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Donnerstag, 22.09.2016 | 19:00 Uhr
Hannes Wolf ist neuer Cheftrainer beim VfB Stuttgart
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Hannes Wolf wechselt von Borussia Dortmunds U19 auf den Cheftrainersessel des VfB Stuttgart. Der 35-Jährige und die Schwaben beweisen damit Mut zum Risiko. Für Wolf, dessen Fußball Gemeinsamkeiten mit der Spielidee von Jürgen Klopp aufweist, schließt sich damit ein Kreis.

Am vergangenen Mittwoch, kurz vor Mitternacht und genau eine Woche, bevor er als neuer Cheftrainer des VfB Stuttgart vorgestellt wird, befindet sich Hannes Wolf in einem Hotel in Warschau.

Seine Augen wirken leer, vor ihm steht ein Kaltgetränk. Sein Trainerteam sowie die beiden BVB-Nachwuchschefs Lars Ricken und Edwin Boekamp sitzen oder stehen um Wolf herum und sie alle sehen ziemlich mitgenommen aus.

Die Ursache für die mäßige Stimmung lag da schon gut sieben Stunden zurück und trug sich in einem nördlichen Stadtteil von Polens Kapitale zu.

Turbulente Woche für Wolf

Borussia Dortmunds U19-Spieler Dario Scuderi verletzte sich nachmittags beim Youth-League-Spiel gegen Legia schwer am Knie und jedem, der das gesehen hatte, war klar, dass das Schicksal in diesem Moment unerbittlich über den 18-Jährigen hereingebrochen ist.

Es spricht für Wolf und kennzeichnet ihn sogleich als Mensch und Trainer, dass sich der Name Scuderi unter seine ersten Worte als VfB-Verantwortlicher mischte. Angesprochen auf die turbulente Entwicklung der vergangenen sieben Tage schickte Wolf bei seiner offiziellen Vorstellung als Nachfolger des zurückgetretenen Jos Luhukay Genesungswünsche an seinen ehemaligen Spieler.

Scuderi muss mit den bedauerlichen Begebenheiten vorerst leben, für Wolf dagegen hatte das Schicksal etwas unerwartet Positives parat. Nämlich einen Anruf aus Stuttgart, in Person von Sportdirektor Jan Schindelmeiser.

Doppelter Mut zum Risiko

Dass beide Parteien am Ende zusammenfanden, muss als doppelter Mut zum Risiko gewertet werden. Wolf hatte als Jugendtrainer in Dortmund seit 2009 herausragende Arbeit geleistet, die sich nicht nur an den drei aufeinanderfolgenden Meistertiteln mit der U17 (2014, 2015) und U19 (2016) ablesen lässt.

Wolf erarbeitete sich beim BVB den Ruf des geerdeten Kommunikators mit der unabdingbaren Portion Menschenverstand und Empathie im Gepäck, die im heutigen Hochleistungssport womöglich gar wichtiger ist als die bloße Fachkompetenz. Die Chance Stuttgart zu ergreifen, nachdem sich zuvor schon andere Klubs nach ihm erkundigt hatten, ergibt zum aktuellen Zeitpunkt viel Sinn.

Doch sie birgt eben auch Gefahren, gerade bei einem seit Jahren konzeptlos durch die Gegend taumelnden Klub wie dem VfB. Der sportliche Druck wird von Tag eins an auf Wolf lasten. Seine Maßnahmen sollten auf Anhieb greifen, am Ende der Saison muss der Aufstieg stehen. Das wurde am Mittwochnachmittag im Stuttgarter Presseraum zwar sehr verklausuliert besprochen, die Rückkehr in die Bundesliga bleibt aber das beinahe alternativlose Ziel.

"Ausdruck unserer Strategie der nächsten Jahre"

Umso überraschender ist Wolfs Wahl mit Blick auf die VfB-Verantwortlichen. Es hätte wohl die Wenigsten verwundert, wäre statt eines bundesweiten Nobody ein Trainer mit prominenter Vita gekommen.

