Montag, 28.04.2008

Alex Cejka exklusiv

Ich brauch dann mal 6 Red Bull...

München - Wenn der Starter vor der Runde die Spieler vorstellt, hört man nur: "On the tee from Germany, Alex Cejka".

Alex Cejka, Golf
© Getty

Was die Spieler so alles erleben, bis sie pünktlich am Abschlag stehen, erfährt man nicht oft. Wenn die Zuschauer vor wenigen Wochen in New Orleans gewusst hätten, welche "Anreise" Alex Cejka gehabt hat, sie hätten gestaunt. Na ja, vielleicht hätten sie es erkennen können, dass da etwas nicht stimmt.

Im SPOX.com-Interview spricht Cejka über seine ganz besondere Nachtfahrt, Schwungflüsterer, den Traum vom Major-Sieg und Martin Kaymer.

SPOX: Was war denn bitte bei der Zurich Classic of New Orleans los? Sie wissen schon...

Alex Cejka: Nach meiner 75er Runde am Samstag und dem dadurch verpassten Cut flog ich nach Las Vegas, um zu entspannen. Doch in New Orleans zog ein Gewitter auf und die Tour entschied, dass am Sonntag alle spielen durften. Erst als ich aus dem Flugzeug stieg, habe ich davon erfahren. Um jetzt nicht das Preisgeld zu verlieren und Letzter zu werden, hetzte ich durch den Las-Vegas-Airport, denn der einzige Flug in Richtung New Orleans ging nach Houston/Texas und ich hatte nur 15 Minuten Zeit, diese Maschine zu bekommen.

SPOX: Und dann? 

Cejka: Ohne Gepäck und ohne Golfschläger, die ich in Las Vegas lassen musste, denn mein Flugzeug war noch nicht entladen, kam ich gegen 1 Uhr in Houston an. Dort mietete ich ein Auto, kaufte mir 6 Red Bull und fuhr die ganze Nacht durch, bis ich um 6.15 Uhr in New Orleans ankam. Ich lieh mir Schläger und Klamotten aus, stand 60 Minuten später am ersten Abschlag und spielte meine beste Runde der Woche.

SPOX: Wie zufrieden sind Sie bis mit Ihrer Saison?

Cejka: Ich bin eigentlich zufrieden, denn ich habe in diesem Jahr schon frühzeitig gute Platzierungen erzielt. Ich schätze, dass ich die Tourkarte für 2009 zur Hälfte bereits sicher habe.

SPOX: Sie arbeiten seit diesem Jahr mit den Trainern Andy Plummer und Mike Bennett zusammen. Wie läuft es mit den beiden? 

Cejka: Es läuft sehr gut, sie arbeiten mit ca. 20 Profis, unter anderem Brad Faxon, Mike Weir und Aaron Baddeley auf der Tour zusammen. Ihre Trainingsmethode "Stack & Tilt", bringt mich auch weiter voran. In Fachkreisen werden die beiden die "Schwungflüsterer" genannt. Das Besondere ist, dass die beiden zu jeden Turnier der US-PGA-Tour reisen und ich somit jede Woche mit ihnen trainieren kann.

SPOX: Sie hatten schon Top-10-Platzierungen dieses Jahr, dann gibt es auch wieder schwächere Wochen. Wenn man nicht gerade Tiger Woods heißt, gibt es ja praktisch bei allen Spielern gewisse Schwankungen. Wie  frustrierend ist das?

Cejka: Man möchte natürlich in jedem Turnier ganz vorne sein bzw. gewinnen, aber so einfach ist der Golfsport nicht, deshalb kommt da keine Frustration auf. Als erfahrener Spieler, der schon viele Jahre auf der Tour gespielt hat, lernt man, sich in Geduld zu üben.

SPOX: Ihr großes Ziel ist sicher nach wie vor, in Amerika ein Turnier zu gewinnen. Glauben Sie, dass es dieses Jahr passieren könnte?

Cejka: Natürlich ist ein Turniersieg auf der PGA Tour mein Ziel, ob es in diesem Jahr klappt, wer weiß? Um zu gewinnen, muß alles passen, das eigene Spiel, die Bedingungen, der Platz usw., deshalb muß man geduldig sein.

SPOX: Wenn der Knoten mal geplatzt ist, könnten dann sogar mehr Siege folgen? Lebt sogar noch der Traum von einem Major-Sieg in Ihnen? Von einer Ryder-Cup-Teilnahme?

Cejka: Der erste Sieg auf einer Tour ist immer der schwerste, ob jedoch dann weitere folgen, ist eine schwere Frage. Man hat natürlich mit einem Sieg im Rücken noch mehr Selbstvertrauen, dadurch besteht natürlich die Möglichkeit, auch weitere Siege einzufahren. Den Traum, bei einem Major zu gewinnen, hat jeder Spieler, da nehme ich mich nicht aus. Was den Ryder Cup betrifft, so habe ich nur die Möglichkeit, mich über die Weltrangliste zu qualifizieren, da ich ja ausschließlich in den USA spiele. Deshalb wird es schwer sein, sich für das europäische Team zu qualifizieren.

SPOX: Wie wichtig wäre Ihnen dieser Sieg in Amerika für ihre Karriere. Wenn es in den nächsten Jahren nicht mit einem Sieg klappen würde, fehlt dann etwas?Oder sind Sie auch so voll zufrieden mit Ihrer Karriere?

Cejka: Einen Sieg kann man nicht erzwingen, zweimal war ich ja in den letzten Jahren schon nah dran, aber es würde mir schon einen Schub geben, denn ich habe immer gesagt: Ich weiß, dass ich auch auf der PGA Tour gewinnen kann. Es würde daher schon etwas fehlen, wenn ich am Ende meiner Karriere keinen Sieg nachweisen könnte. Da ist aber noch lange hin.

SPOX: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus, wenn Sie keine Turnier-Woche haben? Gibt es etwas, woran Sie im Moment am meisten arbeiten?

Cejka: Wenn ich zu Hause bin, erledige ich persönliche Sachen, auch Wäsche waschen und alltäglich anfallende Dinge. Ich spreche viel mit meinem Management und mache die Turnierplanung für die nächsten Wochen. Außerdem trainiere ich natürlich jeden Tag, zur Zeit besonders intensiv an meinem kurzen Spiel.

SPOX: Martin Kaymer wird umjubelt, Sie haben mit ihm beim World Cup gespielt. Was ist Ihnen bei Martin besonders aufgefallen?

Cejka: Als erstes ist mir seine Ruhe und mentale Stärke aufgefallen. Für einen 23-Jährigen ist er mental vielen Spielern schon weit voraus. Wir haben uns sehr gut verstanden und es freut mich sehr, dass durch Martin der deutsche Golfsport weiter an Interesse gewinnt.

SPOX: Wie sehe ihr Traum-Vierer aus? 

Cejka: Da muss ich zwischen einem Vierer mit Pros und einem Vierer mit Amateuren unterscheiden. Bei den Pros wären es Jack Nicklaus, Bernhard Langer und Tiger Woods. Mit Jack habe ich bei meinem ersten Masters gespielt, uns verbindet eine langjährige Freundschaft und er ist ein Idol für mich. Mit Bernhard bin ich seit Jahren befreundet und er hat mich schon sehr früh angespornt, eine Karriere im Profigolf anzustreben. Tiger ist einfach der Beste und ein netter Typ. Bei den Amateuren würde ich mir eine Runde mit Clint Eastwood, Michael Jordan und Justin Timberlake vorstellen, das ist doch eine interessante Runde.

Interview: Florian Regelmann

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