Die 2. Liga im Power-Ranking

17 Toreros jagen den Roten Bullen

Von Frederick Müller / Michael Berndt
Freitag, 24.07.2015 | 11:06 Uhr
RB Leipzig geht als absoluter Topfavorit in die neue Saison
© getty
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Die Saison 2015/2016 öffnet ihre Pforten. Für RB Leipzig ist der Aufstieg eine Pflichtaufgabe. Hinter Absteiger SC Freiburg tummeln sich die üblichen Verdächtigen, zu denen sich die Eisernen gerne gesellen wollen. Der 1. FC Nürnberg will vieles besser machen und die Umbruch-Teams aus Braunschweig und Paderborn suchen die Stabilität. Im Tabellenkeller kämpfen der FSV Frankfurt und die Chaos-Löwen um den Ligaverbleib. Der eine Aufsteiger versucht es wie Darmstadt, auf den anderen setzt keiner einen Pfifferling.

18. MSV Duisburg

Nach dem Zwangsabstieg 2013 sind die Zebras wieder im Unterhaus vertreten. Für einige MSV-Akteure stellt die 2. Liga Neuland dar. Das weiß auch Zlatko Janjic: "Wir müssen gerade unseren neuen Spielern, die zum ersten Mal in der 2. Liga sind, Zeit lassen. Der Druck ist höher, die Ansprüche sind größer. Das wird alles ein Lernprozess", so der Torjäger.

Auch von dem 17-Tore-Mann der letzten Saison wird viel abhängen. Unterstützung bekommt er von zwei Neuzugängen aus dem Rheinland: Dustin Bomheuer (Düsseldorf) und Thomas Bröker (Köln) spielten zusammen über 200 Zweitliga-Partien und sollen die Unerfahrenheit ausgleichen. Beide kamen ablösefrei und belasten den Duisburger Schuldenberg nur gering.

Finanziell hilft die Stadt, die die Stadionmiete für die erste Saison auf nur 900.000 Euro taxiert hat. Erst im zweiten Jahr wird es teurer. Sportlich wird es für den MSV eine schwere Nummer. Deswegen macht sich der Präsident keine Illusionen: "Für uns geht es nur um den Klassenerhalt. Mit Platz 15 wäre ich hochzufrieden", so Ingo Wald. Mit dem kleinsten Etat der Spielklasse ist dies keine schlechte Einschätzung.

17. 1860 München

Die imaginäre Überschrift über dem Trainingsgelände an der Grünwalder Straße lautet "Willkommen beim Chaos-Klub". In keiner Zweiliga-Mannschaft wird so viel über die Rahmenbedingungen im Präsidium gesprochen wie beim TSV. Sportchef Poschner kämpft gegen die Kritiker und wird degradiert, die Führungsriege tritt geschlossen zurück und Investor Ismaik installiert einen Vasallen als neuen Herrscher über "Münchens große Liebe".

Da Präsidien aber faktisch keine Punkte einfahren, lohnt sich der Blick aufs Sportliche. 1860 München schaffte mit viel Krampf und Kampf den Klassenerhalt gegen Holstein Kiel. Der Traditionsklub wankte, fiel aber nicht - und das war auch Verdienst von Torsten Fröhling, der weiter als Trainer arbeiten darf - Magath hin, Magath her.

Verstärkungen weist der Kader wenige auf, Abgänge ließen hingegen die Kassen klingeln. Top-Talent Julian Weigl wechselte für 2,5 Millionen zum BVB, auch Bobby Wood fütterte die Geldbörse. Bei all der Unordnung neues, vielversprechendes Personal zu überzeugen, mutierte zur Herkulesaufgabe. Eine Reinvestition zeichnet sich daher noch nicht ab. Immerhin kommt Mulic als guter Mann von der U23, Lacazette als viel versprechender Mittelfeldmann von PSG.

Die Saisonvorbereitung lief für 1860 schleppend: Einem Achtungserfolg gegen Basel folgten Niederlagen gegen Werder und Swansea. Um sportlich wieder zu überzeugen, muss der Sport auch wieder im Blickpunkt stehen. Gelingt das, hat der Kader genug Qualität für die 2. Liga, schließlich galt man letztes Jahr nicht zu unrecht als Aufstiegskandidat. Regiert jedoch weiter die Anarchie, ist bei den Löwen auch sportlich nichts mehr zu retten.

16. SV Sandhausen

Für die Jungs vom Hardtwald beginnt auch diese Saison mit einer schweren Hypothek. Drei Punkte zog ihnen die DFL aufgrund von Verstößen gegen die Lizenzbestimmungen vor dem Rundenstart ab. Schon im Frühjahr ereilte die Sandhausener das gleiche Schicksal.

Im Kader sieht es ebenfalls Mau aus: Mit Lukas Kübler (SC Freiburg) und Torhüter Manuel Riemann (VfL Bochum) verloren die Badener zwei Leistungsträger. Trainer Alois Schwartz konnte den Verlust wegen fehlender Mittel lediglich mit fünf Spielern aus der dritten Liga und der Regionalliga auffangen. Immerhin ist Top-Torjäger Aziz Bouhaddouz (zehn Tore) dem klammen SVS bisher treu geblieben.

