Mittwoch, 01.12.2010

Deutschlands Golf-Superstar in der Analyse

So funktioniert das System Kaymer

Martin Kaymer ist nicht nur Europas neue Nummer eins, er ist auf dem Weg zur Nummer eins der Welt. Aber was macht seinen Schwung eigentlich genau aus? SPOX erklärt gemeinsam mit Golf-Coach und Analyse-Guru Jörg Vanden Berge Kaymers Technik und blickt in die Zukunft.

Martin Kaymer hat in der Saison 2010 über 70 Prozent aller Grüns getroffen
© Getty
Martin Kaymer hat in der Saison 2010 über 70 Prozent aller Grüns getroffen

Meinung zum Jahr Kaymer von SPOX-Redakteur Florian Regelmann:

Wow! Drei Buchstaben reichen, um das Jahr von Martin Kaymer auf den Punkt zu bringen. Mit einem Preisgeld von knapp 4,5 Millionen Euro das Race to Dubai gewonnen, erster Major-Sieg, insgesamt vier Turniersiege, mit Europa den Ryder Cup gewonnen - und die Nummer drei der Welt geworden. Mit besten Chancen auf die Nummer eins. Einfach nur wow.

Es ist ja nicht so, dass einen der unglaubliche Erfolg völlig unvorbereitet trifft. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Kaymer sein erstes Major gewinnen würde. Die Karriere, die er jetzt gemacht hat, war vorgezeichnet. Aber in dieser elektrisierenden Ballung und Rasanz erschlägt einen diese Entwicklung dann doch.

Man muss sich nur vorstellen, wie die Situation noch vor wenigen Jahren war. Kaymer war ein Rookie, wenn auch ein extrem talentierter, der bei seinem Debüt auf der European Tour noch große Anpassungsprobleme hatte. Cuts verpasste. Sparen musste. Manchmal einsam in Asien in Hotels saß.

Und gleichzeitig dominierte ein gewisser Tiger Woods die Golf-Welt und hatte an der Spitze der Weltrangliste so einen gewaltigen Vorsprung, dass man nicht dachte, in seiner Lebenszeit noch einmal eine andere Nummer eins zu erleben. Wie sich die Dinge doch geändert haben... Wow.

mySPOX-Golfgruppe: Jahresrückblick

Will man sich eine Szene herauspicken, die das Jahr 2010 für Kaymer definierte, war es sein Par-Putt am 18. Loch in der Finalrunde der PGA Championship. Es war eigentlich ein unmögliches Up-and-Down, das sich Kaymer nach seinem zu kurzen zweiten Schlag gelassen hatte.

Ein Bogey wäre wahrlich keine Schande gewesen, man hätte Kaymer danach zu einem grandiosen Turnier gratuliert, bei dem es eben noch nicht ganz für den großen Sieg gereicht hat. Aber dann locht der Junge diesen unfassbar schwierigen Par-Saver und bereitet damit seinen folgenden Sieg im Stechen vor. Wow.

Es ist wieder einmal bezeichnend für Kaymers Bescheidenheit, wenn er sagt, dass er sich nicht auf einer Stufe mit Dirk Nowitzki oder Sebastian Vettel sieht. Aber er irrt. Er steht mindestens auf einer Stufe mit den beiden. Es ist keine Frage, dass der Formel-1-Fahrer Vettel, der Kaymer im Übrigen von der Art gar nicht so unähnlich ist, zum deutschen Sportler des Jahres gewählt werden wird. Und nicht der Golfer Kaymer.

Aber global gesehen gibt es keinen Zweifel, wer neben Nowitzki Deutschlands Sport-Superstar ist: Martin Kaymer. Über ihn wird inzwischen selbst in US-Sport-Talkshows gesprochen.

Wer sich fragt, wie es nach diesem Jahr bei Kaymer weitergehen wird, dem sei gesagt: genau so wie bis jetzt auch. Wenn es ein Lehrbuch für junge Sportler gäbe, das beschreiben soll, wie ein perfektes Umfeld auszusehen hat, so müsste es eigentlich Kaymer schreiben. Freundin Alison, Vater Horst, Bruder Philip, Coach Günter Kessler, Manager Johan Elliot, Beraterin Fanny Sunesson - im Team Kaymer passt einfach alles.

Auch die Entscheidung, nicht auf die US PGA Tour zu wechseln, passt zu ihm und war goldrichtig. Es gibt für Europas Stars absolut keinen Grund, die heimische Tour zu verlassen. Die prestigeträchtigen Turniere in den USA können sie auch so spielen - und der Tour beizutreten, nur um im todlangweiligen FedEx Cup eventuell ein paar Dollar einzustreichen? Das haben sie wahrlich nicht nötig.

"M-Kay" wird jetzt erst mal seinen Urlaub genießen und dann wird er in Arizona wieder mit dem Training beginnen. Vor allem am kurzen Spiel feilen. Die Motivation wird die gleiche sein, wie vor den Erfolgen 2010. Er wird genauso hart arbeiten. Nicht, weil er sich zwingen muss. Sondern weil er Golf liebt.

Er wird weitere Majors gewinnen. Ob das 2011 schon der Fall sein wird? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. In keinem Sport herrscht so eine Dichte wie im Golf - es gibt massig Spieler, die in der passenden Woche ein Major gewinnen können. Hey, Lee Westwood ist momentan der beste Spieler der Welt und hat immer noch keines gewonnen. Das sagt alles.

Fakt ist: Kaymer ist erst 25. Wir werden noch lange, lange Zeit Spaß an seinem Golf-Spiel haben. Wie anfangs gesagt: wow.

Teil 2: Martin Kaymers Golf-Schwung in der Analyse

Florian Regelmann

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