Montag, 23.06.2008

Kaymers Sieg bei den BMW International Open

Ein ganz besonderer Spieler

München - Knapp 60.000 Zuschauer kamen in den vier Turniertagen zu den BMW International Open.

BMW International Open, Golf
© Getty

60.000 Golf-Fans sahen einen begeisternden Sieg von Martin Kaymer und stellten sich beim Heimweg die immer gleiche Frage: "Warum ist dieser Junge so verdammt gut?"

So gut, dass er am Finaltag einen schlechten Start und ein desaströses Triple-Bogey wegsteckte, um am Ende im Stechen gegen den Dänen Anders Hansen zu triumphieren.

Der Schlag des Jahres

Die Umstände seines Siegs waren bemerkenswert. Seine schwer kranke Mutter wollte, dass ihr Sohn in München spielt. Also spielte er. Unter dem ganz persönlichen Druck, unbedingt für sie gewinnen zu wollen, kämpfte er und kämpfte er. Wie er dann im Playoff die 18 spielte -  es geht nicht besser.

Kaymer spielte einen perfekten Drive und dann ein Eisen 6, das zu den Schlägen des Jahres auf der Tour gehören wird. Wenn es darauf ankommt, ist Kaymer da.

"Es war ein wahnsinniges Gefühl, als ich auf das 18. Grün gelaufen bin und die ganzen deutschen Fahnen gesehen habe. In Deutschland zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes für mich", sagte Kaymer.

Am besten erklärt man die Stärke des deutschen Shootingstars, der in München über weite Strecken die Konkurrenz dominierte, anhand zweier Beispiele.

Winter-Training in Arizona

Während die meisten Menschen das Weihnachtsfest im Kreis ihrer Lieben verbringen, saß Kaymer 2007 in Arizona in einem Zimmer.

Winter-Training in den USA statt Weihnachtsgans daheim in Mettmann. Wer es ganz nach vorne schaffen will, muss Opfer bringen. So ganz alleine war der 23-Jährige in Scottsdale dann aber auch nicht.

Der Schwede Alex Noren, Kaymers bester Freund auf der Tour, trainierte mit ihm zusammen.

"Das Training in Arizona war fantastisch. Es hat so großen Spaß gemacht. Manchmal sind wir nachts noch auf die Range, um Bälle zu schlagen", so Noren im Gespräch mit SPOX.com.

Nachts auf der Range

Nachts auf die Range, um ein bisschen unter Flutlicht zu trainieren. Hört sich bei allem harten und konzentrierten Training in der Tat nach großem Spaß an.

Als Noren in Eichenried von der traumhaften 63 Kaymers hörte, reagierte er, als ob es das normalste von der Welt sei.

"Martins langes Spiel ist so unglaublich gut. Wenn es beim Putten bei ihm läuft, kann er gar nicht anders, als so niedrige Runden zu schießen", meinte Noren.

Seine Drives, seine langen Eisen - Kaymer hat Talent ohne Ende. Das haben andere aber auch. Was sie aber nicht haben, ist den Kopf, wie folgende Szene zeigte.

Kaymer fragt Langer nach Rat

Als Kaymer am Freitag seine 63er-Runde an der Seite von Bernhard Langer beendet hatte, ließ er sich nicht lange feiern, sondern fragte Deutschlands Golf-Legende, was er denn noch verbessern könne. Schließlich hatte Kaymer in München zum ersten Mal die Gelegenheit, in einem Turnier mit Langer zu spielen.

Mancher wäre nicht auf die Idee gekommen, nach Verbesserungspotential zu fragen, nachdem er einen Langer gerade mal locker um fast zehn Schläge distanziert hatte. Kaymer schon.

"Es ist sehr klug von ihm, solche Fragen zu stellen. Andere Spieler wären von sich selbst total beschwingt und eingebildet gewesen. Aber so lernt man dazu. Indem man zuschaut und Fragen stellt", lobte Langer seinen legitimen Nachfolger.

"Wenn ich überhaupt einen Schwachpunkt gesehen habe, dann waren es ein paar Schläge mit dem Wedge. Alles andere war extrem gut. Ich war sehr beeindruckt. Es gibt für ihn keine Grenzen, was er erreichen kann. Er hat das komplette Paket", so Langer weiter.

Vergleich mit Woods

Mehr als sein großes Talent ist es Kaymers Charakter, der ihn zum Ausnahmespieler macht. Das gilt außerhalb des Platzes, aber auch auf dem Kurs.

Kaymer-Golf - das heißt sehr aggressiv zu spielen, aber wenn es die Situation erfordert, auch überlegt zu agieren. Die Situation an der 11 in der Finalrunde wollen wir hier mal als völlig untypischen Aussetzer vergessen.

Langer verglich ihn wegen seiner Spielwiese in München schon mit Tiger Woods und Phil Mickelson. Bei allem Respekt: Mickelson in diesem Zusammenhang zu nennen, passt dann doch nicht so ganz.

Denn der ist in den letzten Jahren zwar etwas "vernünftiger" geworden auf dem Golfplatz, aber er bleibt immer noch Phil. Der aufregendste Spieler der Welt, der durch die kleinste Öffnung aus dem Wald auf die Fahne schießt. Aber eben nicht immer überlegt spielt.

"Ich bin Martin Kaymer"

Der Vergleich zu Woods ist schon verlockender, da sie sich in ihrer Spielanlage tatsächlich sehr ähneln. Genau wie bei Woods, findet man auch auf Kaymers Scorekarte fast nie etwas Schlimmeres als Bogeys. Wie gesagt, die 8 vom Sonntag war eine Ausnahme.

"Ich bin nicht der Tiger Woods Deutschlands. Ich bin Martin Kaymer", wollte Kaymer - bescheiden wie immer - nicht in einem Atemzug mit Woods genannt werden.

Er hat ja Recht. Die unaufhörlichen Vergleiche mit Langer sind schon nur noch nervig, da sollte man es tunlichst vermeiden, auch noch den besten Sportler der Gegenwart ins Spiel zu bringen.

Woods hat Kaymer abgespeichert  

Seitdem Woods den Namen Kaymer im Februar in Dubai zum ersten Mal gehört hatte, als er vom jungen Deutschen fast besiegt worden wäre, kann man jedenfalls sicher sein, dass er ihn auf der Festplatte abgespeichert hat.

Auf der Festplatte, auf der besondere Spieler abgelegt werden. Und Martin Kaymer ist ein ganz besonderer Spieler.

Das ist keine Lobhudelei, sondern die Wahrheit. Colin Montgomerie bezeichnete ihn schon vor einigen Monaten als das größte europäische Talent.

Wer das spätestens jetzt nach der Woche in München nicht auch erkannt hat, dem kann man auch nicht mehr helfen. 

Florian Regelmann

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