Heiner Brand für Profi-Schiedsrichter

SID
Sonntag, 15.03.2009 | 12:17 Uhr
Bundestrainer Heiner Brand spricht sich für Profi-Schiedsrichter aus
© Getty
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Bundestrainer Heiner Brand fordert in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" eine Umformulierung der Handballregeln, um den Spielraum der Schiedsrichter einzuschränken.

Bundestrainer Heiner Brand hat als Reaktion auf die Manipulationsvorwürfe gegen Rekordmeister THW Kiel und das Schiedsrichtergespann Bernd Ullrich/Frank Lemme (Magdeburg) eine Reformation der Handball-Regeln gefordert.

"Es ist eine der wenigen Schwächen unserer Sportart, dass die Interpretation der Regelauslegung einen zu großen Spielraum lässt", sagte Brand der "Welt am Sonntag" und schlug vor: "Es wäre sinnvoll, die Regeln anders zu formulieren, damit der Spielraum der Schiedsrichter nicht so groß ist und sie weniger Einflussnahme auf ein Spiel ausüben können."

Möglichkeit zur Manipulation groß

Auch der frühere Nationaltorhüter Stefan Hecker sieht ein großes Gefahrenpotenzial in dem rasanten Ballsport. "Im Handball ist die Möglichkeit zur Manipulation größer als in anderen Sportarten", sagte Hecker im "Focus".

Ein ehemaliger Schweizer Top-Schiri, der nicht genannt werden will, verriet dem Nachrichtenmagazin: "Kollegen von mir sind mehrere Tausend Euro angeboten worden."

Dass es im Handball ein "Korruptionsproblem" gibt, hat nach den Vorfällen der letzten Wochen mittlerweile auch Frank Bohmann eingesehen. "Das ist nicht mehr von der Hand zu weisen", gestand der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) und versprach eine "lückenlose Aufklärung". Bis Sonntag sollten Ullrich/Lemme ihre Sicht der Dinge in schriftlicher Form bei der HBL vorlegen.

Brand sieht Handball in schwerer Krise

Für Weltmeister-Coach Brand wäre die Einführung von Profi-Referees ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu neuer Glaubwürdigkeit. "Das ist ein guter Vorschlag. Vor allem, weil Schiedsrichter dann professioneller arbeiten könnten", meinte der Gummersbacher.

Die bislang eher magere Vergütung der Unparteiischen ist für Brand keine Entschuldigung dafür, besonders empfänglich für Bestechungsangebote zu sein.

"Das ist keine Frage der Entlohnung, sonders des Charakters. Man sieht es doch in der Wirtschaft: Da verdienen Leute mehrere Millionen und machen trotzdem Dummheiten - für ein paar Euro mehr", erklärte der 56-Jährige. Pro Bundesliga-Einsatz kassieren Schiedsrichter je 500 Euro, pro Europacup-Spielleitung je 400 Euro.

Gut zwei Jahre nach dem Gewinn des WM-Titels im eigenen Land sieht Brand den Handball in seiner vielleicht schwersten Krise. "Allein die Gerüchte tun enorm weh. Was im Falle einer Bestätigung käme, wäre vermutlich katastrophal für unsere Sportart", sagte der frühere Weltklassespieler, der nicht an mögliche Spielmanipulationen der Kieler glauben kann.

Brand: "Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass das immer noch außerhalb meines Vorstellungsvermögens liegt. Es mögen von den betreffenden Personen Sprüche gefallen sein, aber Belege gibt es bisher nicht."

Lückenlose Aufklärung gefordert

Auch die jüngsten Vorwürfe gegen Ullrich/Lemme kann sich der Bundestrainer nicht erklären. Das sei ebenso "völlig unfassbar", müsse aber auch "lückenlos" aufgeklärt werden, forderte Brand.

Gerd Butzeck, Chef der Gruppe europäischer Top-Klubs (Group Club Handball/GCH), schlägt im Focus vor: "Wir brauchen vom Verband bestellte Koordinatoren, die sich um die Schiris kümmern." Butzeck kritisierte insbesondere, dass die Referees an Spieltagen von den Vereinen betreut werden.

Der "Spiegel" berichtet in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, russische Zollbeamte hätten am 29. April 2006 am Moskauer Flughafen Scheremetjewo 50.000 US-Dollar Bargeld im Gepäck von Schiri Ullrich ("Wir sind gelinkt worden") gefunden.

Ullrich und Lemme hatten seinerzeit in der russischen Hauptstadt das Finalrückspiel um den Europapokal der Pokalsieger zwischen Medwedi Moskau und BM Valladolid geleitet.

Die Spanier gewannen die erste Partie vor eigenem Publikum mit sieben Toren Vorsprung, verloren jedoch in Russland mit acht Toren Differenz. Das deutsche Duo hatten den Vorfall damals weder dem Deutschen Handball-Bund (DHB) noch der Europäischen Handball-Federation (EHF) gemeldet.

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