Gal: "Nummer eins? Kein eingebildetes Ziel"

Von Interview: Florian Regelmann
Top-Golferin - und nebenher noch ein bisschen Model: Sandra Gal hat in ihrer Karriere viel zu tun
© Wilhelmina
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SPOX: Andrea Petkovic ist ein Fan von Rafael Nadal und hat mal mit leuchtenden Augen erzählt, wie sie ihn in den Katakomben getroffen hat. Im Gegensatz zum Tennis gibt es im Golf kaum Berührungspunkte zwischen Männern und Frauen.

Gal: Leider. Das ist wirklich schade. Es war schon immer mein Traum, ein Turnier zusammen mit den Männern zu spielen. Das ist auch immer wieder mal im Gespräch, aber irgendwie kommt es noch nicht zustande. Ich habe aber trotzdem eine ähnliche Erfahrung gemacht wie Andrea Petkovic. Bernhard Langer hat mir nach meinem Sieg eine ganz nette E-Mail geschrieben, das war für mich auch etwas ganz Besonderes.

SPOX: Wer wäre denn in Ihrem Traum-Vierer dabei?

Gal: Freddie Couples, klar. Dann noch Arnold Palmer und Deepak Chopra. Er ist momentan mein Lieblingsautor. Und er spielt auch Golf meines Wissens. Zwar schlecht, aber das macht ja nichts. Es geht ja um die Erfahrung.

SPOX: In der Weltrangliste stehen Sie aktuell auf Rang 34. Wie klar definiert ist das Ziel, die Nummer eins der Welt werden zu wollen?

Gal: Es ist definitiv mein Ziel, in zwei bis drei Jahren die Nummer eins der Welt zu sein. Es liegt nur an mir selbst, ich weiß, dass ich das Potenzial dazu habe. Natürlich muss ich die dementsprechenden Resultate erst einmal bringen, aber ich sehe das als Weg. Ich habe gesehen, dass ich die Besten schlagen kann, es geht nur darum, es öfter zu machen. Ich sehe das auch nicht als eingebildetes Ziel, wie viele das sehen. Jeder möchte in seinem Beruf doch der Beste sein. Soll ich zufrieden sein, wenn ich die Nummer zehn bin? Das wäre nicht ich. Jeder sollte das Beste aus seinem Leben machen, das möchte ich auch vorleben.

SPOX: Auf dem Weg zur Nummer eins müssen Sie vor allem an ganz Korea vorbei. Asien, insbesondere Korea, dominiert das Damen-Golf total. Gibt es eine Erklärung dafür?

Gal: Die Asiatinnen trainieren von klein auf unglaublich hart. Beide Elternteile stehen voll dahinter und reisen auch zu den Turnieren immer mit. Es ist schwierig zu beschreiben, aber ich denke, dass sie auch mental von ganz klein an schon darauf vorbereitet werden. Das gibt es in keiner anderen Kultur, außer in den Golf-Akademien in den USA vielleicht. Und wenn dann 1000 Mädchen diesen Weg gehen, kommen eben 30 auch in der Weltspitze an.

SPOX: Die Asiaten drehen ja auch immer komplett durch, wenn Golf-Turniere dort ausgetragen werden.

Gal: Das ist echt vollkommen verrückt. Wir haben unsere meisten Zuschauer, wenn wir in Asien spielen. Die Fans sind immer komplett aus dem Häuschen, wenn wir ankommen. Einmal musste ich in Japan ein Handy unterschreiben. Das können wir uns gar nicht vorstellen.

SPOX: In Asien ist auch sehr viel Geld im Umlauf. Ihr Karriere-Preisgeld steht bei ca. 914.000 Dollar (ca. 640.000 Euro) auf der LPGA Tour. Heißt: Die Millionen-Marke könnte bald erreicht sein. Was haben Sie für ein Verhältnis zu Geld?

Gal: Überhaupt gar keines, ehrlich nicht. Das ist nicht der Grund, warum ich Golf spiele. Natürlich ist es schön, nebenbei gutes Geld zu verdienen und davon gut leben zu können, aber es ist jetzt nicht der Sinn meines Lebens. Absolut nicht. Ich wurde auch schon häufiger gefragt, was ich mir vom Preisgeld meines Sieges gegönnt habe. Nichts. Das Einzige, was ich mir gekauft habe, war diese Handtasche hier. Aber das ist ja nichts Großes. Wenn mir etwas ins Auge springt, dann kaufe ich es mir.

SPOX: Zum Abschluss möchte ich mit Ihnen auch noch einmal über die mentale Seite im Golf sprechen. Dass Golf der unfassbarste Sport der Welt ist, steht für mich fest. Letzter Beweis war die "16!" von Kevin Na. Was war denn Ihr höchster Score?

Gal: Ich weiß es gar nicht. So etwas merke ich mir doch nicht. Ich habe keine Ahnung.

SPOX: Sagen wir mal so: So schlimm kann es dann nicht gewesen sein. Auf jeden Fall bietet ein Golfplatz unendlich viele Dinge, die einen fertig machen können. Bäume, Wald, Wasser, Bunker - wie versuchen Sie, negative Gedanken zu verhindern?

Gal: Das Wichtigste ist, dass man sein Spiel nicht von seinem Score abhängig macht. Ich weiß, dass das schwierig ist, weil der Sinn eines Wettspiels ja das Gewinnen ist, aber man muss sich davon lösen. Es ist wichtiger, einen geilen Schlag machen zu wollen, als mich damit zu befassen, ob ich den Ball ins Wasser oder in die Bäume schlagen könnte. Dabei kommt nichts Produktives heraus. Es geht darum, von vornherein zu akzeptieren, dass der Schlag auch daneben gehen kann. Wenn ich das beherzige, mache ich auch einen viel besseren Schlag.

SPOX: Sie haben aber auch mit dem Meditieren angefangen. Wie kann ich mir das vorstellen?

Gal: Ich mache das morgens nach dem Aufwachen, oder abends vor dem Einschlafen - zur Ruhe kommen, die Gedanken vorbeisausen lassen, die innere Ruhe finden. Das ist das Wichtige daran. Gerade in einer stressigen Woche ist es wichtig, nach vielen Terminen wieder zu mir selbst zu kommen. Ich habe wie schon erwähnt angefangen, Deepak Chopra zu lesen, so ist das mit der Meditation entstanden.

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