"Man kann die Tage runterzählen"

Von Interview: Jan-Luc Treumann
Montag, 07.11.2016 | 12:48 Uhr
Tayfun Korkut ist derzeit Trainer beim 1. FC Kaiserslautern
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Nach über einem Jahr ohne Job heuerte Tayfun Korkut im Sommer beim 1. FC Kaiserslautern in der 2. Liga an. Der ehemalige Trainer von Hannover 96 spricht im Interview über die jüngere Vergangenheit, die Herausforderung FCK und seine Spielidee.

SPOX: Herr Korkut, am Silvestertag 2013 wurden Sie Trainer von Hannover 96 und mussten im April 2015 gehen. Seit Juni arbeiten Sie nun beim 1. FC Kaiserslautern. Wie haben Sie die Auszeit vom Trainerjob verbracht?

Tayfun Korkut: Es war definitiv keine Urlaubszeit. Ich habe reflektiert, was in den 16 Monaten bei Hannover alles passiert ist. Natürlich habe ich auch die Ligen weiter beobachtet, um vorbereitet zu sein, falls sich ein neuer Job ergibt. Nebenbei konnte ich mal wieder viel Zeit mit meiner Familie verbringen.

SPOX: Haben Sie auch über den Tellerrand hinaus in andere Länder und Ligen geschaut?

Korkut: Ja. Durch meine Spielerkarriere habe ich noch viele Kontakte ins Ausland, so dass ich mit ein paar Trainerkollegen in Spanien, der Türkei und England hospitieren konnte. Wir haben uns dort einige Spiele angesehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie in anderen Ligen Fußball gespielt wird.

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SPOX: Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Korkut: Konkrete Erkenntnisse stehen gar nicht so sehr im Vordergrund. Es geht eher darum, ein Gefühl für Geschwindigkeit, Dynamik und den Fußballstil der jeweiligen Liga zu bekommen. Ich wollte live im Stadion sehen, worauf Wert gelegt wird.

SPOX: Wie fiel das Fazit Ihrer Zeit in Hannover aus?

Korkut: Positiv. Bei meinem Antritt steckten wir in einer schwierigen Lage. Ich habe dann einen Neuaufbau eingeleitet, der auch fruchtete. Am Ende kam eine Phase, in der die Konstanz fehlte. Da kamen in 16 Monaten viele wertvolle Erfahrungen zusammen.

SPOX: Nach Ihrem Aus bei 96 wurden Sie immer wieder im Dunstkreis möglicher Trainerkandidaten genannt. Mit Eintracht Frankfurt sollen Sie schon sehr weit gewesen sein. Wieso kam es nicht schon vor der Anstellung beim FCK zu einer Einigung?

Korkut: Dazu möchte ich mich nicht konkret äußern. Dass es in dieser Zeit immer mal wieder Gespräche mit Vereinen gab, ist ja ganz normal.

SPOX: Wie sind Sie persönlich mit der Zeit ohne Job umgegangen?

Korkut: Mir kam sie gar nicht so lang vor. (lacht) Es gibt ja auch Trainer, die sich bewusst ein Jahr Auszeit nehmen. Ich hatte ein Jahr Auszeit bekommen und war währenddessen nicht unruhig. Ich habe versucht, die Phase so gut wie möglich zu nutzen - beruflich wie privat. Ich konnte auch einmal Dinge tun, für die während des Trainerjobs niemals Zeit wäre.

SPOX: Was hat nun den Ausschlag für Kaiserslautern gegeben?

Korkut: Die guten Gespräche mit den Verantwortlichen. Ich bin auf Personen getroffen, die neu im Verein sind und ihn in eine neue Richtung lenken wollen. Sie haben mich überzeugt, hier anzutreten. Ich wusste, dass die Situation beim FCK nicht einfach ist - und trotzdem eine wirklich lohnende Herausforderung.

SPOX: Der Schritt in die 2. Liga war für Sie nie ein Grund zur Absage?

Korkut: Nein. Auch wenn wir nicht mehr erstklassig spielen, ist Kaiserslautern in Deutschland noch immer ein Klub mit enormer Strahlkraft. Deshalb ist es für mich eine tolle Aufgabe. Es ist natürlich legitim, als Trainer zu sagen, man wolle nur in der ersten Bundesliga arbeiten. Das muss jeder für sich entscheiden. Aber es gibt auch Projekte, da ist die Liga egal.

SPOX: Bei aller Strahlkraft ist die wirtschaftliche Dimension jedoch eine andere. In Hannover gab es in Martin Kind eine Art finanzieller Sicherheit, der FCK dagegen ist alles andere als ein Krösus.

Korkut: Die Möglichkeiten sind natürlich nicht mit denen in Hannover zu vergleichen. Das ist eben bei jedem Verein unterschiedlich. Wir wissen hier natürlich, wie schwer es ist, wenn man aus der Bundesliga abgestiegen ist und dann einige Jahre in der 2. Liga verharrt.

Seite 1: Korkut über seine Zeit ohne Job, die 2. Liga und Hannover 96

Seite 2: Korkut über Weggefährten Löw und del Bosque und den idealen Fußball

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