Der große Triumph des Rory McIlroy

Von Florian Regelmann
Montag, 20.06.2011 | 01:32 Uhr
Rory McIlroy beendete die US Open bei 16 unter Par, das schaffte vor ihm noch nie jemand
© Getty
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Rory McIlroy hat in überragender Manier seinen ersten Major-Titel errungen. Der 22-jährige Nordire gewann die 111. US Open im Congressional Country Club in Bethesda, Maryland mit einem Rekord-Gesamtscore und sicherte sich das Preisgeld von 1,44 Millionen Dollar. Den zweiten Platz holte sich mit acht Schlägen Rückstand der Australier Jason Day. Martin Kaymer und Marcel Siem landeten abgeschlagen im Feld.

Der 19. Juni 2011 geht in die Golf-Geschichte ein. Rory McIlroy gewann nicht nur die US Open, er gewann nicht nur seinen ersten Major-Titel, er trug sich auch noch in die Rekordbücher ein.

Der 22-Jährige, der mit acht Schlägen Vorsprung in den Finaltag startete, spielte zum Abschluss eine 69er-Runde und lag nach 72 Löchern bei unglaublichen 16 unter Par. Damit stellte McIlroy, der sich in der Weltrangliste auf Rang vier nach vorne schiebt, einen neuen US-Open-Rekord auf.

Tiger Woods hatte 2000 in Pebble Beach bei einem denkwürdigen US-Open-Sieg 12 unter Par erreicht, McIlroy war jetzt sogar noch einmal vier Schläge besser. Ausgerechnet bei einer US Open, bei der Woods verletzt fehlte, gewann McIlroy in echter Tiger-Manier. McIlroy lag zwischenzeitlich sogar bei 17 unter Par, ein weiterer Rekord. Nach Lee Trevino (1968) und Lee Janzen (1993) war er auch erst der dritte Spieler, der bei einer US Open vier Runden in den 60ern zustande brachte.

An den 15-Schläge-Vorsprung von Woods im Jahr 2000 kam er zwar nicht heran, aber die Dominanz war trotzdem ähnlich. McIlroy hatte am Ende acht Schläge Vorsprung auf den Australier Jason Day (68), der das Turnier bei acht unter Par abschloss und zum zweiten Mal in Folge bei einem Major auf Rang zwei landete.

Den dritten Platz teilten sich bei sechs unter Par Y.E. Yang (KOR/71), Lee Westwood (ENG/70), Robert Garrigus (USA/70) und Kevin Chappell (USA/66).

Martin Kaymer notierte in Runde vier eine 71 und musste sich bei drei über Par und krassen 19 Schlägen Rückstand auf McIlroy mit dem geteilten 39. Platz zufrieden geben. Für Marcel Siem reichte es nach einer abschließenden 73 nur für Platz 60 (acht über Par).

Reaktionen:

Rory McIlroy: "Ich bin so glücklich, diese Trophäe in meinen Händen zu halten. Ich weiß, wie gut Tiger 2000 war, als er in Pebble Beach mit 15 Schlägen Vorsprung gewonnen hat. Ich habe versucht, auf den Platz zu gehen und ihm in gewisser Weise nachzueifern. Ich habe vier Tage lang großartig gespielt, ich könnte nicht glücklicher sein."

Gerry McIlroy (Rorys Vater): "Es ist unglaublich. So zurückzukommen und so zu spielen, nach allem, was in den letzten zwei Monaten passiert ist, das ist fantastisch. Er hat nach dem Masters so hart gearbeitet. Mir fehlen die Worte."

Graeme McDowell: "Nichts, was dieser Junge macht, überrascht mich. Er ist der beste Spieler, den ich je gesehen habe. Ich hatte nicht die Chance, Tiger in seiner Glanzzeit zu sehen, aber Rory ist der beste, den ich gesehen habe. Ganz einfach. Er ist großartig für den Golfsport. Vielleicht sind wir bereit für den nächsten Superstar. Und vielleicht ist es Rory."

Tiger Woods: "Was für eine Performance von Anfang bis Ende. Genieße den Triumph. Toll gemacht!"

Y.E. Yang: "Er wird immer noch besser. Es ist einfach beängstigend, wenn man darüber nachdenkt."

Martin Kaymer: "Ich konnte mir wieder mit dem kurzen Spiel viel retten und damit den Score gut zusammenhalten. Ich habe mich mit dem Schwung aber einfach wieder nicht wohl gefühlt. Insgesamt habe ich wohl noch nie so schlecht Golf gespielt, seit ich Profi bin. Im Hinblick darauf ist das Ergebnis wirklich gut."

Marcel Siem: "Das war heute wohl spielerisch die beste Leistung des Turniers, auch besser als am Freitag. Ich habe fast an jedem Loch die Chance auf ein Birdie gehabt. Aber es haben immer Zentimeter gefehlt. Gestern habe ich das Maximum rausgeholt, heute das Minimum."

Der Star des Tages: Rory McIlroy. Natürlich. Wer sonst?! Vor zwei Monaten erlebte er in Augusta ein Trauma, als er an Tag 4 einbrach und den Masters-Sieg wegschmiss. McIlroy gab zu, dass er da noch nicht bereit für den Sieg war und erst lernen musste, wie er sich in solch einer Situation zu verhalten hat. Jetzt war er bereit. Der Finaltag im Congressional Country Club wurde zu einem Triumphmarsch. Er spielte Birdies an der 1, 4, 10 und 16. Die Bogeys an der 12 und 17 waren leicht zu verschmerzen. McIlroys Eisenspiel war auch in der Finalrunde ein Traum. Er traf 16 von 18 Grüns, für die Woche stand seine Quote letztlich bei sagenhaften 86 Prozent (62/72). Es klingt wahnsinnig, aber er hätte in der Tat sogar noch tiefer als 16 unter Par gehen können. Jetzt schon daran zu denken, dass er den Major-Rekord von Jack Nicklaus (18 Titel) brechen wird, ist ein bisschen arg verfrüht. Aber das Talent dazu hat er auf alle Fälle. Der Junge ist 22 Jahre alt.

