Montag, 16.05.2016

SC Paderborn steht vor Scherbenhaufen

"Als Verein komplett versagt"

Der SC Paderborn hat den zweiten Abstieg innerhalb eines Jahres nicht mehr verhindern können und muss sich wie der FSV Frankfurt für die 3. Liga neu aufstellen. Der MSV Duisburg dagegen hat in der Relegation noch eine Chance auf den Klassenerhalt.

Der SC Paderborn musste den zweiten Abstieg in Folge erleiden
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Der SC Paderborn musste den zweiten Abstieg in Folge erleiden

Zwischen dem Höhepunkt der Vereinsgeschichte und der absoluten Depression lagen beim SC Paderborn gerade einmal 20 Monate: Nach dem 83-Meter-Tor von Moritz Stoppelkamp zum 2:0 gegen Hannover 96 im September 2014 sprang der damalige Neuling noch sensationell an die Tabellenspitze der Bundesliga, doch nur rund eineinhalb Jahre später steht seit Sonntag der Abstieg der Ostwestfalen aus der 2. Liga fest. Präsident und Mäzen Wilfried Finke zog keine 24 Stunden später Konsequenzen aus dem "Sturzflug" seines Klubs und erklärte zusammen mit zwei Stellvertretern seinen Rücktritt.

Paderborns enttäuschte Anhänger hatten tags zuvor nach dem entscheidenden 0:1 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg Rauchbomben gezündet und die Spieler als "Versager" beschimpft, während Rekordmann Stoppelkamp den Finger tief in die Wunde legte. "Der Verein hat komplett versagt. Wer nach 34 Spieltagen Letzter ist, hat den Abstieg auch verdient", sagte der 28-Jährige sichtlich enttäuscht bei Sky. "Es hat", ergänzte Abwehrspieler Thomas Bertels, "vom ersten Tag an nicht gepasst. Da hätten wir noch vier oder fünfmal den Trainer wechseln können."

Alle Positionen sind offen

Eine Saison voller Pannen und Peinlichkeiten, die auf ewig mit dem Missverständnis Stefan Effenberg als Trainer ohne gültigen Trainerschein verbunden bleiben wird, mündete für die Ostwestfalen im GAU. Trainer René Müller darf zwar trotz der verpassten Rettung bleiben und den Neuanfang in der 3. Liga leiten, doch bleiben noch viele Baustellen für Finkes Nachfolger Martin Hornberg.

Sicher ist in Paderborn eigentlich nur eines: Der Klub muss künftig viel kleinere Brötchen backen. Das TV-Geld reduziert sich um rund 90 Prozent auf nur noch 750.000 Euro, zudem läuft der Vertrag mit dem Trikotsponsor aus. Der Gesamtetat von 20 Milionen Euro muss wenigstens halbiert werden. Einen Sportdirektor, der die Planung des neuen Kaders mit reduziertem Budget vorantreiben könnte, gibt es seit der Entlassung von Michael Born im vergangenen März jedoch nicht mehr.

"Das ist eine absolute Katastrophe"

Rund 100 km weiter westlich dagegen feierte der MSV Duisburg nach dem 1:0 (0:0) gegen Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig den Sprung in die Relegation fast schon wie den sicheren Klassenerhalt. "Dass wir jetzt noch zwei Spiele bekommen, hätte vor einigen Wochen kaum jemand für möglich gehalten", sagte Trainer Ilja Grujew. Vier Siege aus den letzten sechs Spielen bescherten dem Aufsteiger aber doch noch Platz 16 und damit die zweite Chance auf die Rettung. Gegen Drittliga-Aufsteiger Würzburger Kickers (20. und 24. Mai) sind die Zebras, 1964 Vizemeister der ersten Bundesliga-Saison, favorisiert.

Wegen des MSV-Sieges konnte den punktgleichen FSV Frankfurt auch das 2:1 (0:0) gegen 1860 München nicht mehr retten. Letztlich bedeuteten vier zu wenig erzielte Tore für die Hessen den bitteren Gang in die Drittklassigkeit. "Das ist eine absolute Katastrophe für die Stadt und den Klub", sagte Mittelfeldspieler Besar Halimi.

Wie Geschäftsführer Clemens Krüger zuletzt andeutete, fehlt dem FSV die Wirtschaftskraft, um mit aller Macht den direkten Wiederaufstieg anpeilen zu können. Krüger selbst will das Projekt dennoch angehen. "Ich werde mich nicht davonstehlen."

Offen ist die Zukunft von Trainer Falko Götz: "Ich weiß noch nicht, wie es mit mir weitergeht. Es verbietet sich auch, jetzt schon über die Zukunft zu reden. Die Verantwortlichen haben andere Dinge im Kopf - und ich auch."

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