Fussball

Chronologie einer verrückten Saison von 1860 München: Das Löwen-Jahr zum Brüllen

SPOX blickt auf die chaotische Saison des TSV 1860 München zurück

10. Januar 2017

Während sich die Mannschaft im portugiesischen Troia auf die Rückrunde vorbereitet (beim teaminternen Kart-Rennen siegt Berichten zufolge Trainer Pereira vor Rodnei), lässt Ismaik auf Facebook freudig verlauten: "Für mich hat 2017 eine neue Zeitrechnung begonnen." Scout Peer Jaekel wird entlassen.

22. Januar 2017

Trotz etlicher Gerüchte hat 1860 noch keinen Winter-Neuzugang vorgestellt. Ismaik beruhigt die Löwen-Fans: "In dieser Woche werden die versprochenen Neuzugänge kommen." Pereira hätte bereits "Spieler selektiert, die für die große Herausforderung 1860 bereit stehen".

31. Januar 2017

Ismaik macht seine Ankündigungen wahr und verpflichtet insgesamt fünf von Pereira selektierte Spieler. Es kommen der Däne Christian Gytkjaer vom norwegischen Erstligisten Rosenborg, der Brasilianer Amilton und der Ghanaer Lumor vom portugiesischen Zweitligisten Portimonense, der Senegalese Abdoulaye Ba vom portugiesischen Erstligisten Porto sowie der Kameruner Frank Boya vom kamerunischen Erstligisten Apejes. Blaue Pfeife hat keiner dabei, Gytkyaer dafür ein durchaus kurioses Hobby: Der Däne entkleidet sich leidenschaftlich gerne in der Öffentlichkeit. Den Zeitungen Bild, tz und Müncher Merkur werden die Dauerakkreditierungen für die Spiele in der Allianz Arena entzogen. Es gebe "keine Basis für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit", erklärt Power.

22. Februar 2017

Nach dem Sieg gegen Nürnberg lädt Ismaik alle Spieler samt Partnerinnen zum Essen in ein Luxushotel ein, Karim Matmour und seine Ehefrau sind jedoch nicht erwünscht.

24. Februar 2017

1860 verbannt Karim Matmour zur Reserve-Mannschaft.

25. Februar 2017

Pereira gewinnt drei seiner ersten vier Spiele, ehe es bei Union Berlin eine 0:2-Pleite setzt. Mitentscheidend für die Niederlage wären laut Ismaik die "katastrophalen Platzbedinungen" gewesen. Seine Spieler wären "auf so einen Acker nicht vorbereitet" gewesen und sind deshalb "im wahrsten Sinne des Wortes ausgerutscht". Ismaik ersucht via Facebook: "Ich wäre dem DFB bzw. der DFL sehr dankbar, wenn alle Vereine aus Fairnessgründen angehalten werden, für eine ordentliche Spielfläche zu sorgen."

4. März 2017

Trotz ordentlicher Spielfläche verliert 1860 in der Allianz Arena gegen St. Pauli. Unangebrachterweise feierten die Gäste-Verantwortlichen die Torerfolge ihrer Mannschaft. "Als unsere Gremiumsmitglieder, die in unmittelbarer Nähe zu Herrn Ismaik saßen, nach dem Ausgleich jubelten, wurden sie von einem Ordner zur Mäßigung aufgerufen. Nach weiterem Jubel nach dem 2:1 wurden sie aufgefordert, die Plätze zu verlassen und sich umzusetzen", empört sich St. Paulis Sportchef Andreas Rettig.

10. März 2017

Auf Facebook entkräftet Ismaik die Vorwürfe. Die St.-Pauli-Verantwortlichen seien umgesetzt worden, weil "uns immer wieder die Sicht versperrt wurde". Außerdem beteuert er: "1860 steht für seine herzliche Gastfreundschaft." Der zur Reserve verbannte Matmour zieht eine Vertragsklausel und bindet sich vorzeitig bis 2019 an 1860.

12. März 2017

1860 wird in Hannover herzlichst empfangen (Ismaik: "Bedanken will ich mich für die herausragende Gastfreundschaft von Hannovers Präsident Martin Kind.") und überlässt der Heimmannschaft die drei Punkte.

13. März 2017

Matmour klagt vor dem Arbeitsgericht gegen seine Versetzung in die Reserve (siehe 24. Februar). Es läge dabei ein Verstoß gegen das Maßregelungsverbot vor. Vor Gericht präsentiert Matmour eine SMS von Power, in der er ihm einige Tage vor der Strafversetzung drohte, Matmour müsse zur Reserve, sollte er sich nicht nach China transferieren lassen.

16. März 2017

Die entlassenen Trainer Runjaic, Geschäftsführer Eichin und Scout Jaekel (siehe 22. November und 10. Januar) streiten vor dem Arbeitsgericht mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber über Abfindungszahlungen. Einen konkreten Vorwurf äußert 1860 lediglich gegen Scout Jaekel. Dabei soll es sich um "die Fehleinstellung eines Fußballers" handeln, wie Jaekels Anwalt erklärt. Und zwar kurioserweise um Sebstian Boenisch (siehe 6. Oktober), der zu diesem Zeitpunkt der Saison unumstrittener Stammspieler ist. Es wird keine Einigung erzielt, die Prozesse werden fortgesetzt.

27. März 2017

Ismaik teilt über Facebook mit, dass die Pläne eines eigenen Stadions am Münchner Stadtrand in Riem wegen "existierender Nutzungskonflikte" nicht verwirklicht werden können. Als Alternative nennt er das Olympiastadion.

