Mittwoch, 08.04.2009

Woods' größter Gegner

Der New Celtic Tiger

Exklusiv Shootingstar Rory McIlroy gibt vor dem Masters-Start bei SPOX zu, dass er sich in Augusta den Sieg zutraut. Außerdem zu beachten: Ein Irrer, ein Schisser und Spiderman.

Rory McIlroy tritt zum ersten Mal beim Masters in Augusta an
© Getty
Rory McIlroy tritt zum ersten Mal beim Masters in Augusta an

Es war einer dieser Momente, in dem Eltern merken, dass ihr Kind auf einem bestimmten Gebiet etwas ganz Besonderes werden kann.

Rosie und Gerry McIlroy hörten merkwürdige Geräusche aus der Waschküche und entdeckten ihren achtjährigen Sohn, wie er versuchte, Golfbälle in die offene Tür der Waschmaschine zu chippen.

McIlroy: "Ich denke über den Sieg nach"

Jeder Anflug des Gedankens, dem kleinen Rory zu sagen, dass es ja so eigentlich nicht geht, wich sofort einer Faszination, als die Eltern merkten, dass er die meisten Bälle tatsächlich in der Waschmaschine versenkte.

Elf Jahre später feiert Rory McIlroy sein Debüt beim Masters in Augusta und gilt als der kommende Superstar im Golf.

"Ich befinde mich in ziemlich guter Form im Moment. Alle Leute fragen mich, ob ich darüber nachdenke, das Masters zu gewinnen. Natürlich tue ich das", sagt McIlroy kurz vor Turnierstart im Gespräch mit SPOX.

"Dafür müssen viele Dinge zusammenkommen, deshalb werde ich meine Erwartungen nicht zu hoch schrauben, aber ich gehe selbstbewusst an den Start und will ein gutes Bild von mir abgeben."

Supertalent aus Holywood

Bis jetzt war die nordirische Kleinstadt Holywood, zwischen Belfast und Bangor gelegen, höchstens für ihr jährliches Jazz- und Blues-Festival bekannt. Nun hat sie einen 19-jährigen Sohn, der das Zeug hat, der größte Rivale von Tiger Woods zu werden.

In Zeiten, in denen das Wort "Supertalent" häufig benutzt wird, teilweise auch für Leute, die gar kein Talent besitzen, ist Vorsicht geboten - aber bei McIlroy spricht alles dafür, dass er die ihm vorhergesagte Karriere auch machen wird.

Weil er außergewöhnlich gut spielt, weil er aber auch vor allem unheimlich reif ist für sein Alter und dieses Feuer in den Augen hat, das nur wenige haben.

Besser als Tiger im gleichen Alter

Mit seinem Baby-Face und seinen lockigen Harren sieht der nur 1,75 große Nordire dabei auf den ersten Blick nicht unbedingt wie jemand aus, der Tiger Woods schlagen könnte.

Dieser Eindruck ändert sich, wenn man ihn auch nur einen Ball hat schlagen sehen. Für Ernie Els ist McIlroy die zukünftige Nummer eins der Welt, auch Woods höchstpersönlich ist voll des Lobes:

"Er hat alles, was man braucht, um die Nummer eins zu werden. Er muss sich nur noch die Erfahrung in großen Turnieren holen. Der Junge ist erst 19, er wird seinen Weg gehen." Für Mark O'Meara, einen von Woods' besten Freunden, ist McIlroy besser, als es Tiger im gleichen Alter war.

Erster Sieg in Dubai

"Mark O'Meara hat einige sehr nette Dinge über mich gesagt. Ich verstehe, dass ein junger Bursche wie ich natürlich mit Tiger verglichen wird. Tiger wird wohl mal als der beste Golfer aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Wenn ich auch nur in die Nähe von dem komme, was er erreicht hat, wäre ich sehr glücklich", erklärt McIlroy.

Masters: Sieger und Rekorde

Anfang Februar feierte er bei der Dubai Desert Classic seinen ersten Sieg auf der European Tour. Nun darf er zum ersten Mal die berühmte Magnolia Lane entlang fahren und im ehrwürdigen Augusta National Golf Club aufteen. "Es wird eine wundervolle Erfahrung für mich. Ich kann kaum abwarten, bis es endlich losgeht", sagt McIlroy.

Neben McIlroy gibt es auch noch andere Kandidaten, die zum engen Favoritenkreis gehören.

