Joe Zinnbauer im Interview: "HSV? Rein fußballerisch ist das nicht zu erklären"

Joe Zinnbauer ist seit Mai 2017 vereinslos.
© imago

Seit seiner Entlassung beim FC St. Gallen im Mai 2017 ist es ruhig um Joe Zinnbauer geworden. Mal zerschlug sich eine Rückkehr des 49-Jährigen auf die Trainerbank kurzfristig, mal lehnte er selbst ein Angebot ab.

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Im Interview mit SPOX und Goal spricht der Ex-Coach des Hamburger SV und Karlsruher SC über seine Zukunft und die einmal mehr chaotischen Verhältnisse bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, der den Wiederaufstieg in die Bundesliga nach einer katastrophalen Rückrunde so gut wie verpasst hat. Dabei erklärt Zinnbauer auch, warum er Mentalität über Taktik stellt.

Herr Zinnbauer, wann sehen wir Sie wieder auf der Trainerbank?

Joe Zinnbauer: Hoffentlich bald. Ich vermisse den Wettkampf und die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz.

Sie sind mittlerweile seit zwei Jahren ohne Verein. Woran liegt's?

Zinnbauer: Ich habe mich nach meiner Zeit bei St. Gallen bewusst nicht sofort in ein neues Abenteuer gestürzt. Ich bin nicht der Typ Mensch, der das erstbeste Angebot annimmt. Arbeit um der Arbeit willen führt nicht zum Erfolg. Man sollte nichts im Leben machen, was einen nicht zu hundert Prozent überzeugt und anspornt. Wenn ich zu einem Verein will, dann mit dem Ziel, ihn unabhängig von der Ligahöhe weiterzuentwickeln. Vor mir haben schon fertige Verträge gelegen, ich habe mich mit Vereinsvertretern getroffen - oft hat dann aber die letzte Überzeugung auf einer der beiden Seiten oder auf beiden Seiten gefehlt.

Joe Zinnbauer bedauert geplatzten Deal mit Greuther Fürth

Sie standen unter anderem kurz vor einem Engagement bei Greuther Fürth. Die Fans der Fürther hatten aufgrund Ihrer jugendlichen Verbundenheit zum 1. FC Nürnberg aber etwas dagegen.

Zinnbauer: Ich hätte wirklich gerne in Fürth gearbeitet, mit dem Verein war ja auch schon alles klar. Dass die Fans aufgrund meiner Vergangenheit gegen mich waren, konnte ich auf der einen Seite verstehen. Auf der anderen Seite hätte ich mich über eine Chance von ihnen gefreut. Jeder Trainer oder Spieler gibt doch alles für den Verein, zu dem er kommt. Das sieht man ja auch an Stefan Leitl, der trotz seiner Nürnberger Vergangenheit einen ordentlichen Job in Fürth macht.

Gab es ähnliche bedauernswerte Erfahrungen für Sie wie in Fürth?

Zinnbauer: Ich hatte kurz nach meiner Entlassung in St. Gallen ein reizvolles Angebot aus Australien. Ich hielt den Zeitpunkt aber für falsch und dachte mir, ich würde lieber wieder in Deutschland und Umgebung arbeiten anstatt den großen Schritt weg aus Europa zu wagen. Das würde ich heute anders machen.

Warum hat sich Ihre Denkweise geändert?

Zinnbauer: Es wäre ein Traum für mich, eines Tages wieder in der Bundesliga oder 2. Liga zu arbeiten. Ich weiß aber auch, dass das aktuell nicht einfach ist. Der Trainermarkt in Deutschland ist übersättigt, es kommen viele Kollegen nach. Gerade viele jüngere Trainer, die einmal bei einem Bundesligisten entlassen worden sind, haben Schwierigkeiten, wieder reinzukommen. Man muss sich in Geduld üben.

Joe Zinnbauer erwägt Wechsel ins Ausland

Ist Ihre Geduld am Ende?

Zinnbauer: Das würde ich so nicht sagen. Ich bin aber bereit und weiß, dass es im auch im Ausland schön sein kann. Ich hatte eine wunderbare Zeit in der Schweiz. Die Arbeitsbedingungen bei St. Gallen waren hervorragend, ich habe aufgrund der Nähe zu Italien und Frankreich viele verschiedene Kulturen und Mentalitäten kennen gelernt. Wichtig ist mir: Der Schritt, der jetzt kommt, muss passen. Denn dann werden einige hinschauen und sich fragen, ob ich nach zwei Jahren noch gut genug für den Job bin.

Wirtschaftlich gesehen müssen Sie sich keine Sorgen machen. Sie haben bereits als junger Erwachsener ein Finanzberatungsunternehmen gegründet und damit seitdem viele Millionen verdient.

Zinnbauer: Die Firma habe ich schon vor langer Zeit verkauft. Ich will Spaß an dem haben, was ich mache. Und deshalb bin ich derzeit durchgängig mit Fußball beschäftigt. Ich bilde mich weiter und sehe mir viele Spiele an.

Auch die des Hamburger SV?

Zinnbauer: Selbstverständlich.

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