Leipzig-Kapitän Dominik Kaiser im Porträt

Der ungewöhnliche Weg

Von Sebastian Schuch
Dienstag, 17.05.2016 | 13:04 Uhr
Dominik Kaiser spielt mit RB Leipzig in der nächsten Saison in der Bundesliga
© getty
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RB Leipzig hat es geschafft, das Ziel Bundesliga ist erreicht. Sieben Jahre nach dem Start des Projekts wurde der vorläufige Höhepunkt erreicht. Dominik Kaiser ging ab 2012 die Entwicklungsstufen des Klubs mit. Doch wird sich die Identifikationsfigur der Leipziger auch in der Bundesliga durchsetzen?

Dominik Kaiser ist zurück. Vier Jahre hat es gedauert, bis der Mutlangener wieder in der Bundesliga Fußball spielen darf. Zuletzt war das 2012 der Fall, damals noch in Diensten von 1899 Hoffenheim. Doch anstatt bei den Kraichgauern den vermeintlich einfachen Weg zu gehen, nahm er den Umweg über die Regionalliga zurück ins Oberhaus.

Zehn Bundesliga-Einsätze hatte er Mitte 2012 auf dem Buckel. Erst zu Jahresbeginn hatte er seinen Vertrag verlängert und sollte das neue Gesicht des Hoffenheimer Weges werden. Allerdings entschied sich der damals 23-Jährige gegen Hoffenheim und ging in die Regionalliga zu RB Leipzig. Zu gering erschien ihm die Chance, bei 1899 unter Markus Babbel auf ausreichend Einsatzzeiten zu kommen.

Dank des Bruders zu Hoffenheim

Dabei ist es beinahe schon verwunderlich, dass Kaiser überhaupt den Sprung in den Profi-Fußball schaffte. Er ist ein absoluter Spätstarter. 2009 gelang ihm erst mit 20 Jahren der Sprung in die Hoffenheimer U23 - und das auch nur auf Empfehlung. "Ich hatte bei Hoffenheim kein Probetraining im klassischen Sinne. Ich war zunächst einmal auf der Suche nach einem Verein, möglichst in der Nähe einer Universität. Mein Bruder kannte Markus Gisdol von der gemeinsamen Zeit beim SC Geislingen. So kam dann der Kontakt zustande, Gisdol hatte mich damals mit Normannia Gmünd schon öfter gesehen", erinnert sich Kaiser gegenüber SPOX zurück.

Zudem spielte er bis zu seinem 17. Lebensjahr professionell Tennis und war auf internationalen Turnieren anzutreffen. Der Württembergische Verband drängte ihn sogar dazu, sich auf Tennis statt Fußball zu konzentrieren. "Komplett mit dem Fußball aufzuhören, war nie eine Option für mich", so Kaiser.

Also folgte der Wechsel von Oberliga-Verein Gmünd zur Hoffenheimer Reserve in die Regionalliga. Über die U23 spielte er sich schnell ins Blickfeld der Bundesliga-Mannschaft und feierte am 34. Spieltag der Saison 2010/11 gegen den VfL Wolfsburg sein Debüt.

Rangnick und Zorniger mit großem Anteil

Anfang 2012 verlängerte Kaiser seinen Vertrag im Kraichgau, doch schon im Sommer ist Schluss bei 1899. Für die Rekord-Ablösesumme von 100.000 Euro schließt er sich RBL in der Regionalliga Nordost an.

Bei den Bullen trifft er auf einen ehemaligen Förderer aus Hoffenheim: Ralf Rangnick, der seine Spielidee von Alexander Zorniger umgesetzt sehen möchte. "Rangnick und Zorniger hatten einen wesentlichen Anteil an meinem Wechsel. Ihre Art, Fußball zu spielen, war mir bereits bekannt und vertraut. Ich war persönlich und sport-fachlich absolut überzeugt und wusste auch, dass ich mich dort weiterentwickeln kann", nennt Kaiser die Gründe für den ungewöhnlichen Wechsel.

Diese Einschätzung sollte sich auch bewahrheiten. In Kaisers ersten beiden Spielzeiten in Leipzig gelang der Durchmarsch von der Regionalliga bis in die 2. Liga.

Als Führungsspieler in Liga zwei

Vor allem das Jahr in der 3. Liga ist Kaisers Spielzeit. Mit 13 Toren und 14 Vorlagen ist es seine erfolgreichste Saison im Profi-Fußball, der Aufstieg ist vor allem auch sein Verdienst. Kaiser mauserte sich zur absoluten Identifikationsfigur und führte RB Ende Januar 2014 zum ersten Mal als Kapitän auf den Platz.

In der darauffolgenden Zweitliga-Saison musste der erste Dämpfer hingenommen werden, der erneute Aufstieg wurde verpasst. Der Entwicklung von Kaiser tat das jedoch keinen Abbruch. Er etablierte sich als einer der besten Spieler der Liga. Vor allem seine präzisen Standards wurden von der Konkurrenz gefürchtet.

Auch am Bundesligaaufstieg hat Kaiser einen großen Anteil, wenn auch seine Rolle auf dem Feld mit der Zeit defensiver geworden ist. Leipzigs Verstärkungen im Offensivbereich machten's möglich.

Keine Angst vor großen Namen

Doch welche Perspektive hat ein "Urgestein" wie Kaiser in der Bundesliga? Leipzig kündigte bereits an, den Kader für die neue sportliche Herausforderung verstärken zu wollen. Vor einer ähnlichen Entwicklung wie bei Daniel Frahn, dessen geringe sportliche Perspektive vor der Saison durch die Neuverpflichtungen zu einem Wechsel führten, hat Kaiser keine Angst.

"Wenn ich mir diesen Schritt nicht zutrauen würde, hätte ich meinen Vertrag vor der Saison nicht verlängern brauchen. Ich weiß, dass wie bei jedem anderen Klub auch zur neuen Saison neue Spieler kommen und damit auch Qualität hinzu kommt und entsteht. Es wird in der nächsten Saison sicher nicht leicht, das ist klar, aber ich traue mir das natürlich zu. Ich bin 2012 mit dem Traum und in der Vorstellung hergekommen, Bundesliga spielen zu wollen - und ich werde ganz gewiss alles dafür tun, damit dieser Traum in Erfüllung geht", gibt sich Kaiser selbstbewusst.

Damit dies gelingt, steht das Sport- und Mathematikstudium derzeit hinten an. "Zurzeit bin ich nicht mehr eingeschrieben an der Uni, da es mir nicht möglich ist, beides parallel zu bewerkstelligen. Bislang habe ich sechs Semester studiert und möchte das Studium irgendwann auch mit einem Abschluss beenden. Einen genauen Plan oder Ausblick gibt es aber noch nicht", sagt Kaiser.

Zum Tennisspielen kommt er auch kaum mehr: "Ohne regelmäßiges Training ist es eigentlich unmöglich, sein Niveau zu halten. Es macht mir nach wie vor noch viel Spaß, aber durch den mangelnden Rhythmus spiele ich inzwischen deutlich schlechter als früher."

Blickt man auf die Entwicklung des Fußballspielers Dominik Kaiser während der vergangenen vier Jahre, hat er mit seinen diversen Entscheidungen alles richtig gemacht.

Dominik Kaiser in der Übersicht

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