Eine solche Entscheidung wäre gewissermaßen auch typisch für die Schwaben gewesen. Dass Schindelmeiser seinen Wunschkandidaten beim ambivalenten Stuttgarter Aufsichtsrat durchgesetzt bekam, ist ein erstes Anzeichen auf Besserung. Und die Reihenfolge stimmt nach dem Luhukay-Missverständnis auch wieder: Sportdirektor ist da und wählt Trainer aus.

Vielleicht lag in diesem Moment auch einfach nichts näher, als es dieses Mal mit einem aufstrebenden Nachwuchscoach ohne Stallgeruch zu versuchen. "Grundsätzlich ist das auch Ausdruck unserer Strategie für die nächsten Jahre", skizzierte Schindelmeister.

Debüt in Geburtsstadt Bochum

Ganze elf Trainer haben die Cannstatter seit dem Meistertitel 2007 verschlissen, jeder dieser Übungsleiter ging mit einer unterschiedlichen Ausgangsposition ans Werk. Langfristig etwas Substanzielles aufzubauen gelang jedoch keinem von Wolfs Vorgängern.

Für den 35-Jährigen schließt sich gewissermaßen ein Kreis. In seiner Geburtsstadt Bochum wird Wolf am Freitagabend sein Debüt als Profitrainer feiern. Dort, wo er den Tag über für sein Studium der Sportwissenschaften büffelte und abends als Spielertrainer beim B-Ligisten SG Eintracht Ergste aus Schwerte mit nur 25 Jahren seine Laufbahn als Coach startete.

Die führte ihn letztlich in die Jugendabteilung des BVB und siehe da, die Medien hatten daran einen nicht zu verachtenden Anteil. Im Januar 2009 nämlich war Wolf als Westfalenliga-Trainer beim ASC 09 aus dem Dortmunder Bezirk Aplerbeck angestellt und ging auf eine Veranstaltung der Ruhr Nachrichten.

Wolf hospitierte bei Tuchel

Dort überreichte man ihm die Trophäe für Dortmunds Sportler des Jahres, am selben Abend begegneten sich Wolf und Jürgen Klopp das erste Mal. Der ließ seine Handynummer da, wenig später trug Wolf dann die schwarzgelben Farben. "Ohne Jürgen Klopp würde ich hier nicht sitzen", sagte Wolf nun bei seiner Vorstellung, jetzt in rot-weiße Farben gekleidet.

Wolf pflegte über Jahre hinweg einen regelmäßigen Austausch mit Klopp und dessen Trainerteam, bei Thomas Tuchel hospitierte er während des Wintertrainingslagers in Dubai. Seine Denke als Trainer ähnelt jedoch mehr der seines Mentors. "Wir wollen schnell, intensiv und emotional Fußball spielen", sagte Wolf am Mittwoch - eben jene Schlagworte, die Klopps Philosophie maßgeblich kennzeichnen.

Wolf bringt seinen langjährigen Co-Trainer Miguel Moreira mit auf den Wasen, die genaue Besetzung des Funktionsteams wird sich erst in den nächsten Wochen final herauskristallisieren. Neben der fachlichen Arbeit auf dem Platz wird Wolfs zunächst primäre Aufgabe darin liegen, seinen neuen Spielern den Fußball zu veranschaulichen, der ihn erfolgreich gemacht hat.

Lieblingswappen VfB

"Ich habe Lust auf Gespräche auf Augenhöhe", sagte Wolf. "Du musst ehrlich und aufrichtig zueinander sein. Die Art, wie wir mit Menschen umgegangen sind, hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind."

Gelingt es Wolf mit seiner menschlichen Sozialkomponente und der Unterstützung alter Bekannter wie Daniel Ginczek, Kevin Großkreutz und Mitch Langerak schnell eine neue Dynamik in Kader und Kabine zu entfachen, ist dem VfB mit seinem gerade in der Offensive stark besetzten Kader zuzutrauen, zum dominanten Team der Liga zu werden.

"Bei Bundesliga Manager Professional war mein Lieblingswappen immer das des VfB", sorgte Wolf gegen Ende seiner Vorstellung für ein Schmunzeln im Raum. Dieses Emblem leuchtete ihm einst aus einer fiktiven Welt am Computer entgegen, heute trägt er es auf der Brust. Der Karrieremodus hat begonnen.

Hannes Wolf im Steckbrief

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