Sandhausen-Coach Alois Schwartz im Interview

"Ich bin doch kein Schauspieler"

Von Interview: Arne Pieper
Montag, 02.05.2016 | 13:03 Uhr
Alois Schwartz übernahm den SV Sandhausen zu Beginn der Saison 2013/14
© getty
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SPOX: Bereits im letzten Jahr haben Sie in der entscheidenden Phase der Saison einen ganz wichtigen Sieg im Duell der Gegensätze gegen Leipzig eingefahren, in diesem Jahr haben Sie den Coup wiederholt. Warum ist Leipzig so ein gutes Pflaster für Sie?

Schwartz: Ich kann es Ihnen gar nicht sagen. Wir mussten unbedingt punkten, gegen einen großen Klub wie Leipzig ist das natürlich eine besondere Sache. Es ist schön zu sehen, dass man gegen solche Teams mithalten kann, wenn man geschlossen auftritt und seine Stärken ausspielt. Das haben wir in den drei Jahren immer ganz gut hinbekommen.

SPOX: Ein Sieg in Leipzig ist doch bestimmt eine ganz besondere Genugtuung. Allein mit der Ablösesumme eines Davie Selke könnten Sie Ihren gesamten Kader finanzieren...

Schwartz: Von besonderer Genugtuung möchte ich nicht unbedingt reden. Aber solche Siege tun natürlich gut. Weil es zeigt, was mit harter Arbeit möglich ist, auch gegen scheinbar übermächtige Gegner.

SPOX: Der Weg in die Bundesliga ist natürlich auch ohne das große Geld möglich, wenn man etwa auf Darmstadt 98 blickt. Der Klub war vor nicht allzu langer Zeit in einer ähnlichen Situation wie Sie und hat es nun bis nach ganz oben geschafft. Hat Sie das Märchen vom Böllenfalltor dazu animiert, selbst vom "Hardtwaldt-Märchen" zu träumen?

Schwartz: Vor Darmstadt muss man den Hut ziehen, was dort mit Willenskraft, Geschlossenheit und Charakterstärke geleistet wurde. Das kann man auf einer anderen Ebene durchaus mit uns vergleichen. Aber im Gegensatz zu Darmstadt fehlt uns die Tradition. Dort ist das Stadion ausverkauft, daraus entwickeln sich andere Möglichkeiten. Auf solche Sachen können wir nicht zurückgreifen. Natürlich haben wir auch eine gewisse Tradition, aber die stammt aus dem Oberligabereich. Da gibt es noch einiges an Arbeit, vor allem, was die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung betrifft.

SPOX: Trotz aller Umstände geben Sie seit Jahren eine hervorragende Visitenkarte ab. Fühlen Sie sich langfristig zu Höherem berufen? Ihr Name wurde ja unter anderem bereits in Hannover, Stuttgart und Frankfurt gehandelt.

Schwartz: Mein Ziel ist es auf jeden Fall, so hoch wie möglich zu trainieren. Ich möchte mich selber ausreizen und sehen, wie weit ich damit kommen kann. So ehrgeizig bin ich schon. Wann und wo das aber sein wird - keine Ahnung. Da lass' ich mich mal selbst überraschen.

SPOX: Sie gelten als äußerst bescheidener Arbeiter, nicht als großer Lautsprecher. Steht Ihre Art einem möglichen Job in der Bundesliga möglicherweise ein wenig im Weg, weil Sie sich nicht selbst inszenieren und damit ins Licht der Öffentlichkeit rücken?

Schwartz: Das kann ich selbst nicht beurteilen, ich möchte einfach meine Arbeit sprechen lassen. Ich bin doch kein Schauspieler, ich bleibe authentisch. Das ist mir ganz wichtig, sowohl den Spielern, als auch den Medien gegenüber. Ich sehe es nicht als Vorteil, da jetzt den großen Lautsprecher zu machen.

SPOX: Ist es überhaupt möglich, diese wie Sie selbst sagen äußerst kräftezehrende Arbeit in Sandhausen über einen langen Zeitraum durch zu ziehen? Im Sommer steht wieder viel Arbeit bevor, mit dem Abgang Ihres Topstürmers Aziz Bouhaddouz sind Sie erneut gezwungen, angesichts des fehlenden Geldes in die Trickkiste zu greifen.

Schwartz: Es ist natürlich nicht einfach. Wir können nun einmal nicht mit Geld um uns schmeißen und schauen uns daher viel nach Dritt- und Viertligaspielern um, die über die Qualität verfügen, uns weiterzuhelfen. Da muss man auch mal ein bisschen Fantasie haben, wohin sich ein Spieler entwickeln könnte. Man sieht es ja bei Aziz Bouhaddouz: Wir haben ihn aus der vierten Liga geholt und jetzt sucht er nach dem nächsten Schritt für sich selber. Es wird immer Spieler geben, die den SV Sandhausen überholen.

SPOX: Wenn Sie sehen, wie es Ihrem ehemaligen Zweitligakollegen Andre Breitenreiter momentan bei Schalke ergeht: Ist Ihnen da die Dorfidylle vielleicht doch manchmal lieber als das Haifischbecken Bundesliga?

Schwartz: Natürlich gibt es immer Vor- und Nachteile. Aber trotz allem möchte man doch, deswegen bin ich auch Fußballlehrer geworden, so hoch wie möglich trainieren und vielleicht einmal die Möglichkeit bekommen, auf höchstem Niveau zu arbeiten. Alles andere gehört zum Job einfach dazu.

SPOX: Um nochmal beim Thema Ruhrgebiet zu bleiben, schließlich haben Sie in Ihrer aktiven Zeit selbst dort gespielt: Wäre es ein Traum, in diese fußballverrückte Region als Trainer zurückzukehren?

Schwartz: Es war schon eine schöne Zeit in Duisburg und Essen. Aber wo es denn im Endeffekt sein sollte, wenn es soweit kommt, da habe ich mir noch gar keine Gedanken drüber gemacht. Ich lasse die Dinge einfach auf mich zukommen.

Seite 1: Schwartz über die Arbeit im Dorf, seine Anfänge & seinen persönlichen Stil

Seite 2: Schwartz über Siege gegen Leipzig & einen möglichen Job in der Bundesliga

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