Mittwoch, 17.03.2010

Kommentar zum Tiger-Comeback

Woods will als Held zurückkommen

Tiger Woods kehrt zurück, aber ob er in Augusta überhaupt gewinnen kann, ist fraglich. Dennoch ist das Masters genau das richtige Turnier für sein Comeback.

Tiger Woods' Chip beim Masters 2005 am 16. Loch war ganz großes Kino
© Getty
Tiger Woods' Chip beim Masters 2005 am 16. Loch war ganz großes Kino

"Augusta ist der Ort, an dem ich sein muss." Es ist der Satz, der einem bei Tiger Woods Comeback-Ankündigung am meisten im Kopf bleibt.

Elendig lange wurde über Zeitpunkt und Stätte des Comebacks spekuliert, nun weiß die ganze Welt Bescheid, dass Tiger Anfang April beim Masters im Augusta National Golf Club wieder aufteen wird. Zwischen seinem Sieg beim Australian Masters im November und der ersten Runde in Augusta werden 144 Tage liegen.

Die Frage, die sich nun jeder stellt: Ist es die richtige Entscheidung, ausgerechnet beim ersten Major des Jahres zurückzukommen? Die Antwort: Ja und nein.

Zuallererst geht es nicht um sportliche Gesichtspunkte, es geht um die Frage, welches Turnier das beste ist, um sein Comeback zu managen. Und diesbezüglich ist das Masters ohne jeden Zweifel die richtige Wahl.

Kein Turnier wird so gut kontrolliert. Kein Golfclub ist so elitär und privat. Es gibt nur um die 300 Mitglieder, bis heute ist der Club standhaft geblieben und hat trotz aller Proteste immer noch keine Frau aufgenommen. Das sagt eigentlich schon alles aus.

Wenn Woods am Samstag oder Sonntag vor der Turnierwoche die Magnolia Lane entlang fährt und in Augusta ankommt, wird er das in relativer Ruhe und Entspanntheit tun können. Es gibt eine eigene Umkleide für ehemalige Masters-Sieger - und auch die Medien und Zuschauer werden kontrolliert.

Zuschauer und Medien unter Kontrolle

Das Wort Zuschauer trifft es dabei nicht, die fachkundigen Fans in Augusta werden "Patrons" genannt. Es sind meist wohlerzogene Stammgäste mit Tickets, die im Normalfall vererbt werden. Niemand würde dieses Recht durch beleidigende Zwischenrufe über Woods' Privatleben riskieren. Niemand.

Was die Medien anbelangt, so weiß Woods, dass er auf keinen Fall befürchten muss, Klatsch-Journalisten in Augusta anzutreffen. Das Masters sucht sich die Medienvertreter, die über das Turnier berichten, sehr gezielt aus. Meist sind es Journalisten, die schon seit Jahrzehnten dabei sind. Gut möglich, dass Woods in der Pressekonferenz vor dem Turnierstart keine einzige Frage zu seinem Privatleben beantworten muss.

Die berühmte Magnolia Lane, die zum Augusta National Golf Club führt
Die berühmte Magnolia Lane, die zum Augusta National Golf Club führt
© Getty

Hinzu kommt, dass auf dem Platz im Gegensatz zu allen anderen Turnieren niemand innerhalb der Absperrung mitlaufen darf. Auch die Fotografen werden so im Zaum gehalten. Kurzum: Es gibt keinen angenehmeren Ort für sein Comeback.

Bleibt die Frage, ob es aus sportlicher Sicht nicht ein Fehler ist, völlig ohne Wettkampf-Praxis bei einem Major aufzutauchen. Tiger Woods ist Tiger Woods, aber er ist nicht Gott. Auch er kann im Normalfall nicht Monate lang keinen Schläger anfassen, dann ein bisschen trainieren und auf einem der schwersten Plätze der Welt die komplette Welt-Elite schlagen.

Ben Hogan als Vorbild

Erst ein Spieler hat es in der Geschichte geschafft, beim Masters sein Saisondebüt zu geben und sofort zu gewinnen: Ben Hogan in den Jahren 1951 und 1953. Sollte Woods vom amtierenden Champion Angel Cabrera tatsächlich das Grüne Jackett überreicht bekommen, wäre es für die Mickelsons dieser Welt eine ganz bittere Erfahrung.

Das heißt nicht, dass es völlig unmöglich ist. Auch wenn es Tiger Woods in erster Linie wichtig ist, ins Tour-Leben zurückzukehren, ist es völliger Nonsens, dass er nicht nach Augusta kommt, um das Turnier zu gewinnen. Egal, wo Tiger Woods antritt: Er will immer das Turnier gewinnen. So wird es auch diesmal sein.

Er wird sogar noch motivierter sein. Weil er weiß, dass ein Triumph unter den bekannten Umständen dazu führen würde, dass die Fans in Windeseile seine "dunkle" Seite vergessen und er als noch größerer Held dasteht als je zuvor. Genau das will er.

Was spricht also für einen Woods-Sieg? Da wäre der Platz, der zu seinen absoluten Lieblingskursen zählt und auf dem er schon viermal gewonnen hat. Außerdem sind die Fairways zwar eng, aber sie verzeihen durchaus eine gewisse Ungenauigkeit vom Tee. Das lange Spiel wird kein großes Problem darstellen.

Kurzes Spiel entscheidet

Dass Woods nicht beim Arnold Palmer Invitational in Bay Hill in der nächsten Woche sein Comeback gibt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit den Grund, dass er sich einfach noch nicht bereit fühlt.

Woods ist dafür bekannt, dass er Mängel in seinem Spiel nicht im Turnierbetrieb behebt, sondern mit intensiven Trainingseinheiten in seinem Heimatclub in Isleworth. Der Schlüssel wird sein, inwieweit Woods sein kurzes Spiel in Schuss bringen kann. Dass das Masters rund um die Grüns und auf denselbigen entschieden wird, ist ein offenes Geheimnis.

Man denke nur an Woods' legendären Traum-Chip-in 2005 an der 16. Bahn. Fest steht, dass sein Comeback die ganze Sportwelt in den Bann ziehen wird. Die Berichterstattung in den USA hat sich jetzt schon überschlagen. Es wird das größte Medienereignis der vergangenen 10 bis 15 Jahre nach der Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama 2009 erwartet.

Nur zwei Menschen dürften an dem Zirkus übrigens wenig gefallen finden: die beiden, die in den ersten beiden Runden mit Woods auf die Runde gehen müssen. Es gibt definitiv leichtere Aufgaben.

Woods gibt Comeback beim Masters

Florian Regelmann

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