstände derart verunsichert, dass sie sich vor der Partie nicht einmal trauten, im VIP-Raum einen Kaffee zu trinken.

Nach dem Spiel nahmen zwei breitschultrige Sicherheitskräfte vor der Schiedsrichter-Kabine Aufstellung. Brand hat im Zuge dessen eine Reformation der Handball-Regeln gefordert.

"Es ist eine der wenigen Schwächen unserer Sportart, dass die Interpretation der Regelauslegung einen zu großen Spielraum lässt", sagte er der "Welt am Sonntag" und schlug vor: "Es wäre sinnvoll, die Regeln anders zu formulieren, damit der Spielraum der Schiedsrichter nicht so groß ist und sie weniger Einflussnahme auf ein Spiel ausüben können."

Sind Profi-Referees die Lösung?

Der 56-Jährige sprach sich zudem für die Einführung eines Profi-Referees aus. Liga-Boss Witte allerdings schien den Ernst der Lage noch nicht begriffen zu haben.

"Im Moment ist das alles ein bisschen zu viel für unseren Sport, aber auch andere Sportarten haben solche Krisen schon überstanden", sagte der Funktionär, der von den ins Zwielicht geratenen Referees bis Sonntag einen ausführlichen Bericht erwartete.

Auch dem europäischen Verband werden Lemme und Ullrich mit fast drei Jahren Verspätung erklären müssen, wie der große Unbekannte die Geldscheine unbemerkt in Ullrichs Sporttasche verstecken konnte.

23. Sieg für THW

Der seit zwei Wochen unter Korruptionsverdacht stehende THW Kiel, der inzwischen Strafantrag wegen Verleumdung gegen Personen und Presseorgane gestellt hat, präsentierte sich auf dem sportlichen Parkett als schier unantastbar.

Durch den hauchdünnen Erfolg beim HSV, den der Tscheche Filip Jicha in der Schlusssekunde per Siebenmeter sicherte, bauten die Gäste mit dem 23. Sieg in Folge den Vorsprung auf die zweitplatzierten Hamburger auf zwölf Punkte aus.

"Wir hatten zum Schluss etwas Glück, aber haben einen großen Kampf geliefert", lobte THW-Trainer Alfred Gislason.

Comeback von Velyky

Beim HSV trug Oleg Velyky erstmals das Trikot der Gastgeber. 14 Monate lang hatte er wegen einer Knieverletzung und einer Hautkrebserkrankung gefehlt.

Im Kampf um die Vize-Meisterschaft rückten hinter dem HSV (35: 11 Punkte) der TBV Lemgo (35:13) und der SC Magdeburg (33:15) durch die 30:33-Niederlage der Ostwestfalen beim einstigen Champions-League-Gewinner in der Tabelle enger zusammen.

Ebenfalls Auswärtsniederlagen kassierten der VfL Gummersbach mit 31:34 bei MT Melsungen sowie die SG Flensburg-Handewitt mit 30:39 bei den Rhein-Neckar Löwen. Die HSG Wetzlar bezwang zudem HBW Balingen-Weilstetten 30:24 (15:11)

Der 24. Spieltag im Überblick

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