Dauerkrise bei den Münchner Löwen

Den Abgrund vor Augen

Donnerstag, 14.01.2016 | 12:04 Uhr
Ein Freund des Bieres und der sozialen Medien: Löwen-Investor Hasan Ismaik
© getty
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Die Lage bei 1860 München wird immer prekärer. Nach Jahren des sportlichen Niedergangs rückt zunehmend auch die bedenkliche finanzielle Lage in den Fokus. Investor Hasan Ismaik versucht mit realsatirischen Social-Media-Aktivitäten gegenzusteuern. Ein Abstieg hätte unvorhersehbare Folgen.

Wohin steuert Investor Hasan Ismaik den Klub?

Fast fünf Jahre ist es mittlerweile schon her, dass Hasan Ismaik Anteilseigner des TSV 1860 wurde. Damals im Mai 2011 erwarb der Jordanier für 18 Millionen Euro ein Anteilspaket von 60 Prozent an den Münchner Löwen, von denen wegen der 50+1-Bestimmungen der DFL jedoch nur 49 Prozent tatsächlich stimmberechtig sind. "Nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit unserem Investor Hasan Ismaik sind wir sehr optimistisch, die Zukunft des TSV 1860 im Profifußball zu sichern. Wir danken unseren Partnern für ihre Unterstützung auf allen Ebenen", sagte damals Präsident Dieter Schneider.

Stand heute wirken diese Worte wie reinste Ironie. Schon bald wurde Schneider von Ismaik aus dem Amt gedrängt. Auch mit seinen Nachfolgern kam Ismaik reihenweise nicht auf einen gemeinsamen Nenner; früher oder später lag er mit beinahe jedem Verantwortungsträger der Löwen im Clinch. Und diese mussten mit einer bedenklich niedrigen Halbwertszeit entweder gehen oder gaben von selbst entnervt auf. Der arabische Milliardär und der Traditionsverein aus Giesing: Schnell wurde klar, dass diese Kombination zu keinen nachhaltigen Erfolgen führen würde.

Lange umgab Ismaik eine Aura der Unnahbarkeit, der Jordanier war kaum greifbar. Alle paar Monate ließ er sich in der Allianz Arena blicken, wo er die Spiele seines Vereins mehr oder minder begeistert verfolgte. Jetzt, da der Klub dem sportlichen und finanziellen Abgrund immer zielstrebiger entgegentaumelt, sah Ismaik die Zeit gekommen, persönliche Publicity zu betreiben. Dafür bieten sich heutzutage die sozialen Medien bestens an.

Seit einigen Tagen ist auf Twitter und Facebook sein Profil "Ismaik1860" zu finden. Abgesehen von einer nicht wirklich schlüssigen Groß-/Kleinschreibung ist die Botschaft, die auf den Titelbildern verbreitet wird, prinzipiell erfreulich: "We wish the Lions A year Full of Achievements And success". Dieser fromme Wunsch kann den 1860-Fans jedoch nur wie blanker Hohn vorkommen. Ismaik steuert den Verein mit Posts wie diesem zielsicher in Richtung Lächerlichkeit: "Die anhaltende negative Berichtserstattung über die Löwen dient den Interessen mancher Vereine, von denen wir wissen und auch anderer, die uns nicht bekannt sind - ist das, was die Medien beabsichtigen? Sollen die Löwen fallen und die anderen erfolgreich sein?" Mit seinen teilweise realsatirischen Kommentaren brüskiert er den ganzen Verein.

Er brüskiert ihn aber nicht nur mit wohl letztlich harmlosen Posts, sondern bringt ihn zunehmend auch in eine akut existenzbedrohende finanzielle Lage. Anders als in den Jahren zuvor wandte Ismaik zuletzt nicht den bewährten Trick an, Schulden durch die Umwandlung in Genussscheine in Eigenkapital zu verwandeln. So wurden in den vergangenen Spielzeiten die DFL-Regularien erfüllt. Die Quittung gab es direkt: eine Strafe der DFL über 750.000 Euro. Ob Ismaik im kommenden März ein fast schon überlebensnotweniges Darlehen in Höhe von rund fünf Millionen Euro, das für die Lizenzerteilung der DFL für die kommende Saison von entscheidender Bedeutung ist, gewähren wird, ist mehr als fraglich.

Wohin steuert Investor Hasan Ismaik den Klub?

Wie sicher ist es, dass Ismaik Anteilseigner bleibt?

Welche Rolle spielt der neue Präsident Peter Cassalette?

Welchen Einfluss haben die anhaltenden Diskussionen auf sportliche Belange?

Welche Konsequenzen hätte ein möglicher Abstieg?

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