Golf

Golfffff: Jason spinnt und Louis singt

Montag, 14.08.2017 | 19:04 Uhr
Jason Day steckte bei der PGA Championship in der Bredouille

5. Was ist mit Phil los? 79+74, elf über Par. Phil Mickelson verpasste nach zwei Tagen Rumhacken im Rough zum ersten Mal seit 22 Jahren wieder den Cut bei der PGA Championship. Als Lefty zum letzten Mal am Wochenende bei der PGA nicht dabei war, setzte sich Steve Elkington in Riviera gegen Colin Montgomerie durch. Gott, ist das lange her.

Aber "schlimmer" als der verpasste Cut in seinem 100. Major (Mickelson und Ernie Els zogen bei der PGA in den 100er-Club ein) waren die offenen Worte von Mickelson danach. "Ich bin nicht wirklich fokussiert da draußen. Mir fällt es schwer, die Schläge zu visualisieren. Mir fällt es schwer, meine Gedanken zu kontrollieren und sie nicht herumschweifen zu lassen."

Was ist los? Hat Mickelson nach 5 Majors, 42 Turniersiegen und mehr als 80 Millionen Dollar Preisgeld etwa die Motivation verloren? Welchen Einfluss hat die Trennung von Caddie Jim "Bones" Mackay? Mit seinem Bruder Tim an der Tasche hat er bei zwei von vier Events den Cut nicht gepackt. Oder hat es doch was mit dem Alter zu tun? Mickelson wurde im Juni bekanntlich 47.

Fakt ist, dass Mickelson schnell in die Spur finden und Presidents-Cup-Captain Steve Stricker etwas zeigen muss, sonst ist er nach 22 Jahren in Folge zum ersten Mal bei einem Team-Wettbewerb nur als Fan auf der Couch dabei.

4. Was ist mit Rory los? Die Form von Mickelson ist ein Mysterium, aber was mit Rory McIlroy 2017 abgeht, ist das noch viel größere Rätsel. Vor der PGA war McIlroy für viele der Topfavorit auf den Sieg.

Es schien so, als ob McIlroy nach schwierigen Monaten die Kurve gekriegt hatte. Okay, der Rauswurf von Caddie J.P. Fitzgerald (O-Ton: "Ich habe ihn für jeden schlechten Schlag verantwortlich gemacht") war schockierend, aber der Trend in McIlroys Spiel zeigte mit einer Top-5-Platzierung nach der anderen wieder ganz klar nach oben. Und McIlroy liebt Quail Hollow wie kaum ein anderer. Auf diesem Platz holte er 2010 seinen ersten Sieg auf der PGA Tour, mit einer außerirdischen 62 am Finaltag. 2015 folgte ein weiterer Sieg.

Die PGA war wie gemacht für McIlroy, Horses for Courses und so. Aber statt Major-Sieg Nummer fünf lieferte McIlroy eine über weite Strecken uninspirierte Vorstellung ab. Dank einer 68 zum Abschluss schob er sich immerhin noch in die Top-25 und offenbarte danach, dass ihm seine langwierige Rippenverletzung nach wie vor sehr zu schaffen macht.

"Ich kann zwar rausgehen und ordentliche Runden spielen, aber wenn ich vom Platz komme, spüre ich die Schmerzen. Die Innenseite meines linken Arms wird taub. Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll", sagte McIlroy. Ob er überhaupt zur Titelverteidigung beim FedEx-Cup antritt oder ob wir ihn bis 2018 gar nicht mehr sehen, ist völlig offen. McIlroy wird sich in seiner Heimat in Nordirland in die ärztliche Behandlung eines Spezialisten begeben und danach eine Entscheidung treffen.

3. Rod Pampling als Happy Gilmore: Bei der PGA Championship haben wir wieder einen der wenigen Punkte gesehen, die im Golf total nerven. Fünf Stunden und 40 Minuten für eine Runde Golf? Kommt, Jungs, das ist wirklich Wahnsinn.

Dass es auch schneller geht, haben wir am Abend von Tag zwei gesehen, als nach einer Wetterunterbrechung plötzlich Speed-Golf angesagt war. Schließlich wollte jeder irgendwie noch fertig werden, bevor das Horn ertönt. Morgen früh um 7 Uhr wegen eines verdammten Lochs auf den Platz müssen? Die Hölle.

Also rannten die Jungs über den Platz, schließlich darf man das Loch beenden, an dem man gerade unterwegs ist, einer muss halt vorgehen und draufprügeln. Jason Day hatte es Dustin Johnsons Sprint an den 18. Abschlag zu verdanken, dass er eine geruhsame Nacht erleben durfte. Im Flight von Thomas Pieters, Xander Schauffele und Rod Pampling wurde Pampling zum Helden des Tages.