Trotz schlechter Voraussetzungen steht fest: Alois Schwartz kann einen Underdog in eine Mittelfeldmannschaft verwandeln. Die letzten beiden Jahre (jeweils Rang 12) standen Pate dafür. Ein dritter Streich wäre aber aufs Neue sensationell. Die Möglichkeit ist gegeben. Das zeigen die gute Leistung in der Vorbereitungspartie gegen den SC Freiburg (2:1) und die gewohnt starke Abwehrleistung mit lediglich drei Gegentoren in acht Spielen. Dennoch wird das Abstiegsgespenst wie jedes Jahr in Sandhausen sein Unwesen treiben.

15. FSV Frankfurt

Knapp war es für die Frankfurter in der letzten Saison allemal, nur der Sieg im letzten Spiel gegen Fortuna Düsseldorf verhinderte den Gang in die Relegation. Deswegen leitete der FSV den Umbruch ein. "Retter" Tomas Oral bekam die Aufgabe, eine neue Mannschaft zu gestalten.

Führungskräfte wie Hanno Balitsch und Torhüter Patric Klandt verließen die Mainmetropole. Heinrich Schmidtgal und Kostenlos-Leihe Dani Schahin sollen das Erfahrungsloch stopfen. Insgesamt verpflichteten die Hessen 14 neue Spieler, zwölf mussten im Sommer gehen.

Tomas Oral achtete in diesem Jahr besonders auf den Charakter der Spieler. Diesen wird es auch brauchen, wenn der Klassenerhalt geschafft werden soll. Alles andere als ein Platz im letzten Tabellendrittel kann als Erfolg verbucht werden. Die klammen finanziellen Umstände und der Umbruch deuten darauf hin.

14. 1. FC Heidenheim

In Heidenheim wird man es wahrscheinlich nicht mehr hören können, aber: Die zweite Saison ist immer die schwierigste. Was in der Kreisliga gilt, gilt auch für die Kicker von der Ostalb in ihrer zweiten Zweitligasaison. Und den 1. FC Heidenheim könnte diese Ur-Weisheit des Fußballs hart treffen.

Die Aufstiegseuphorie ist Vergangenheit, ab sofort steht Alltag an. Es gilt, sich in der immer noch neuen Liga zu etablieren. Und sollten sich Vereine, die sich in der letzten Saison deutlich unter Wert verkauften und hinter dem FCH landeten, festigen, kann es schnell nach unten gehen. So mal mit Florian Niederlechner einer der Erfolgsgaranten den Verein verlassen hat: Mit seinen 25 Scorerpunkte ballerte sich der Stürmer in die erste Liga zum FSV Mainz 05. Die Neuzugänge Daniel Frahn und der 18-jährige Dominik Wiedemann sollen mit der Mischung von Routine und Talent den Abgang auffangen.

"Wir wollen nicht gegen den Abstieg kämpfen, sondern für den Klassenerhalt spielen", formuliert Trainer Frank Schmidt die Abstiegsangst um. Wenn man einen guten Start hinlegt und von dem einen oder anderen Wackler der Konkurrenz profitieren kann, steht dem nichts im Wege. Sollte es zu einer Abwärtsspirale kommen, kann es gefährlich werden.

13. FC St. Pauli

Für den Kiezklub gilt es, sich wieder zu stabilisieren. Die Vorsaison hat einige Nerven gekostet, ein Aderlass war nicht zu vermeiden. Arrivierte Spieler wie Göritz, Nöthe, Schachten und Kringe (Karriereende) laufen nicht mehr unter der Piratenflagge auf, dafür setzt Ewald Lienen auf drei Jugendspieler. Leihspieler Waldemar Sobota soll Goalgetter Lennart Thy mit mehr Vorlagen füttern. Extrem bitter: Arsenal-Neuzugang Ryo Miyaichi zog sich kurz vor Saisonstart einen Kreuzbandriss zu.

Trotz der vielen Abgänge erkennt der Trainer keinen Umbruch und blickt optimistisch in die neue Saison. "Die Stamm-Mannschaft haben wir bis auf zwei, drei Abgänge zusammengehalten. Wir haben gesehen, was alles möglich ist, wenn alle mit voller Leidenschaft und vollem Engagement fokussiert an einem gemeinsamen Ziel arbeiten", so Ewald Lienen im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.

Die Konsolidierung unter den "Top 25 in Deutschland" sei das erklärte Ziel der Hamburger, sprich ein Platz in der ersten Tabellenhälfte. Um das bereits in der nächsten Saison zu erreichen, darf sich Pauli nicht mehr so viele leichte Gegentore nach Standards und individuellen Patzern erlauben. Mit der verlässlichen Unterstützung des neuen Millerntors im Rücken sollte aber ein Platz in sicheren Gefilden drin sein.

Seite 1: Die Abstiegskandidaten

Seite 2: Das Mittelfeld

Seite 3: Die Aufstiegsfavoriten

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