Der Flop des Tages: Der Blue Course. Selbst wenn man McIlroy mal wegnimmt, ändert das nichts an der Tatsache, dass in dieser Woche keine US Open stattgefunden haben. Ohne McIlroy wäre der Siegesscore immer noch acht unter Par gewesen, für US-Open-Verhältnisse ein schlechter Witz. An Tag 3 hatten 26 Spieler unter Par gespielt, am Finaltag waren es sogar 32. Ebenfalls ein neuer US-Open-Rekord. In Baltusrol hatte es 1993 einmal 18 Runden unter Par gegeben. Die 72 Spieler notierten in Runde 4 insgesamt 239 Birdies, noch einmal 15 mehr als in Runde 3. Gegen das Wetter kann man nichts machen, aber das alleine reicht als Entschuldigung nicht aus. Die US Open soll der härteste Test im Golf sein. So ist die Charakteristik. Sie soll kein Birdie-Festival sein. Man kann wohl davon ausgehen, dass die USGA alles dafür tun wird, dass die Scores im nächsten Jahr im Olympic Club in San Francisco wieder etwas mehr US-Open-Style sein werden.

Analyse: Nordirland hat nicht mal zwei Millionen Einwohner, aber Nordirland stellt die letzten beiden US-Open-Champions. Eine bemerkenswerte Geschichte. Ein Jahr nach dem Triumph von seinem Freund Graeme McDowell hat sich Rory McIlroy in überragender Manier seinen ersten Major-Titel geholt. McIlroy zeigte im Prinzip über 72 Löcher hinweg nahezu perfektes, ja atemberaubendes Golf und vernichtete das Feld in einer Art und Weise, wie man es bis jetzt nur einmal gesehen hatte. Von Tiger Woods 2000 in Pebble Beach.

Man hat selten einen Spieler gesehen, der am Finaltag entspanntere 18 Löcher hatte als McIlroy. Die US Open 2011 wurde so zu einer einzigen Demonstration seines unglaublichen Talents. McIlroy spielte nur an 4 von 72 Löchern schlechter als Par. Nur ein Beispiel seiner Klasse war sein grandioser Tee-Shot an der 10 am Finaltag, als er fast das Hole-in-One gespielt hätte.

McIlroy wurde der zweitjüngste Major-Champion seit dem Zweiten Weltkrieg, nur Tiger (21 Jahre) war bei seinem Masters-Sieg 1997 noch jünger. Außerdem ist er alterstechnisch gesehen der vierte Major-Champion in Folge in den 20ern, das ist der längste Streak seit 1897. Golf wird immer jünger. Und wie gut sein Ergebnis von 16 unter Par ist? Die letzten 10 US-Open-Sieger kommen zusammengerechnet auf 14 unter Par.

Verrückt: Vor Turnierstart ging jeder von einer völlig offenen US Open ohne echten Favoriten aus, weil es keinen Spieler gab, der über allen steht. Woods ist seit 18 Monaten ohne irgendeinen Sieg, die Nummer eins und zwei der Welt (Donald und Westwood) haben noch nie ein Major gewonnen. Und jetzt kommt so eine Leistung von McIlroy. Hätte er in Augusta die Nerven behalten, wäre er jetzt schon auf halbem Weg zum Grand Slam. Alles unvorstellbar.

Bei aller Begeisterung für McIlroy darf man aber auch einige andere Spieler nicht vergessen. Allen voran Jason Day. Zweiter beim Masters, jetzt Zweiter bei der US Open - der 23-jährige Australier wird in Zukunft auch Majors gewinnen. Day beendete die US Open mit 45 Löchern ohne einziges Bogey und ist jetzt die neue Nummer neun der Welt.

Ein Lob verdient haben sich auch die beiden US-Boys Kevin Chappell und Robert Garrigus, die auf Rang drei landeten. Zwischenzeitlich hatte es so ausgesehen, als würde zum ersten Mal seit 1909 (!) kein US-Amerikaner in den Top 5 landen. Dass dies ausgerechnet durch zwei Nobodys verhindert wurde, ist bezeichnend. Die letzten fünf Major-Sieger (McDowell, Oosthuizen, Kaymer, Schwartzel, McIlroy) kommen alle nicht aus den USA - das gab es noch nie.

Zu den Enttäuschungen der Woche gehörten vor allem der englische Weltranglistenerste Luke Donald (45. Platz) und Phil Mickelson (54. Platz), aber auch Martin Kaymer wird mit seinem 39. Rang nichts anfangen können. Kaymers Schwungumstellung benötigt noch eine Menge Arbeit. Während sein kurzes Spiel top in Schuss ist, offenbart sein langes Spiel im Moment erstaunliche Schwächen, die man von ihm gar nicht kennt. Schwächen, die er in nächster Zeit aber beheben kann und wird.

Marcel Siem haderte am letzten Tag mit seinem Putter. Obwohl er nach eigenen Angaben sogar noch besser spielte als bei seiner 66 an Tag 2, kam nur eine 73 heraus, weil er schlicht und ergreifend nichts lochte. So wurde es der 60. Platz. Nicht das, was sich Siem vorgestellt hatte, aber der geschaffte Cut bei seiner ersten US Open ist an sich durchaus ein Erfolg.

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