Das Wunder von Flensburg

SID
Sonntag, 18.05.2008 | 13:40 Uhr
GWD Minden
© Imago
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Leipzig - Schaulaufen in Kiel, Paukenschlag in Flensburg und tränenreiche Abschiede: Mit großen Emotionen und Werbung für den Handball hat sich die Bundesliga aus den Arenen verabschiedet und der Vorbereitung auf den Saison-Höhepunkt Olympische Spiele Platz gemacht.

Während Double-Gewinner THW Kiel die rauschende Dauer-Party für den 14. deutschen Meister-Titel mit der 35:26-Heimgala gegen die HSG Wetzlar einleitete, sorgte 90 Kilometer nördlich GWD Minden für ein Wunder.

Die Ostwestfalen gewannen bei der SG Flensburg-Handewitt mit 29:28 und schafften ausgerechnet mit ihrem ersten Auswärtssieg der Saison die Rettung vor dem Abstieg.

Essen spielt in der Relegation

"Wir haben so viele Nackenschläge gehabt in dieser Saison und sind am letzten Spieltag dafür belohnt worden", sagte Mindens Manager Horst Bredemeier bewegt.

Den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit musste so neben dem Wilhelmshavener HV auch TuS N-Lübbecke antreten, dem ein 30:26-Sieg gegen die Füchse Berlin nicht reichte.

TuSEM Essen spielt nach einem 35:35 gegen MT Melsungen 28. und 30. Mai in der Relegation gegen die HSG Düsseldorf um den Klassenverbleib.

"Das, was am letzten Tag passiert ist, besonders in Flensburg, ist eine Frechheit", schimpfte Nettelstedts Trainer Zlatko Feric aufgebracht. Und Armin Gauselmann, Sprecher des Wirtschaftsbeirates, ergänzte vielsagend: "Unter normalen Umständen hätte Minden in Flensburg nicht gewinnen können."

Bundesliga mit Zuschauerrekord

Doch gerade dies mache den Reiz der Liga aus, meinte Frank Bohmann. "Wir werden zwar nie 18 Spitzenmannschaften haben, aber jede kann jede schlagen", sagte der Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL.

Zwar blieben Superlative wie im Vorjahr mit dem Gewinn des WM-Titels und der drei wichtigsten Europapokale aus. Dennoch verzeichnete die in die Normalität zurückgekehrte Bundesliga mit 1.488.192 Besuchern (1.424.371 im Vorjahr) einen Zuschauerrekord.

Mit dem 14. Titel sowie dem fünften Double aus Meisterschaft und DHB-Pokal hat der THW Kiel für weitere Bestmarken gesorgt.

"Nach der WM-Saison konnten wir unseren positiven Trend fortsetzen", erklärte Bohmann, "auch sportlich stehen wir gut da. Denn wenn wir in drei Europacup-Finals vertreten sind und den vierten Platz bei der EM belegt haben, ist das auch nicht schlecht."

Die HSG Nordhorn holte mit dem EHF-Cup den einzigen internationalen Titel für die Bundesliga. Kiel hatte im Champions League-Endspiel gegen Ciudad Real verloren, die Rhein-Neckar Löwen im Pokalsieger-Wettbewerb gegen MKB Veszprem (Ungarn).

Löwen hoffen auf Wild-Card

Wie in der abgelaufenen Spielzeit haben sich Abo-Meister Kiel, Flensburg-Handewitt (2.) und HSV Hamburg (3.) für die Champions League qualifiziert und die Dominanz des Nordens untermauert.

Die Löwen (4.), der VfL Gummersbach (6.) und der TBV Lemgo (7.) spielen im EHF-Pokal. Die auf Rang fünf eingekommenen Nordhorner wollen sich im Pokalsieger-Wettbewerb messen. Allerdings können die Rhein-Neckar Löwen noch auf eine Wildcard für die Champions League hoffen. "Wenn es eine gibt, ist die Chance der Löwen sehr groß", sagte Bohmann.

In diesem Falle würde der von heftigen finanziellen Turbulenzen erschütterte SC Magdeburg als Achter noch in den EHF-Cup aufrücken.

"Magdeburg ist für mich die Überraschungsmannschaft der Saison", meinte Bohmann. Die Magdeburger, die am letzten Spieltag mit 35:33 beim VfL Gummersbach gewannen, hatten zweimal eine drohende Insolvenz abgewendet und dabei nach eigenen Angaben drei Millionen Euro bewegt.

Bye Bye Shin Yoon

In Kyung-Shin Yoon verlässt einer der Stars die Bundesliga und kehrt in seine Heimat zurück.

Der Südkoreaner verabschiedete sich nach zwölf Jahren in Gummersbach und Hamburg mit acht Treffern für den HSV beim 29:24-Sieg gegen Frisch auf Göppingen.

Damit schraubte er seine Bundesliga-Rekordmarke auf 2908 Treffer. Siebenmal war Yoon Torschützenkönig der Bundesliga, zum Ende seiner Bundesliga-Zeit reichte es mit 188 Treffern zum 10. Platz. Sein Nachfolger wurde der Österreicher Konrad Wilczynski (Füchse Berlin) mit 237 Toren.

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