Freitag, 25.01.2008

Handball-EM

"Wir haben die Zweifler zur Ruhe gebracht"

Trondheim - Die deutschen Handballer haben bei der Europameisterschaft in Norwegen durch einen 31:29-Erfolg über Schweden das Halbfinale erreicht. Im Kampf um den Einzug ins Endspiel ist der WM-Dritte Dänemark der Gegner.

Heiner Brand, Handball-EM, Deutschland, Schweden
© Getty

Zwischen den beiden Partien sprach Bundestrainer Heiner Brand über die bisherige Turnierleistung, Finalchancen und ausgeräumte Zweifel.

Frage: Kapitän Markus Baur hat gesagt, nach der Niederlage gegen Frankreich hat keiner mehr einen Pfifferling auf die Mannschaft gesetzt. Jetzt steht sie im Halbfinale. Wie sehen Sie das?

Heiner Brand: "Die Zweifel waren sicher berechtigt. Wir haben in diesem Turnier eigentlich keinmal - sieht man einmal von den ersten 25 Minuten gegen Island ab - im Angriff unser Leistungsvermögen abgerufen. Nur eine gute Abwehr reicht nicht. Jetzt haben wir es geschafft, im Angriff gegen eine relativ aggressive schwedische Deckung Akzente zu setzen. Da muss ich der Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Da waren wieder Teamgeist und Kampfgeist, so wie sie uns stark gemacht haben, zu sehen."

Frage: Abwehrchef Oliver Roggisch hat sich an der Wade verletzt, Michael Kraus und Sebastian Preiß sind auch lädiert. Ist die Belastung für die Spieler zu groß?

Brand: "Drei Hauptrundenspiele an drei Tagen - das kann nicht sein. Das mindert ja auch den sportlichen Wert. Es ist toll, was die Spieler da abrufen. Wie sie mit Willen Dinge dann doch noch schaffen. Aber da muss man ganz, ganz schnell sich etwas anderes überlegen."

Frage: Ist es ein Qualitätsnachweis, dass es die Mannschaft mit einer nicht optimalen Turnierleistung ins Halbfinale schafft?

Brand: "Der Qualitätsnachweis ist gegen Schweden abgeliefert worden. Bis dahin war der Qualitätsnachweis nur in der Defensive und in der Kampfkraft. Im Angriff war der nicht so zu sehen. Man muss bei dieser EM aber auch realistisch sein und sehen, dass alle Mannschaften sehr eng beieinander sind. Wenn wir verloren hätten, wären wir Neunter oder Zehnter geworden."

Frage: Ist Dänemark ein dankbarer Gegner im Halbfinale?

Brand: "Das wird sicherlich ein schöner Fight werden. Aber unsere Möglichkeiten werden wir versuchen zu nutzen."

Frage: Im Vorfeld der EM hat die Mannschaft zwei Spiele gegen Dänemark bestritten, einmal 26:30 verloren und dann 34:24 gewonnen. Welche Rolle spielen diese Tests jetzt?

Brand: "Das kann keiner von uns sagen, ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist. Dass wir im zweiten Spiel keine zehn Tore besser waren, wissen wir."

Frage: Wer ist denn jetzt mehr gefordert: Sie oder die medizinische Abteilung?

Brand: "Ich bin nie gefordert. Immer die medizinische Abteilung, die auch schon jetzt seit über einer Woche toll arbeitet, bis in die Nacht hinein keine Pause macht, außer mal zum Essen. Das ist ganz toll, was die beiden Physiotherapeuten und Dr. Hallmaier da abliefern. Die sind sich für nichts zu schade und arbeiten wirklich enorm viel. Das ist ja auch notwendig bei so hoher Spielfolge."

Frage: Ist der Halbfinaleinzug eine Bestätigung dafür, nicht nur vor Heimpublikum wie bei der WM im Vorjahr erfolgreich sein zu können?

Brand: "Die, die sowas gesagt haben, waren Dummschwätzer. Sicherlich haben wir von der Unterstützung der Zuschauer profitiert. Die Norweger profitieren hier auch davon. Von daher haben wir das nie so gesehen, aber wir haben jetzt die Zweifler zur Ruhe gebracht."

Frage: Ist das selbstgesteckte Ziel mit dem Halbfinale erreicht?

Brand: "Das wurde ja meistens von außen reingebracht, so als Minimalziel. Solche Dinge mache ich nicht. Ich habe gesagt, ich will, dass wir vernünftig spielen. Und das haben wir eigentlich nicht. Aber durch das Schweden-Spiel bin ich versöhnt worden. Wenn wir so weiter gespielt hätten, hätten wir nie das Halbfinale erreicht."

Frage: Ist es nach den Leistungen das überraschendste Halbfinale?

Brand: "Vor der Europameisterschaft hätte ich nicht unbedingt gesagt, dass es eine Überraschung wäre. Die Möglichkeit, ins Halbfinale zu kommen, habe ich immer gesehen. Nur nach den bisher gezeigten Leistungen ist es eine überraschende Halbfinalteilnahme."


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