1. April 2017

Ismaik kündigt nach zwei Siegen in Folge die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Ian Ayre (vormals FC Liverpool) an und präsentiert gleichzeitig neue Stadion-Wünsche: "Mit Ayre wollen wir (...) alles Menschenmögliche unternehmen, damit der TSV 1860 eines Tages wieder im allseits geliebten Grünwalder Stadion spielen darf."

3. April 2017

Ayre stellt sich mit launigen Sprüchen der Presse vor. Der Engländer beteuert, er habe nicht gewusst, dass es in München neben den Löwen noch einen anderen Fußballklub gebe und erklärt: "Jürgen Klopp gab mir ein paar Tipps, was das Biertrinken betrifft." Blaue Pfeife hat auch er keine dabei.

21. April 2017

"Schon seit Stunden kribbelt es in mir", erklärt Ismaik vor dem Spiel bei Kaiserslautern auf Facebook. Ganz kribbelig köpft dann Gytkyaer den Ball ins eigene Tor und die Löwen somit zur Niederlage.

24. April 2017

Geschäftsführer Ayre sagt, ein möglicher Abstieg wäre ein "Desaster epischen Ausmaßes". Löwen-Sponsor MAN "beschenkt" seine Mitarbeiter derweil mit 13.000 Freikarten für das anstehende Heimspiel gegen Braunschweig.

30. April 2017

Vor fast 40.000 Zuschauern verliert 1860 gegen Braunschweig und rutscht erstmals seit Oktober auf den Relegationsplatz ab. Anschließend sind die Fremdsprachen-Kenntnisse der beiden Trainer das bestimmende Thema. "Wenn ich meine Spanisch-Kenntnisse richtig werte, hat mich Herr Pereira als '...sohn' bezeichnet. Das ist beschämend für den Verein 1860 München", sagt Lieberknecht über den portugiesischsprachigen Portugiesen Pereira. Dieser antwortet: "Ich glaube, Lieberknecht versteht kein Portugiesisch. Deswegen ist es eine Lüge zu sagen, dass ich ihn beleidigt hätte."

10. Mai 2017

Nach einem Sieg bei Dynamo Dresden klettert 1860 auf Rang 14 und will beim letzten Heimspiel der Saison gegen Bochum den Klassenerhalt perfekt machen. Ismaik kündigt auf Facebook an: "Ich komme selbstverständlich auch aus Abu Dhabi. Merkt Euch eines: Wir sind nur gemeinsam stark!"

13. Mai 2017

"Leider habe ich für das Wochenende kurzfristig einen wichtigen und unaufschiebbaren Termin in Los Angeles bekommen, so dass ich bei unserem wichtigen Spiel gegen Bochum leider nicht im Stadion sein kann", schreibt Ismaik auf Facebook.

14. Mai 2017

Um 06.30 Uhr Ortszeit Los Angeles wird das Spiel der Löwen gegen Bochum angepfiffen. Knapp zwei Stunden später hat 1860 verloren und ist auf den Relegationsplatz zurückgekehrt.

16. Mai 2017

Der verletzte Victor Andrade posiert mit seinem Trikot und Barcelona-Star Neymar.

20. Mai 2017

Der Prozess gegen Ex-Scout Jaekel geht in die nächste Runde (siehe 16. März). Löwen-Anwalt Tassilo König erscheint alleine vor dem Arbeitsgericht und antwortet auf die Frage, ob Power denn noch 1860-Geschäftsführer sei: "Nein, das ist jetzt der Herr Ian, es fällt mir gerade nicht ein, wie er mit Vornamen heißt." Ian heißt mit Vornamen Ian, mit Nachnamen dagegen Ayre. Endgültige Einigung wird keine erzielt.

21. Mai 2017

1860 führt in Heidenheim bis zur 86. Minute und wäre damit gerettet, kassiert dann aber noch zwei Gegentore und muss in die Relegation. Auf die Frage, ob er dabei auf der Bank sitzen werde, sagt Pereira: "Das ist ein Witz, oder?" Er wolle nur seriöse Fragen beantworten. Präsident Peter Cassalette erklärt, der Verein stehe zu "achtzehnhundertsechzig Prozent" hinter Pereira.

26. Mai 2017

Die Prozentangabe "achtzehnhundertsechzig" war nicht übertrieben, Pereira sitzt in Regensburg tatsächlich auf der Bank. Trotz frühen Rückstands, Platzverweis und Elfmeter gegen sich, holt 1860 beim Relegations-Hinspiel ein 1:1. Optimistisch äußert sich Pereira zum Rückspiel: "Ich glaube, wir werden diese Prüfung bestehen."

29. Mai 2017

Auch Ismaik meldet sich noch einmal via Facebook zu Wort. Die Fans beruhigt er: "Es ist völlig an den Haaren herbeigezogen, dass ich im Abstiegsfall den TSV 1860 möglicherweise verlassen werde. (...) Ich stehe zu meinem Wort, weil ich mich in die Löwen verliebt habe. (...) Ich werde 1860 nicht im Stich lassen." Die Vergangenheit sieht er negativ: "Was ich mir vorwerfen muss, ist, dass ich sogenannten Fachleuten vertraut habe (siehe 8. Juni, 12. August, 16. September, 24. September, 26. September, 22. November, 19. Dezember und 1. April), ohne zu hinterfragen, was mit meinem Geld eigentlich passiert. Hier war ich blauäugig. (...) Alles, was ich in den vergangenen Jahren unternommen habe, um den Verein voranzutreiben, ist auf allen Ebenen gescheitert." Die Gegenwart sieht er realistisch: "Wir haben seit Sommer 2016 viele Millionen in die Mannschaft gesteckt und neben Stuttgart sowie Hannover den teuersten Kader. Und was kam dabei heraus? Die Relegation!"

Alles zum TSV 1860 München

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