Fussball

HSV stellt Jonas Boldt vor: Ziel ist der Aufstieg - keine Einigung mit Hecking

SID
Soll beim HSV die Kohlen aus dem Feuer holen: Jonas Boldt.

Jonas Boldt hat sich beim Hamburger SV "mit riesiger Vorfreude" und dem Ziel Aufstieg vorgestellt. Wenige Stunden nach der überraschenden Entlassung seines Vorgängers Ralf Becker präsentierte der neue Sportvorstand am Freitag seine Vision von einer Neuausrichtung des abgestürzten Traditionsklubs.

Jonas Boldt setzte sich lächelnd auf den Schleudersitz. Sein Vorgänger Ralf Becker war in einer weiteren kuriosen Episode der Personalposse beim Hamburger SV keine drei Stunden entlassen, da hieß es an der Elbe mal wieder: Der Nächste, bitte. Und Boldt, der sage und schreibe neunte Sportchef des HSV seit 2009, erklärte, wie er sich die x-te Neuausrichtung des abgestürzten Traditionsvereins vorstellt.

"Das ist eine enorme Herausforderung. Aber deswegen bin ich hier", sagte der 37-Jährige, der das Saisonziel Aufstieg am Freitag nicht explizit nannte, aber mehrfach andeutete. "Ich bin mit Ambitionen gekommen! Wer mich kennt, der weiß, was das bedeutet", betonte er. Den bestehenden Kader nannte er nach kurzem Zögern "interessant".

Jonas Boldt: Vertrag erfüllen wäre "ein großer Erfolg"

Boldt weiß ganz genau, was ihn erwartet. Innerhalb weniger Wochen muss er den perfekten Trainer für den Wiederaufstieg in die Bundesliga finden, zugleich benötigt die Mannschaft eine Runderneuerung - trotz arg beschränkter finanzieller Mittel. "Konträrer könnte es zu meiner vorherigen Station bei Bayer Leverkusen nicht sein", berichtete er: "Es ist hier um einiges größer und intensiver als dort. Wenn ich meinen Vertrag über zwei Jahre hier erfülle, ist das schon ein großer Erfolg."

In der Tat. Ralf Becker war dies jedenfalls nicht vergönnt. Zwölf Tage nach dem K.o. im Aufstiegsrennen und sieben Tage nach der Entlassung von Trainer Hannes Wolf musste auch der 48-Jährige seinen Stuhl räumen. Tabula rasa beim HSV, wieder und wieder. "Was soll man dazu noch sagen!?", klagte Vereins-Idol Felix Magath bei einer Veranstaltung der Bild-Zeitung: "Beim HSV geht das schon seit sechs, sieben oder acht Jahren so. Ich sehe nicht, dass sich da jetzt etwas ändert."

HSV will "das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen"

Jonas Boldt will das Gegenteil beweisen. "Erfolgreicher Fußball" ist sein Ziel, er will eine Mannschaft formen, die sich "mit Verein und Stadt identifiziert". Allzu große Versprechungen sparte er sich, weil die Fans sie zu oft gehört haben: "Wir laden die Menschen jetzt nicht zu einem Fußballerguss ein. Aber wir wollen das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen."

Dies ist - gelinde gesagt - zutiefst erschüttert. Wer den ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte als Worst Case angesehen hatte, sah sich zum Ende der Zweitliga-Saison und nun nochmals eines Schlechteren belehrt. Zunächst gab es ein Kommunikationsdesaster rund um Wolfs Entlassung, dann stürzte auch Becker, der erst im Sommer von Holstein Kiel gekommen war.

Einigung mit Dieter Hecking? "Gibt es nicht"

Kurios war dabei auch, was Becker seinem Nachfolger am Freitag hinterließ: Der kicker berichtete, es habe eine Einigung mit Trainer Dieter Hecking (zuletzt Borussia Mönchengladbach) bestanden. Boldt war noch keine fünf Minuten im Amt, da musste er sein erstes Dementi abgeben: "Eine solche Einigung gibt es nicht." Roger Schmidt, der Boldt aus Leverkusen bestens bekannt ist und derzeit in China Beijing Guoan trainiert, sei kein Thema.

Klubchef Bernd Hoffmann hat das ständige Stühlerücken beim HSV zuletzt als "Kreislauf des Schreckens" bezeichnet. Aus diesem Kreislauf wollen die Hamburger aussteigen, doch am Freitag setzten sie ihn erst einmal mit Schwung fort. Wenn Boldt sagte, er wolle die "ganze vorhandene Energie in die richtige Richtung lenken", meinte er: die negative Energie.

Fakt ist aber auch, dass der HSV einen aufstrebenden und begehrten Mann verpflichtet hat. Boldt gilt als Talente-Entdecker mit exzellentem Netzwerk. Seine Aufgaben in Leverkusen beendete der langjährige Vertraute von Rudi Völler Anfang Dezember 2018.

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