Phil Mickelson (USA)

Wenn Mickelson beim Masters nicht um den Sieg mitkämpft, dann stimmt etwas nicht. Es ist in gewisser Weise "sein" Turnier. 2004 und 2006 triumphierte er bereits in Augusta. Unvergesslich sein Sieg 2004, als er das Label als bester Spieler aller Zeiten ohne Major-Sieg endlich ablegen konnte. Genauso unvergesslich ist aber sein totaler Zusammenbruch bei der US Open 2006 in Winged Foot, als er den sicher geglaubten Sieg auf brutalste Weise herschenkte und hinterher nur noch sagen konnte. "Ich kann nicht glauben, was ich gemacht habe, ich bin so ein Idiot."

Diese Erfahrung hing dem 38-Jährigen ohne Frage lange nach, aber inzwischen müsste er bereit sein für einen neuen Angriff auf das Grüne Jackett. 2009 stehen bei Mickelson mit der Northern Trust Open und der CA Championship schon zwei Titel auf dem Konto. In Doral hatte Martin Kaymer das Vergnügen, mit "Lefty" zu spielen.

Gegenüber SPOX zeigt sich der Deutsche beeindruckt: "Ich wusste, dass er ein sehr sehr gutes kurzes Spiel hat, aber was ich da aus der Nähe gesehen habe, war ein Witz, ein echter Scherz. So was habe ich noch nie gesehen. Er stand im Bunker und hat selbst daraus noch die Putt-Linie gelesen. Bei jedem Schlag rund ums Grün hatte man das Gefühl, dass der Ball ins Loch gehen kann. Das war irre."

Padraig Harrington (Irland)

Seitdem Tiger wieder zurück ist, redet alles nur noch über ihn. Das ist verständlich, aber dabei sollte nicht vergessen werden, wer denn der große Dominator der letzten Saison war. Harrington hat die beiden letzten Majors gewonnen (insgesamt drei aus sechs) und ist damit auf halbem Weg zum "Paddy-Slam". Dass er nicht mehr im Gespräch ist, liegt auch an der ganz besonderen Art des 37-jährigen Iren. Keiner ist sympathischer, keiner ist ruhiger, keiner ist so von Angst geprägt, wenn er am Abschlag steht.

"Ich habe ja gehofft, dass es anders werden und ich nach meinen drei Major-Siegen mit großem Selbstbewusstsein am Tee stehen würde. So ist es aber leider nicht. Es ist genauso wie immer. Ich habe Angst, dass ich den Ball ins Wasser haue, dass ich ihn in den Wald schlage und nicht mehr finde. Vor den Bunkern hab ich auch Angst", erzählt Harrington.

Fakt ist, dass er mit dieser Einstellung zuletzt gut gefahren ist. Außer Woods locht niemand auf den zweiten neun Löchern am Finaltag mehr Putts als Harrington.

Geoff Ogilvy (Australien)

Er ist US-Open-Sieger (2006), er hat drei World-Championship-Titel zu Buche stehen, er hat in diesem Jahr schon wieder zwei Turniere auf der PGA Tour gewonnen, und er ist trotzdem immer noch der am meisten unterschätzte Spieler der Welt. Wenn vom besten Australier die Rede ist, kommen viele immer noch auf Adam Scott. Es ist ein Rätsel.

Ein Teil von Ogilvys Problem ist sicher, dass die US Open 2006 für immer mit dem Desaster von Mickelson verbunden sein werden, nicht mit seinem Sieg. Ogilvy hat nicht nur einen der elegantesten Schwünge auf der Tour. Wenn er in Bestform ist, spielt kaum einer so fehlerfreies Golf wie er. Beim Masters konnte er sich noch nie in den Top 10 platzieren - es ist an der Zeit, dass er das ändert. Spätestens beim zweiten Major-Sieg kann man ihn nicht mehr unterschätzen.

Camilo Villegas (Kolumbien)

Der Sexy-Pick. Die GQ schrieb über Villegas: "Er hat einen ganzen Schrank voll von engen Hosen, ein paar Bizepse wie Boxer und mehr schreiende weibliche Fans als Justin Timberlake." Der Stern des Kolumbianers, der in Florida das College besuchte, ging Ende der vergangenen Saison so richtig auf.

Er gewann hintereinander die BMW Championship und die Tour Championship. In dieser Saison hat er zwar noch keinen Sieg eingefahren, aber schon mehrere hervorragende Ergebnisse erzielt. Wegen seiner artistischen Art die Grüns zu lesen, wird Villegas Spiderman genannt. Beim Masters hat er bislang zweimal den Cut verpasst. Das wird ihm diesmal nicht passieren.

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Florian Regelmann

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