Niemand aus dem Trio hatte eine Chance auf den Cut, also hieß es, wenigstens noch fertig zu werden. Pampling sprintete zum 9. Tee und zimmerte im Happy-Gilmore-Style einfach drauf. Muss man gesehen haben, nie war der Pro Tracer so wichtig.

2. Chris Stroud, geiler Typ! Lust auf eine schöne Geschichte? Bitte. Mein Name ist Chris Stroud. Spitzname: Mr. Positivity. Ich bin 35 Jahre alt und seit 13 Jahren Golfprofi. Gewonnen hatte ich bis vor einer Woche noch nie. Vor einiger Zeit traf ich Sergio Garcia, der mir sagte, dass ich mir nicht so viel Druck machen solle. Der Sieg würde schon kommen. Und dann kam die großartige und selten erreichte Barracuda Championship. Ihr wisst schon, das ist das Event, das gleichzeitig zum Bridgestone Invitational stattfindet. Vogelwilde Typen und Ex-Champions spielen da mit und kämpfen um ihre golferische Existenz.

Auf jeden Fall habe ich dort das Playoff gegen Greg Owen und Richy Werenski gewonnen und mich so als letzter Spieler für die PGA qualifiziert. Zum dritten Mal erst war ich bei einem Major dabei und dann war ich nach drei Runden plötzlich in der letzten Gruppe. Ich musste mich erstmal kneifen. Als Nummer 203 der Welt hätte ich nach Ben Curtis (Nummer 396 bei seinem British-Open-Triumph 2003) der am zweitschlechtesten gerankte Spieler werden können, der ein Major gewinnt.

Es sollte leider nicht sein, aber die Woche war mit dem Top-10-Ergebnis trotzdem ein Traum. Nach meinem Sieg hatte ich 1400 SMS, 55 Voicemails und wahrscheinlich nochmal 100 Emails bekommen. Ich habe jede einzelne Nachricht beantwortet. Weil es mir wichtig ist. Wenn die Golfkarriere einmal vorbei ist, sind es die Menschen und Beziehungen, die bleiben. Mir sind Menschen wichtiger als Golf. So wurde ich erzogen. Ich bin dankbar, dass ich auf der Tour spielen darf und gesund bin.

Dufter Typ, dieser Chris Stroud.

1. Gute Freunde kann niemand trennen: Er hatte 2017 schon drei Turniere gewonnen. Er hatte bei der Sony Open eine 59 geschossen. Bei der US Open eine atemberaubende 63. Und trotzdem war Justin Thomas für viele irgendwie in erster Linie der beste Kumpel von Jordan Spieth.

Das ist er zwar immer noch, aber mit seinem ersten Major-Titel hatte JT jetzt seine eigene große Coming-out-Party. Thomas' Finalrunde hatte alles, was man an Drama so braucht. Es ging an der 1 mit einem katastrophalen Bunkerschlag und einem eminent wichtigen Bogey-Save los und fand an der 10 seinen ersten großen Höhepunkt.

Zunächst mal schaffte es Thomas, seinen Abschlag so nach links gegen die Bäume zu schießen, dass der Ball perfekt aufs Fairway abgelenkt wurde. Danke, lieber Golf-Gott. Aber es sollte noch mehr Fügung auf ihn warten.

Thomas' Birdie-Putt schien nämlich links an der Lochkante kleben zu bleiben... bitter... aber Thomas wartete, drehte sich weg und plötzlich fiel der Ball doch noch rein. Es war ein astreiner Tiger-in-Augusta-Moment. Thomas ließ ein Chip-in-Birdie an der 13 folgen und spätestens als er auch an der 17 ein Birdie spielte, was bei der Fahnenposition eigentlich fast gar nicht geht, war sein Triumph klar.

Genauso klar war, dass seine Buddys Spieth, Rickie Fowler und auch Bud Cauley an der 18 auf ihn warten würden. Es ist ziemlich cool zu sehen, wie die Jungs nicht nur aktuell den Golfsport rocken, sondern wie sie auch miteinander umgehen und selbst als Konkurrenten auch gegenseitig ihre größten Fans sind. Rickie, am Ende mal wieder Top-5, müsste halt jetzt langsam mal eins gewinnen... Wir hören uns im April 2018 beim Masters wieder!

5-1: Happy Gilmore und die Coming-out-Party

10-6: Jason spinnt und Louis singt

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