"Ich war für die Medien eine Zielscheibe"

Freitag, 06.01.2017 | 11:04 Uhr
Von 2003 bis 2014 war Cacau für den VfB Stuttgart im Einsatz - dabei gelangen ihm 109 Treffer
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Elf Jahre war Cacau für den VfB Stuttgart im Einsatz und durchlebte mit dem Verein eine seiner erfolgreichsten Epochen. Im Interview mit SPOX spricht er über seine neue Aufgabe als DFB-Integrationsbeauftragter, über die Probleme einer Flüchtlingsfamilie, alte Weggefährten und wagt einen Ausblick auf den "neuen VfB".

SPOX: Cacau, das Thema in Deutschland ist nun seit einem Jahr die Flüchtlingsproblematik. Sie sind seit kurzer Zeit der DFB-Integrationsbeauftragte und sind nun Teil der Debatten. Keine leichte Aufgabe.

Cacau: Ich war seit 2010 Integrationsbotschafter für den DFB und habe in dieser Zeit bereits viele Veranstaltungen besucht. Schließlich kam der Verband mit dieser Idee auf mich zu, bei der ich jetzt auch aktiv den Inhalt mitgestalten kann und nicht nur repräsentative Aufgaben übernehme. Es ist natürlich eine Herausforderung, besonders in diesen innenpolitisch schwierigen Zeiten, aber ich freue mich sehr darauf.

SPOX: Wie bewerten Sie die aktuelle Lage?

Cacau: Das ist ein extrem schwieriges Feld, das stark von Missverständnissen und Vorurteilen geprägt ist. Durch einzelne Geschichten werden Argumente gesammelt und von beiden Seiten Urteile gefällt. Dabei muss man bei diesem komplexen Thema immer wieder differenzieren. Es ist eine sehr angespannte Lage: Egal, wie man sich äußert, jeder wird sofort in eine Schublade gesteckt. Deshalb ist es so wichtig, auch mit den Leuten zu sprechen, die vielleicht nicht der eigenen Meinung sind. Hier muss ein gemeinsamer Weg gefunden werden. Es ist eine Herausforderung für dieses Land und es ist alles andere als einfach, aber nur eine sachliche Auseinandersetzung bringt uns wirklich weiter.

SPOX: Sie selbst waren einmal neu in diesem Land. Was hatten Sie für ein Bild von Deutschland?

Cacau: Da gab es noch die alten Vorurteile: In Deutschland musst Du aufpassen, Rassismus ist dort ein großes Problem. Das kam allerdings von Leuten, die noch nie in Deutschland waren. Ich war gespannt, was mich erwartet. Schließlich war es das komplette Gegenteil. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen, sehr positiv angesprochen, was mir ungemein geholfen hat. Dadurch fühlst du einen viel stärkeren Drang, dich selber einzubringen, die Sprache zu lernen und Kontakte zu pflegen.

SPOX: Der Fußball wird immer internationaler, das DFB-Team ist inzwischen auch total multikulti. Wird über solche Probleme auch im Team gesprochen?

Cacau: Grundsätzlich glaube ich an die verbindende Kraft von Fußball. Jeder ist auf dem Platz gleich. Es gibt einen Ball, einheitliche Regeln und die Herkunft ist dabei völlig egal. Vielleicht war es deshalb im DFB-Team oder beim VfB Stuttgart nur selten ein Thema. Für Spieler, die direkt aus dem Ausland kommen, wird ohnehin viel getan, damit sie sich wohlfühlen. Da gibt es eigentlich keine Hürden. Die Probleme einer Flüchtlingsfamilie sehen da ganz anders aus: Es gibt die Menschen, die sie hier nicht akzeptieren, es warten viele Herausforderungen, die sie häufig nicht alleine bewältigen können. Dazu kommt eine neue Art der Bequemlichkeit, die vielleicht das Gefühl vermittelt, dass man doch nicht die Sprache lernen oder sich hier einbringen muss.

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SPOX: Auch Sie sind noch einmal ins Ausland gegangen und spielten ein Jahr in Japan bei Cerezo Osaka. Wie fällt ihr Fazit aus?

Cacau: Das war eine sehr schöne Erfahrung. Meine ganze Familie hat sich in Japan sehr wohl gefühlt. Wir haben tolle Leute kennengelernt, eine neue Kultur, ein neues Land. Gerade die Mentalität unterscheidet sich noch einmal extrem von der in Europa oder Südamerika. Das war ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

SPOX: Macht sich das auch beim Fußball bemerkbar?

Cacau: Die Fans sind wirklich mit Begeisterung dabei, immer gut gelaunt und immer mit voller Unterstützung. Der große Unterschied ist vor allem der fehlende Druck von Seiten der Fans. Wenn es schlecht läuft, gibt es kaum Kritik. Da wird dann einfach noch mehr unterstützt und weiter fröhlich angefeuert. Das war schon mal etwas anderes. (lacht)

SPOX: Bevor Sie sich ins Abenteuer Japan stürzten, endete nach elf Jahren vorerst das Kapitel VfB Stuttgart. Können Sie sich noch daran erinnern, mit welchem Gefühl Sie damals nach Stuttgart wechselten?

Cacau: Im Fußball sieht man die Dinge eher kurzfristig. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass sich das zu so einer langen Geschichte entwickeln würde. Als mir nach der Saison 2005/06 ein Wechsel nahegelegt wurde, war ich auf der Suche, aber irgendwann habe ich mir gesagt: 'Ich lasse mich hier nicht abschieben!' Dann lief die Vorbereitung so gut, dass mir vom Trainer gesagt wurde, dass ich auf keinen Fall gehen darf. Es folgte die Meistersaison. Das war dann auch ein Stück weit Genugtuung.

SPOX: Die Meistersaison ist das perfekte Stichwort. Damals spielten im Team auch die jungen Sami Khedira und Mario Gomez. Konnte man damals schon absehen, dass die Zwei mal solche Karrieren hinlegen würden?

Cacau: Marios Karriere hat mich schon überrascht. Den Torabschluss hatte er schon immer, aber alles andere hat er sich sehr hart erarbeitet. Bei Sami war es wirklich nur eine Frage der Zeit. Er hatte damals mit Verletzungen zu kämpfen und wäre sonst schon viel früher bei uns durchgestartet. Dazu hat auch sein selbstbewusster Charakter beigetragen, der mit jedem Erlebnis gewachsen ist.

Seite 1: Cacau über die Flüchtlingsproblematik, Vorurteile und ehemalige Kollegen

Seite 2: Cacau über die Meistersaison 2007, den Abstieg und die Liebe der Fans

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