"Der Titel wäre Wahnsinn"

Von Interview: Thomas Ziemann
Samstag, 10.05.2008 | 15:42 Uhr
Lövgren, THW, Kiel
© Getty
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München - Vorfreude soll ja bekanntlich die schönste Freude sein. Aber so langsam wird es Zeit für das Spiel der Spiele.

Am Sonntag um 18 Uhr wird es ernst: Der THW Kiel empfängt Ciudad Real zum Rückspiel des Champions-League-Finales 2008.

Nach dem überraschenden 29:27-Hinspiel-Erfolg in Spanien hat der THW nun die große Chance, die wichtigste Trophäe des internationalen Vereinshandballs zu verteidigen.

Vor dem Rückspiel in Kiel spricht THW-Kapitän Stefan Lövgren über die Schlüssel zum Erfolg, die Bedeutung des Spiels sowie seine persönliche Zukunft.

SPOX: Herr Lövgren, sogar die spanische Presse sieht sie nach dem Hinspiel schon als Champion. Wie entspannt sind Sie vor dem Rückspiel?

Stefan Lövgren: Überhaupt nicht entspannt, das erste Spiel ist abgehakt. Wir haben zwar eine tolle Partie gespielt, aber wenn man die Qualitäten von Ciudad Real kennt, dann weiß man, dass sie in der Lage sind, überall zu gewinnen.

SPOX: Auch in der Festung Sparkassen-Arena? Sie haben in dieser Champions-League-Saison schließlich noch kein Heimspiel verloren.

Lövgren: Auf jeden Fall, einer Mannschaft wie Ciudad Real muss man immer mit dem nötigen Respekt begegnen. Allerdings werden wir uns konzentriert vorbereiten und mit Selbstvertrauen ins Spiel gehen. Wir wissen, was wir können.

SPOX: Allem Anschein nach kann Ciudads Trainer Talant Dujshebaev wieder auf Kreisläufer Rolando Urios zurückgreifen. Vielleicht der X-Faktor für die Spanier?

Lövgren: Ja, natürlich. Urios ist einer der drei besten Kreisläufer der Welt und kann in Topform ein Spiel alleine entscheiden. Für Dujshebaev also eine wichtige Option.

SPOX: Wenn man vom entscheidenden Faktor in Reihen des THW spricht, fällt einem gleich der Name Nikola Karabatic ein.

Lövgren: Nikola spielt derzeit ohne Zweifel hervorragenden Handball und das mit gerade einmal 23 Jahren. Er ist ein ganz wichtiger Bestandteil des Erfolgs. Allerdings können wir das Rückspiel nur als Mannschaft gewinnen. Und wir gehen mit breiter Brust ins Spiel.

SPOX: Fast zehn Jahre haben Sie mit dem THW auf den Gewinn der Champions-League hingearbeitet. Nun haben Sie sogar die Möglichkeit, den Titel zu verteidigen. Lassen sich die Erfolge vergleichen?

Lövgren: Schwer zu sagen. Im vergangenen Jahr war es etwas ganz Besonderes. Wir haben zum ersten Mal die Champions-League-Trophäe nach Kiel geholt, obwohl uns in der entscheidenden Saisonphase nur acht Feldspieler zur Verfügung standen. In diesem Jahr können wir hingegen aus dem Vollen schöpfen. Auf der anderen Seite ist es schon Wahnsinn, wenn man so einen Titel verteidigen kann.

SPOX: Der DHB-Pokal steht bereits im Schrank, der Champions-League-Triumph könnte folgen und mit einem Sieg gegen Frisch Auf Göppingen wäre auch die 14. deutsche Meisterschaft vorzeitig unter Dach und Fach. Gibt es überhaupt noch Ziele für die kommende Saison?

Lövgren: Ziele gibt es immer. In all meinen Jahren in Kiel war das erste Ziel, jedes Spiel zu gewinnen und die Mannschaft sowie den gesamten Verein nach vorne zu bringen. Die Qualität für weitere Titel haben wir ohne Zweifel, aber nach all den Erfolgen wird die Konkurrenz noch motivierter gegen uns auftreten.

SPOX: Sie haben beim THW noch einen Vertrag bis 2009. Werden Sie verlängern, falls im nächsten Jahr kein Titel herausspringt?

Lövgren. Nein, mein Entschluss steht fest. Nach der nächsten Saison geht es mit meiner Familie zurück nach Schweden.

SPOX: Um danach vielleicht als Trainer in die Bundesliga zurückzukehren?

Lövgren (lacht): Wer weiß, vielleicht. Wenn ich in Deutschland etwas gelernt habe, dann, dass man nie Nein sagen soll. Ob es dann der Trainer-Job ist, kann ich noch nicht sagen, etwas mit Handball wird es aber auf jeden Fall sein.

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